We boldly go…nowhere!
Michael Khan hat es gestern schon befürchtet: Das war‘s jetzt, mit der amerikanischen Mond-Initiative. Fast auf den Tag genau sechs Jahre, nachdem George Bush jr. das Programm startete wurde es nun – passend zum Jahrestag der Columbia-Katastrophe - eingestellt. Neun Milliarden Dollar wurden bisher dafür ausgegeben. Eine weitere Milliarde wird es kosten, all die vielen Verträge des Constellation-Programms als „cancellation for convenience“ abzuwickeln. Die bemannte US-Raumfahrt ist nun ohne eine Mission.
Dieses Logo schlug ein enttäuschter amerikanischer Blogger als Logo für Obamas NASA-Haushaltsentwurf vor.
Obamas neuer Weg in den Weltraum führt...ja, wo führt er hin? Im Haushaltsentwurf ist keine programmatische Struktur zu erkennen. Alles ist vage und angedeutet. Die Meinungen der Kommentatoren schwanken denn auch zwischen blankem Entsetzen und völliger Orientierungslosigkeit, hin und wieder unterbrochen von der Schadenfreude derer, die schon immer gegen die bemannte Raumfahrt waren. Es scheint, als sei es Obamas Plan, durch ein Maximum an Verwirrung den völligen Zusammenbruch des NASA-Apparates zu bewirken und dann zu hoffen, dass aus der Asche der in sich zusammenfallenden Behörde irgendetwas kreatives Neues entsteht.
Häufig wird auch die Frage gestellt, warum das Weiße Haus und die Administration der NASA derart lange gebraucht haben, um zu diesem vagen und uninspirierten Dokument zu kommen. Die meisten hatten erwartet, dass in dieser langen Zeit der Beratung (in der noch Milliarden für das bisherige Programm ausgegeben wurden) etwas wirklich Gutes und Neues entstehen würde.
Eines ist auf jeden Fall klar: Constellation ist tot. Jetzt wird man kleinere Brötchen backen. Vielleicht backt man auch überhaupt keine Brötchen mehr.
Die vierte und fünfte Woche des Jahres scheinen für die NASA generell eine desaströse Zeit zu sein. Am 27. Januar 1967 ereignete sich das Apollo 1-Feuer, am 28. Januar 1985 die Challenger-Katastrophe. Am 1. Februar 2003 verunglückte die Columbia. Obamas Ankündigung des 1. Februars 2010 dürfte eines Tages in den Annalen einer auf ein technologiestudienschnippselchen verteilenden Weltraum-Amtes namens NASA ein ähnlich schwarzes Datum sein.
Was aber für die US-Raumfahrtpolikit nur als "ganz gewöhnlicher Scherbenhaufen" dastehen könnte, wie er in der Politik nun eben manchmal vorkommt, kann für die Crews der noch ausstehenden fünf Shuttle-Missionen lebensgefährlich werden. Der Obama-Plan wird mit Sicherheit verheerende Auswirkungen auf die Moral der Techniker und Ingenieure am Kennedy Space Center haben. Es gibt genug Beispiele wo es nach Programmeinstellungen und den damit bevorstehenden Massenentlassungen bei den noch ausstehenden Missionen zum Desaster kam, weil ein Tel der Belegschaft sich schon nach anderen Jobs umsah, die Besten bereits gegangen waren, und der verbliebene Rest ohne Motivation war. Die letzten Missionen des Titan IV-Programms beispielsweise waren mit rauchenden Trümmern im Wert mehrerer Milliarden Dollar gepflastert.
Unternehmen wie Orbital Sciences und Space X, Blue Origin oder die Sierra Nevada Corporation, die möglicherweise einzigen Gewinner dieser rätselhaften Ankündigung, werden zu den wenigen gehören, die einen moderaten Aufbau betreiben können. Doch wie viele der hochqualifizierten NASA-Ingenieure und Techniker können diese Unternehmen, die momentan nur zwischen einem Dutzend bis maximal 650 Menschen beschäftigen überhaupt aufnehmen? Diese kleinen Start-ups dürften jetzt von tausenden von Stellenanfragen überschwemmt werden. Der weitaus überwiegende Rest der erfahrenen Workforce wird sich aber in alle Winde zerstreuen und versuchen irgendwo sonst in der maroden Wirtschaft der USA einen Job zu finden. Für die Raumfahrt sind sie dann verloren. Erfahrung und Know-How sind extrem verderbliche Güter. Sie beginnen vom ersten Tag, an dem sie nicht mehr gepflegt werden, zu faulen.
