kosmologs Astronomers do it at Night

Einstein-Widerleger und Co

von Carolin Liefke, 09. Mai 2009, 19:19

Die deutschsprachige physikbezogene Bloggerwelt konzentriert sich seit vorgestern fast nur auf eins: Österreich kündigt seine Mitgliedschaft beim CERN auf, auch Jan Hattenbach hat das Thema in den Himmelslichtern angesprochen. Am lebendigsten wird die Diskussion in Florian Freistetters Astrodictum Simplex geführt, eine ganze Schar von Kommentatoren hat dort Ablehnung und Unverständnis für die Entscheidung des österreichischen Wissenschaftsministers geäußert. Und dann ist da auch noch "Fred". Fred ist der Meinung, daß am CERN eh nur unnütz Geld verschwendet würde, die Wissenschaftler dort seien allesamt auf dem Holzweg, und eigentlich seien Raum und Zeit und natürlich auch der Urknall nichts weiter als eine Illusion.

Jeder der in Astronomie und Physik irgendeiner Form mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun hat, der kennt solche Leute. Zum Beispiel "den Philosophen". Der Philosoph sitzt bei jedem unserer Abendvorträge in der ersten Reihe und hört aufmerksam zu. Dem Vortragenden drückt er im Anschluß an die Veranstaltung ein etwa 20 Seiten starkes Manuskript in die Hand: "Meine eigenen Gedanken zur Entstehung des Universums. Es wäre schön, wenn sie sich das einmal anschauen könnten." Trifft er sein Opfer bei einer anderen Veranstaltung wieder, dann möchte er wissen, ob er seinen Gegenüber denn auch von seiner Theorie überzeugen konnte oder ob es noch weiteren Infomaterials bedarf. Er gebe ja zu, er sei kein Fachmann und habe nie Physik studiert, aber das bräuchte man ja auch eigentlich nicht, um solche einfachen Dinge wie den Ursprung des Universums zu verstehen.

Nun ist der Philosoph ein älterer Herr, der sein Manuskript noch mit der Schreibmaschine abgetippt hat. Artverwandte Denker jüngerer Generationen nutzen mit Vorliebe die Möglichkeiten des Internets. Webseiten zu Themen wie "Einstein widerlegt!", unter denen Hobby-Physiker ihre Ideen und Theorien präsentieren, finden sich in den unendlichen Weiten des WWW zuhauf. Einstein und seine Relativitätstheorie sind in dieser Hinsicht besonders beliebt, dichtauf gefolgt von kosmologischen Themen wie dem Urknall oder der Dunklen Materie.

Der Fortschritt in den Naturwissenschaften lebt von neuen Denkansätzen. Aaaaber, solche Überlegungen müssen auch Hand und Fuß haben, also eine solide Basis aus mathematisch-physikalischen Grundlagen. Und hier fangen die Probleme dann an, denn während einem Einfälle ja sprichwörtlich im Schlaf kommen können, ist es für den Laien-Wissenschaftler oft nicht mehr so einfach, die Physik, die hinter ihrem Konzept steht, nachzuvollziehen. Aktuelle wissenschaftliche Forschung kann hoch komplex sein und erfordert oft Vorkenntnisse und Erfahrungen, die nur das dazugehörige Studium plus tägliche Arbeit in der Forschung liefert. So schleichen sich dann leicht Irrtümer und Mißverständnisse ein, die einem Profi schnell auffallen.

Soweit so gut. Leider ist die Spezies Amateur-Physiker zwar immer gut dabei wenn es darum geht zu versuchen andere von seinen Vorstellungen zu überzeugen, aber nur selten ist er an echten Diskussionen und Kritik interessiert. Was also tun, wenn jemand, der seine Ideen beispielsweise in einem Internetforum vorstellt, sich von den aufgedeckten Widersprüchen partout nicht überzeugen läßt und auf der Richtigkeit seiner Theorie beharrt? Der argumentierende Profi darf sich dann nämlich auch noch schnell vorwerfen lassen, daß seine Denkweise zu sehr in festen Bahnen läuft, zu sehr geprägt ist von dem Respekt vor großen Namen und dem was man im Studium "als Tatsache" gelernt hat. Natürlich hat der studierte Astronom, Physiker, Chemiker etc. bei allgemein akzeptierten Theorien und Gesetzmäßigkeiten festeren Boden unter den Füßen als auf dem unbekannten Terrain neuer Ansätze. Ihm aber deshalb Ignoranz und Beschränktheit vorzuwerfen, zeigt, daß man ganz grundsätzlich die Arbeitsweise in der Naturwissenschaft nicht verstanden hat. Physiker nutzen Theorien und Gesetzmäßigkeiten (basierend auf der hohen Kunst der Mathematik...), um vorhandene Beobachtungen zu erklären und die Ergebnisse zukünftiger Experimente vorherzusagen. Schlägt das fehl, so bedeutet dies, daß der entsprechende Ansatz widerlegt wurde und verworfen werden muß oder zumindest eine "Nachbesserung" erforderlich ist. Andersrum gibt es aber keine Möglichkeit, eine Theorie endgültig zu beweisen. Hinzu kommt, der Gültigkeitsbereich praktisch jeder Theorie ist begrenzt - für den Laien ist eine der größten Stolperfallen bei wissenschaftlichen Theorien, die Grenzen ihrer Anwendbarkeit zu überblicken.