Was aus Amerikas bemannter Raumfahrt werden soll, ist jetzt noch völlig unklar. Aus dem wolkigen Geschwurbel kann für das erste nur folgendes abgeleitet werden:
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Die NASA bekommt insgesamt geringfügig mehr Geld als bisher.
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Ein Teil davon ist für die Entwicklung eines bemannten privaten Raumtransportsystems vorgesehen. Ein Plan dafür liegt derzeit nicht vor.
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Zusätzliches Geld bekommt auch ein Krabbelsack von Technologievorhaben wie etwa der (tatsächlich vielversprechende, aber noch weit von einer praktischen Anwendungen entfernte) Vasimir-Antrieb, aufblasbare Raumstations-Habitate (die allerdings mangels geeigneter Raumtransportsysteme gar nicht angesteuert werden können) und Grundlagenforschung für zukünftige Schwerlastsysteme, die eine signifikante Kostenreduzierung mit sich bringen sollen (seit Mitte der sechziger Jahre gibt es hier Studie um Studie, die allesamt nie realisiert wurden. Gerade beschäftige ich mich mit dem Konzept "Hyperion" von McDonnell aus dem Jahre 1967) sowie Techniken wie die Einrichtung von Treibstoffdepots im Orbit und dem Transfer von Treibstoff (aber für welchen Zweck?)
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Der Shuttle wird noch in diesem Jahr seinen Dienst einstellen.
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Ares 1 und Ares 5 werden eingestellt.
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Die Entwicklung des Orion-Raumschiffs und des Altair-Mondlanders werden eingestellt.
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Die internationale Raumstation wird bis mindestens 2020 betrieben. Die Frage ist nur: Wie wollen die amerikanischen Astronauten dorthin kommen? Die Antwort liegt auf der Hand: Heute wird in Russland zunächst so manches Glas Wodka geleer werden. Danach werden bei Energia, Samara und Chrunitschew die gegenwärtigen Ressourcen- und Auslastungsplanungen nach oben angepasst. Innerhalb des letzten letzten Jahres sind – wenig überraschend - die Preise für die Plätze in den Sojus-Raumkapseln schon mal um 60 % gestiegen.
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Es werden zusätzliche Mittel – drei Milliarden Dollar - für nicht genannte robotische Missionen, für Erdbeobachtung und „grüne“ Vorhaben bereitgestellt. Klingt viel, aber nur mal zum Vergleich: Drei Milliarden Dollar kostet die bevorstehende Mission des Mars Science Laboratory schon ganz alleine.
Meine persönliche Einschätzung der Lage nach dieser Budgetankündigung: Die NASA bricht auf dem Weg nach vorne alle Brücken hinter sich ab. Das vollständige Desaster ist damit vorprogrammiert. Die geplante amorphe Förderung von hier ein bisschen und dort ein wenig ohne den straffen Rahmen einer "Mission" wird direkt ins Nirgendwo führen. Beispiele dafür gab es in der Vergangenheit viele.
Zunächst einmal, davon kann man mit Sicherheit ausgehen, erfolgen jetzt bis in den Herbst hinein endlose Debatten über den weiteren Weg der NASA ohne dass etwas in Richtung einer klaren Programmstruktur bewegen wird. Der Kongress wird dieses Programm, das keines ist, so nicht hinnehmen und den Budgetentwurf des Weißen Hauses anfechten. Positiv kann dieses Desaster jetzt nur dann noch ausgehen, wenn Unternehmer wie Robert Bigelow oder Elon Musk Mut haben und viel Geld einsetzen. Und sie brauchen Fortune. Ansonsten war es das, mit Amerikas bemannter Raumfahrt.
NASA-Administrator Boldens Rede zum Neuen Budget: http://www.nasa.gov/pdf/420994main_2011_Budget_Administrator_Remarks.pdf





Noch ist zwar das letzte Wort nicht gesprochen, doch fürchte ich, dass eine wirkliche, energische Weiterführung des Constellation-Programms - also nicht das, was bis jetzt geboten wurde, sondern etwas, das erkennen lässt, dass man eine klare Zielsetzung und einen ehrgeizigen Zeitplan vor Augen hat - gar keine Option ist.
Sicher gibt es Widerstände im Kongress, die sind aber erwartungsgemäß politischer Art. Der Kongress ist eine politische, keine wissenschaftliche Veranstaltung.
Probleme haben Abgeordnete oder Senatoren allein damit, dass in ihren Heimatstaaten Arbeitsplätze verlorengehen, notfalls lassen sie sich ihre Zustimmung durch Zugeständnisse an anderer Stelle abhandeln. Die langfristige Vision der amerikanisch geführten Erforschung des Weltalls hat keine wirkliche Lobby, die Wissenschaft auch nicht.
Ich kann nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass die jetzige Entscheidung, wenn sie bestand hat, auch durch spätere Administrationen nicht mehr umkehrbar sein wird. Zumindest in den drei kommenden Jahren wird sich nichts mehr tun.
danach aber wird die industrielle Kapazitát aus der Shuttle-Aera verloren sein. Die Fertigungsanlagen werden abgebaut oder konvertiert sein, eingespielte Teams und Konsortien aufgeloest, die Fachleute in andere Arbeitsgebiete abgewandert und keine jungen Leute mehr ausgebildet. Will man dann aber wieder zurück, so wird das erstens nicht so einfach und zweitens viel langwieriger und kostspieliger, als wenn man das Ganze jetzt konzentriert durchgezogen hätte.
Zoegern, Hickhack, Hin-und-Her, das hält den ganzen Laden auf und kostet im Endeffekt immer nur Geld. Apollo war deswegen im Kosten- und Zeitrahmen, weil man sich auf solche Spielchen nicht eingelassen hat.
Beim Shuttle und der ISS und auch beim europäischen Galileo-Navigationssystem waren dagegen alle Pläne schnell Makulatur und die Kosten liefen aus dem Ruder, weil man den immer gleichen fehler machte, auf die Bremse zu treten, wo man hätte Gas geben müssen.
Obamas Plan? Der Haushaltsentwurf macht in meinen Augen klar, dass er (abgesehen von ein bisschen Kommerzialisierung und etwas internationaler Zusammenarbeit) keinen Plan hat, und dass ihm die Raumfahrt letztlich auch egal ist. So lange er ein bisschen Geld verteilen und dadurch Arbeitsplätze in für ihn wichtigen Staaten sichern kann, passt das schon... Entsprechend pragmatisch und gleichzeitig auch beliebig ist der Entwurf.
Wenn bei Obama, wie Nasa-Chef Bolden gestern gesagt hat, Innovation und Raumfahrt tatsächlich in den Genen liegen sollten, warum hat er seine (angebliche) Vision gestern nicht selbst vorgestellt - oder sich während seiner Amtszeit überhaupt einmal für die bemannte Raumfahrt ausgesprochen?
Man ist ja immer versucht, das Positive zu sehen. Ich als Laie frage mich, ob hinter den Kürzungen nicht auch ein notwendiger Umbau steckt. Die NASA betreibt im Land des Kapitalismus und freien Unternehmertums derzeit eine Raumfahrt, die technisch durchaus in Reichweite von privaten Unternehmen ist, oder? Warum sollte nicht eine Privatfirma wie SpaceX den Taxidienst zur ISS übernehmen? Vielleicht ist es wirklich klüger, der NASA Mittel an die Hand zu geben, solches Unternehmertum zu fördern, statt alles selbst zu machen. Das ist vielleicht ein ähnlicher Prozess wie bei der Privatisierung der Telekommunikation. Erinnert sich noch jemand an die Bundespost?
Die NASA ist ein Relikt aus dem Kalten Krieg. Sie MUSS sich neu erfinden. Die Vorstellung erst zum Mond und dann darüber hinaus wurde ja schon 1972 begraben und hat wohl auch zum Bruch von Wernher von Braun mit der NASA geführt. Seit 1972 produziert die NASA nichts als Animationen und tolle Graphiken was die bemannte Raumfahrt jenseits des LEO anbelangt. Ich denke es ist an der Zeit hier mal ganz grundsätzlich über Sinn und Zweck der NASA nachzudenken, statt sich immer neue Programme auszudenken, mit denen amerikanische Präsidenten protzen, ohne sich um deren Finanzierung zu kümmern. Was Obama derzeit macht schmerzt, aber es ist ehrlich.