Und die ultimative Lösung im Umgang mit solchen Querdenkern? Es gibt keine. Leider. Im Diskussionsforum von astronews.com beispielsweise  werden "Diskussionen über so genannte alternative Theorien oder über Kritik an allgemein anerkannten physikalischen Konzepten" resolut in das speziell dafür eingerichtete Unterforum "Gegen den Mainstream" verbannt und damit mehr oder weniger schon im Vorwege in ein Kuriositätenkabinett einsortiert. Verstöße gegen dieses Prinzip werden mit Verwarnungen geahndet. Ob das angebracht ist, sei mal dahingestellt. Zwar werden solche Diskussionen so in vernünftige Bahnen gelenkt, aber zumindest im Umgang mit Unbeteiligten, die beispielsweise im Internet über solche Themen gestolpert sind und einfach nur wissen wollen ob da wirklich was dran sein könnte, steht man dann schonmal gleich in aggressiver Abwehrhaltung da, kein guter Anfang wenn es darum geht jemanden vom Gegenteil zu überzeugen. Bei wirklich interessierten Leuten funktioniert das ja auch meistens - solange die Fachleute es ihnen freundlich, auf verständlichem Niveau und ohne in hochtrabende Fachsprache zu verfallen erklären können.

Der Hobby-Wissenschaftler dagegen... Auch die Nerven der geduldigsten Wissenschaftler sind irgendwann einmal überstrapaziert, wenn Argumente ignoriert werden, auf Fragen mit Gegenfragen geantwortet und Unwissenheit mit einem Wirrwarr von Fachausdrücken kaschiert wird. Schließlich und endlich muß sich unser Querdenker dann ein simples "Schuster, bleib bei deinen Leisten" gefallen lassen. Schnell hinterläßt seine Einstellung, daß ausgerechnet er selber dazu auserkoren ist, die gesicherten Erkenntnisse etablierter Fachleute vom Thron zu stürzen, einfach nur den faden Nachgeschmack einer Neigung zur Selbstdarstellung. Nicht selten steigert sich das dann auch zu handfesten finanziellen Interessen: Angefangen bei Werbebannern auf Webseiten mit entsprechend reißerischen Schlagzeilen bis hin zu Aufforderungen a la "Kauft mein Buch, da steht das alles ganz genau drin!"

Durch polarisierende Statements reißt jemand wie Fred natürlich sofort jede Diskussion an sich. Versuche mit ihm zu auf sachlicher Ebene zu debattieren schlagen naturgemäß fehl, aber er hat Aufmerksamkeit, hat ein Publikum gewonnen, das ist es was er will. Da hilft dann oft nur ignorieren. Leider geben Leute wie Fred selten wirklich auf. Sie ziehen weiter zum nächsten Opfer, zum nächsten Internetforum oder Blog, und verbreiten ihre abstrusen Ideen unter einem neuen Publikum...





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Kommentare

  1. Cecilia Payne Richtiges Zitieren
    01.07.2009 | 19:26

    Hallo P. Konrad!

    Mit dem Zitieren steht Jocelyne einfach auf Kriegsfuß. Die darauf anzuwendenden Regeln behindern sie auf ihrem Kreuzzug. Belehren will sie sich darüber aber auch nicht lassen, zwei schöne Beipiele
    http://www.ekkehard-friebe.de/....php?postid=11964
    http://www.ekkehard-friebe.de/...5ef94f25a89ee47ce

    Aber vielleicht besprechen wir das lieber zusammen mit Caro im Nebenzimmer.

    LG
    Cecilia

  2. Karl Bednarik Dieser Konflikt ist vermeidbar.
    02.07.2009 | 08:25

    Dieser Konflikt ist vermeidbar.

    Auf der einen Seite gibt es Phänomene, Fakten, Tatsachen, Vorgänge, die einfach da sind, und die jeder jederzeit nachprüfen kann.

    Auf der anderen Seite gibt es Theorien, Hypothesen, Vermutungen, Erklärungsversuche, die diese oben genannten Dinge beschreiben sollen.