Man kann die Dinge auch positiver sehen.
Das NASA-Budget soll mitnichten "geringfügig" sondern um sechs Milliarden Doller (!) in fünf Jahren erhöht werden, und das entgegen aller Sparvorgaben im Gesamt-Haushalt. Das ist doch was! Wir Europäer sollten ganz ruhig sein: Das ESA-Budget wird gegenüber 2010 zurückgefahren und in den kommenden zwei Jahren auf dem Niveau von 2009 eingefroren, wie man hört [1]. Um mal die Relation aufzuzeigen: allein die in Aussicht gestellte Mittelaufstockung der NASA ist größer als der ESA-Etat eines Jahres.
(3) Es gibt eine ganze Reihe professioneller Beobachter, die die Neuausrichtung willkommen heißen, siehe z.B. [2] und [3].
Ob der neue Weg zum Erfolg führt hängt jetzt davon ab, was NASA, Industrie und die internationalen Partner daraus machen. Das sollte man doch erst einmal abwarten! Man kann ja wohl nicht behaupten, daß Apollo on Steroids das Non-Plus-Ultra gewesen wäre, mal ganz zu schweigen davon, daß Constellation unseriös (d.h. gar nicht) finanziert war.
[1] http://www.spaceflightnow.com/...01/15esaspending/
[2] http://www.planetary.org/...Welcomes_New_NASA.html
[3] http://www.universetoday.com/...ns-thats-a-relief/
Danke für den Link zu universe today, da ist eine lebendige Diskussion im Gange:
http://www.universetoday.com/...ns-thats-a-relief/
Aussagen wie diese hier zielen in die Richtung, an die ich in meinem ersten Kommentar dachte:
"If you want to get political about it, show me in the constitution where it says that my government should run a space program…. I am all for private venture."
Sicher ist es immer notwendig, Technologien in den privaten Sektor übergehen zu lassen. Wäre das nicht so, würde die ESA immer noch geostationäre Ssatelliten bauen und betreiben. Das koennen mittlerweile private Betreiber viel besser, und sie tun es auch.
Auch die Taxi-Dienste zur ISS sind in privaten Händen vielleicht besser aufgehoben ... wer weiß. Da weder die Falcon 9 noch die Dragon geflogen ist, ist das schwer zu beurteilen. Allerdings verkaufen ja auch russische Stellen Plátze in der Sojus wie private betreiber - ein Indiz, dass es für die staatlichen Agenturen Zeit ist, sich weiter zu bewegen, hin zu ferneren, hoeheren Zielen.
Aber genau da liegt ja das Problem. Die USA verzichten bis auf Weiteres auf alles, was über das LEO hinausgeht. Und gerade da bezweifele ich, dass die Sache in privaten Händen besser aufgehoben wäre.
Und @Elias:
Sicher, verglichen mit den erbärmlichen europäischen Aktivitäten ist die Situation der NASA immer noch ausnehmend gut. Aber wer sich an den Europäern misst, hat wirklich schon allen Ehrgeiz aufgegeben.
Und: Sicher, eine Erhoehung des NASA-Budgets ist gut. Allerdings kann man sich schon fragen, ob ohne eine klare Ausrichtung, ein Flagschiffprojekt, über das sich die NASA definiert, es ihr auch gelingt, sich "neu zu erfinden". Bis jetzt hatte sie jedenfalls immer jeweils einen klaren Auftrag.
Mag sein, dass ein "Apollo on Steroids" nicht das Allerbeste ist, was man sich denken koennte. Aber erstens ist das allemal besser als "ISS auf Krücken". Zweitens bestanden durchaus belastbare Konzepte zu viel weitergehenden Missionen unter Nutzung der Constellation-Technik.
"Die USA verzichten bis auf Weiteres auf alles, was über das LEO hinausgeht. Und gerade da bezweifele ich, dass die Sache in privaten Händen besser aufgehoben wäre."
Hmm, also ich traue dem privaten Sektor Flüge bis zum Mond zu. Es müsste halt ein Geschäftsmodell dafür geben. Wir Europäer unterschätzen ja auch gerne die Dynamik der Unternehmerkultur in den USA. Ich meine, da tummeln sich zuhauf Multimillionäre, die einem Roman von Schätzing entstiegen zu sein scheinen. Typen wie Musk, Branson und wie sie alle heißen. Was haben wir? Ackermann&Co.! Graue Mäuse, die rumlaufen wie Sparkassendirektoren und sich wie weiland Zumwinkel beim Steuerhinterziehen erwischen lassen oder noch blöder beim Schmieren der FDP. Was machen unsere Reichen eigentlich mit ihrer ganzen Kohle? So teuer können die Yachten in Monaco doch gar nicht sein und die Tresore in der Schweiz nicht so groß für das ganze Geld dieser Langweiler. Haben die denn keine Träume außer Schampusbaden mit Heidi Klum?
Okay, das war jetzt eine polemische Entgleisung. Ich will damit nur sagen, dass in einem Land wie Amerika sich Geldeliten tummeln, die viel mehr bewegen und nicht so trantütig sind wie unsere.
Ich bin immernoch optimistisch, den ersten Menschen auf dem Mond live zu sehen. Es ist nur nicht sicher, ob auf seinen Anzug NASA oder Google (etc.) aufgenäht ist. Mir ist das eigentlich egal, man kennt das ja vom Fußball.
"Ich bin immernoch optimistisch, den ersten Menschen auf dem Mond live zu sehen."
Ich wette dagegen :-)
Das waren alles Fakten ... wo war da Polemik? :-)
Mag sein, dass die Bigelows und Musks tatsächlich auch Mondreisen zustandebekommen. Ich gönne es ihnen. Aber ich bezweifele, dass es dann billiger oder zugänglicher wird als wenn eine Agentur so etwas macht. Eine Vision ist schön und gut, aber was diese Leute bis jetzt in der Raumfahrt gemacht haben, ist entweder keine (Virgin Galactic) oder es auch nur eine Kopie dessen, was die Raumfahrtagenturen bereits seit Jahrzehnten können.
Man tut immer so, als sei der Dragon billiger als Orion, weil das Ding von einer Privatfirma entwickelt wird. Aber wir müssen erst noch einmal sehen, was das Ding leistet und wie es um die Sicherheit bestellt ist. Bis jetzt habe ich noch keine Falcon 9 fliegen sehen und auch noch keinen wie auch immer gearteten Praxistest des Dragon. Und vor allem ist noch einmal festzustellen, wie das mit den Kosten aussieht.
Branson ist übrigens Europäer!
Ich kann mich besonders gut an eine Aussage von Mike Griffin erinnern, zu einem Zeitpunkt, als er das Constellation-Programm gerade aufgesetzt hatte. Er sagte, dass große technischen Aufgaben vor dem Programm stünden. Das Hauptproblem werden aber nicht die technischen Probleme sein. Die würde man immer irgendwann und irgendwie in den Griff bekommen. Das wahre Problem bestünde darin, das Programm über mindestens sieben Legislaturperioden zu transportieren, bis endlich Menschen auf dem Mars landen könnten. Seine Aussage stimmte. Schon in der ersten Legislaturperiode hielten sich die Politiker nicht an ihre Vorgaben. Schon in der zweiten wurde es aus diesem Grund storniert.
Raumfahrtprogramme brauchen einen langen Atem. Raumfahrt ist nicht für vierjährige Legislaturperioden geeignet und schon gar nicht für Politiker. Ihr Denken geht – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nie über die nächste Wahl hinaus. Raumfahrt braucht Raum. Und Zeit. Zum Scheitern und zum Gelingen. Und wichtiger noch: Sie braucht ein Ziel. Dieses Ziel hat Obama der amerikanischen Raumfahrt genommen.
Im Grunde sind alle der hier genannten Argumente richtig. Michael Khan arbeitet in der Raumfahrt genauso wie ich. Wir sehen es täglich, was passiert, wenn man Expertise nicht intensiv pflegt. Raumfahrt ist wie Hochleistungssport. Schon am zweiten Tag, an dem man nicht gefordert wird, ist man schlechter als am Tag zuvor. Nach nur wenigen Wochen Fertigungsunterbrechung klappen Vorgänge, die über Jahre hinweg einwandfrei gelaufen sind, aus unerklärlichen Gründen plötzlich nicht mehr. Doch sind diese Gründe gar nicht so unerklärlich. Es ist nur dieses eine einzelne Prozent verloren gegangen, das in der Raumfahrt oft den Erfolg vom Scheitern trennt. In der Raumfahrt kann man nicht einfach den Reset-Knopf drücken, ohne gleich sehr, sehr weit abzustürzen.
Den Russen war das übrigens bekannt. Die einzige Industrie, die durch die Wirren des Zusammenbruchs der Sowjetunion kam, war die Raumfahrtindustrie. Es gab für nichts Geld. Aber was man zusammenkratzen konnte ging in die Raumfahrt. Sie blieb die Keimzelle für die russische Hochtechnologie und sie bringt Russland jedes Jahr Milliarden mit steigender Tendenz.
Was Alexander Stirn sagt ist wahr: Obama wird mit der NASA kein Problem mehr haben. Er muss nun nicht mehr die Staffelstab des Constellation-Programms an seinen Nachfolger weitergeben. Er ist einfach stehengeblieben und hat ihn weggeworfen.
Und auch Stefan Taube hat Recht: Die NASA hat versäumt, das, was zu privatisieren möglich gewesen wäre auch zu privatisieren. Aber deswegen darf man ihr nicht die Mission nehmen. Nun ist sie nichts anderes mehr als ein Amt. Wie jedes andere auch.
Schon mal darüber nachgedacht, warum Buzz Aldrin den vorgesehenen Richtungswechsel begrüßt? Ist er am Ende auch ein Gegner der bemannten Raumfahrt ...?
Hier ist natürlich klar, wie's gemeint war,aber letzthin - bei einer Firmenführung - hat mich ein Schüler allen Ernstes gefragt, wann denn meiner Meinung nach der erste Mensch auf dem Mond landen würde.
Ich kann ihm die Frage nicht verübeln. Für ihn ist das soweit entfernt wie für mich der erste Motorflug von Wilbur Wright.
Klar, Buzz Aldrin steht mit 80 einfach über den Dingen. Und er hat auch komplett recht: das mittelfristige Ziel der bemannten Raumfahrt sollte der Mars sein. Und er kann das auch völlig locker äußern. Egal wo die Reise nach dieser wahrscheinlich sehr langen Unterbrechung auch immer hingehen wird, er wird es sowieso nicht mehr erleben.
Ich bin, gelinde gesagt, ziemlich bestürzt, auf welch Stammtischniveau gerade die 'Experten' hier über Obamas unvermeidbaren Befreiungsschlag lästern - was, bitte schön, wäre denn die Alternative gewesen? Der Augustine-Report hat ja nun unmissverständlich klar gemacht, dass Constellation nicht in 20 Jahren aus dem LEO heraus geführt hätte. Und dann wäre doch allenfalls nur ein 'Apollo 2.0' ohne wirklich fundamentale Innovation herausgekommen.
Jetzt steht der Raumfahrt der Welt (Bolden hat immer wieder betont, dass die großen Sprünge fürderhin nur noch in internationalem Rahmen gemacht werden, und dies u.a. auch gerade dem DLR-Chef versichert) eine Vielzahl von möglichen Wegen offen, und der "flexible path", der jetzt im Wesentlichen gegangen wird, könnte tatsächlich die gewünschte Inspiration für die Jugend (Amerikas) entfalten. Wie ernst ihm dies ist, hat Bolden kürzlich bei einer Rede vor 3000 US-Astronomen eindrucksvoll zur Schau gestellt und damit rasant an Sympathien gewonnen.
Die erstaunliche Bewegung, die in die US-Raumfahrt-Szene gekommen ist, konnte man bereits heute beim gemeinsamen Auftritt Boldens mit dem Wissenschaftsberater Obamas in Washington erleben. Da steht plötzlich der Chef von Blue Origins auf der Bühne, einem bis dato praktisch geheimen Raumfahrtprivatprojekt des Gründers von Amazon. Und der Mann von Boeing nennt als wichtigstes Ziel für die von seiner Firma zu bauende kommerzielle bemannte Rakete ... nicht die ISS sondern die Weltraumhotels, die der etwas verrückte Unternehmer Bigelow bauen will. Kann alles Schall und Rauch sein. Oder aber der Beginn einer wirklich interessanten Ära.
@Thorsten: Um es böse zu formulieren: Buzz Aldrin war schon immer loyal zu seiner Präsidenten - im Zweifelsfall zu denen, die ihn von den Dollarscheinen anlächeln. Natürlich hat er gute Verbindungen zur privaten Raumfahrt und mischt im Weltraumtourismus selbst mit. Und er war schon immer ein Gegner des neuen Mondprogramms. Würde ja auch irgendwie an seinem Vermächtnis kratzen, wenn auf einmal Krethi und Plethi über den Mond spazierten ;-)
@Daniel Fischer: Ich kritisiere ja nicht, dass Constellation getilgt wurde (das von Anfang unterfinanziert und z.T. auch dilettantisch umgesetzt wurde), sondern dass es keine klare Alternative gibt, keine Leuchtturmmission, keine Ziele. Ich glaube halt nicht, dass so etwas Abstraktes und Unkonkretes wie "flexible path" inspirierend wirken kann. Vielleicht stehe ich aber auch noch zu sehr unter dem Eindruck der Pressekonferenz vom Montag, bei der Bolden und Garver Unmengen von heißer Luft abgesondert haben.
Die Kommerzialisierung kann wirklich einiges in Bewegung bringen. COTS (mit all seinen Schwierigkeiten) war ja schon ein guter Anfang. Wenn das klappt, wird es die bemannte Raumfahrt (und die Nasa) grundlegend verändern - allerdings nicht in Richtung Wissenschaft und Exploration.
Ich bitte diejenigen, die über "heiße Luft" in den Dokumenten (und Boldens Reden) klagen, zu bedenken, dass wir noch gar nicht den kompletten Etat-Plan gesehen haben - weil es der nämlich noch gar nicht fertig ist.
Zum Vergleich: Die Unterlagen, die vor einem Jahr am Budget-Request-Tag vorgelegt wurden, waren rund 600 Seiten stark - und diesmal ist das detaillierteste Papier eine 22-seitige PPT-Präsentation gewesen. (Offenbar gibt es keine Vorschrift, dass Anfang Februar alles parat zu sein hat?)
Man hört, dass die eigentlichen Informationen in einigen Wochen nachgereicht werden sollen; da gibt es wohl auch noch Abstimmungsbedarf mit der Industrie: Vielleicht klingt bald alles weniger nebulös als im Augenblick.
Grandseigneur Buzz Aldrin hat schon seit Jahren seinem Unbehagen Ausdruck verliehen, wobei sich dieses insbesondere gegen die geplanten Raketen, insbesondere die Ares I wendet.
http://www.chron.com/...mpl/chronicle/5906199.html
Ich stelle in dieser Diskussion eins fest, nämlich dass gerade die Leute, die aus einem industriellen Umfeld kommen, darunter Eugen Reichl und ich, die tiefsten Sorgenfalten in der Stirn haben. Wahrscheinlich hat das damit zu tun, dass wir aus eigener Erfahrung wissen, dass ein großes industrielles Projekt wie ein Ozeanriese ist.
Wenn man da ploetzlich von "volle Kraft voraus" (bzw. im Fall von Constellation ehrlicherweise "halbe Kraft voraus" auf "volle Kraft zurück geht und gleichzeitig das Steuer voll herumlegt, dann kann man davon ausgehen, dass der ganze Riesenkasten quer zur Dünung dümpelt und es lange dauert, bis man ihn wieder in die richtige Richtung gedreht und Fahrt aufgenommen hat.
Leute mit wissenschaftlichem Hintergrund sehen das alles etwas lockerer und messen industruiellen Prozessen weniger Bedeutung bei. Das habe ich immer wieder erlebt.
Ich denke nach wie vor: Jedes Projekt schleppt immer eine Erblast mit sich, und für sich betrachtet, mag das alles erheblich suboptimal aussehen. Bloß habe ich - pragmatischerweise - lieber ein suboptimales Projekt als gar keins.
Ich glaube, in der Wissenschaft wird die neue Nasa-Marschrichtung mit Erleichterung gesehen. Nach den Nachwehen der in jeder Hinsicht unseligen Bush-Ära scheint wieder etwas mehr Rationalität ins Weiße Haus eingekehrt zu sein. Man kann Obama nach seinem ersten Jahr sicher so einiges vorwerfen, die Beerdigung von Bush-Juniors Mond- und Marslandephantasien gehört für mich nicht dazu.
In den Wissenslogs hat sich Mierk Schwabe ebenfalls zu dem Thema geäußert, und ihr kann ich mich inhaltlich nur anschließen: http://www.wissenslogs.de/...-weltraum-ist-beendet
Mag sein, dass die Fans der ISS (war Reagan so viel besser als W?) sowie andere Wissenschaftler meinen, sich jetzt die Hände reiben zu koennen.
Bei den ISS-Leuten ist das eher albern. Gerade das Ding war doch ein Geldschlucker par Excellence. Um wieviele Hundert Prozent wurde doch gleich jeder Zeiit- und Budgetplan überschritten? Wievielen anderen Projekten fehlte deswegen das Geld? Das wird gern vergessen, lieber stellt man die ISS als durch Constellation gefáhrdet dar ... ob das überhaupt stimmt, muss erst noch einmal belegt werden.
Kritisch wird's, wenn es um den Ersatz der ISS geht. Wenn die wirklich wichtig ist, die ihre fans behaupten, ist ja wohl auch der nachfolger wichtig. Wenn der ab 2020 oder kurz danach operationell sein soll, müsste man schon mal anfangen. Hm ... mit welcher Schwerlastrakete soll die dann doch gleich gestartet werden? Ach, oder soll genau der Fehler der jetzigen ISS nochmal wiederholt werden? Das wird wohl so kommen.
Freunde der Marswissenschaft werden sich freuen? Einen groeßeren Freund der Marswissenschaft als mich kann man sich nicht vorstellen, und ich freue mich keineswegs. Denn mir sind, im Gegenteil zu den wirklich allermeisten Wissenschaftlern in ihren Elfenbeintürmen, auch etwas von der technischen Herausforderung, die darin besteht, nennenswerte Hardware zum Mars zu bekommen.
Mars Sample Return beispielsweise, die wirklich große Herausforderung der unbemannten Marsforschung in den kommenden 15-20 Jahren, ist mit vorhandener Raketentechnik eine erhebliche Herausforderung udn nur mit Verzicht an allen Ecken und Enden zu machen.
Mit einem einzigen Ares V-Start dagegen ließe sich das Projekt in 3 statt mindestens 5 Jahren, mit satten Massenmargen statt verzweifeltem Schaben an jedem Gramm und mit einer anständigen(TM) zurückgebrachten Probenmasse statt lächerlicher 500 Gramm durchführen. Klar, die Rakete wäre teurer als die zwei mittelgroßen Raketen, die uns jetzt maximal zur Verfügung stehen werden. Aber wichtig sind nicht allein die Startkosten, sondern die gesamten Missionskosten, und DIE koennten, wenn man mit einer Ares V starten kann, sogar geringer sein.
Sich jetzt zu freuen, ist vielleicht etwas zu kurz gedacht und mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein fall von "zu früh gefreut".
Von "Freude" oder gar Schadenfreude soll auch nicht die Rede sein. Die Emotionen seien lieber den Fans der Raumfahrt überlassen. Es geht um eine rationale Bewertung von Kosten und Nutzen. Die wurde nun endlich einmal gemacht.
Ich begrüße allerdings die Möglichkeiten, die die Abkehr von den bemannten Landeplänen für die Wissenschaft eröffnet.
Zum Thema ISS bleibt schließlich zu sagen, dass sie ihrem Anspruch als Wissenschaftsplattform für die gesamte Menschheit bislang kaum nachgekommen ist. Bislang ging es hauptsächlich darum, die aufzubauen und am Leben zu erhalten. Nun ist sie aber da, und es wäre töricht, jetzt, da sie auch für die Wissenschaft immer nutzbarer wird, schon ihr Ende einzuläuten.