    Nach Sir Karl Popper sind Theorien prinzipiell nicht beweisbar, sie müssen falsifizierbar sein, aber sie dürfen noch nicht falsifiziert worden sein.

    Die Aufgabe der Physik ist es, die Welt zu beschreiben, und nicht die Welt zu erklären.

    Auch ein Stein fällt nicht deshalb hinunter, weil v = g * t und s = ( g / 2 ) * t^2 beträgt, sondern weil er mit der Masse der Erde irgendwie wechselwirkt.

    Aber bei geringen Fallgeschwindigkeiten und Fallhöhen im Hochvakuum beschreiben diese Gleichungen das Verhalten von fallenden Gegenständen sehr genau.

    Das würden sie auch dann noch tun, wenn sich die Gravitationstheorie als völlig falsch herausstellen sollte.

    Für höhere Geschwindigkeiten hat sich der Faktor Quadratwurzel von ( eins minus ( Quadrat der Geschwindigkeit geteilt durch das Quadrat der Lichtgeschwindigkeit ) ) also f=sqrt(1-(v^2/c^2)) sehr gut bewährt.

    Ganz gleich, ob die spezielle Relativitätstheorie richtig oder falsch ist, sobald man diesen Faktor passenderweise oberhalb oder unterhalb des Bruchstriches einsetzt, bekommt man die richtigen, mit der realen Welt gut übereinstimmenden Zahlenwerte heraus.

    Wir sollten nicht vergessen, dass sich die reale Welt weder nach der speziellen Relativitätstheorie noch nach dem Faktor sqrt(1-(v^2/c^2)) richtet, denn die reale Welt kann nicht denken.

    Aber die spezielle Relativitätstheorie und der Faktor sqrt(1-(v^2/c^2)) sind eine mögliche Beschreibung der Welt.

    1849 hat Armand Fizeau die Zahnradmethode zur Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit entwickelt.

    Ein Lichtstrahl fällt durch eine Zahnlücke eines rasch rotierenden Zahnrades auf einen weit entfernten Spiegel, und wenn der Lichtstrahl wieder vom Spiegel zurück kommt, und nur dann wenn sich das Zahnrad um eine Zahnlücke weiter gedreht hat, dann ist er wieder sichtbar.

    Diese Tür-auf-Tür-zu-Methode lässt dem Lichtstrahl überhaupt keine Wahl, irgend etwas andres zu tun.

    Wenn der Spiegel halb so weit entfernt ist, dann muss das Zahnrad doppelt so schnell rotieren, wenn der Lichtstrahl durchkommen soll.

    Das zeigt einerseits, dass die Reflektion am Spiegel nur eine sehr geringe Zeit benötigt, und es zeigt auch, dass das Licht auf kurzen Strecken genau so schnell wie auf langen Strecken ist.

    Nachdem sich die Zeitdauer des Lichtblitzes selbst auch auf langen Strecken nicht vergrössert, müssen alle Lichtteilchen gleich schnell sein, was bei anderen Teilchenstrahlen nicht so sein muss.

    Obwohl Armand Fizeau keine Laser, Kerr-Zellen, Fotodioden, Elektronik, und Computer zur Verfügung hatte, waren seine Messergebnisse nur um rund fünf Prozent zu hoch.

    Das schöne daran ist, dass damit die Lichtgeschwindigkeit zu einer für jeden Menschen überprüfbaren Tatsache geworden ist, ganz unabhängig von allen Theorien über die Lichtgeschwindigkeit.

    Als man dann in der Braunschen Röhre Elektronen immer weiter beschleunigen konnte, da fiel auf, das die Elektronen unter keinen Umständen die Lichtgeschwindigkeit erreichen können, aber dass sich die zugeführte Energie dann als Massezunahme der Elektronen auswirkte.

    Das ist eine einfache Tatsache, und das ist völlig unabhängig von jeder Theorie.

    Der Faktor sqrt(1-(v^2/c^2)) passte aber reibungslos auch auf dies Vorgänge.

    Ich warne aber vor der stillschweigenden Annahme, dass die Elektronen irgend etwas von diesem Faktor wissen.

  3. Jocelyne Lopez Berechtigte Fragen
    02.07.2009 | 09:08

    @ Karl Bednarik
    “Die Aufgabe der Physik ist es, die Welt zu beschreiben, und nicht die Welt zu erklären.“

    Die Welt zu erklären nicht, das kann die Physik in der Tat nicht, aber die Physik muß schon physikalische Phänomene erklären können. Sonst bräuchte ich keine Wissenschaft, ich kann ja die Phänomene selbst sehen oder erfahren, und sie einfach so hinnehmen. Ich möchte aber gerne wissen, wie sie zustande kommen. Die Physik muß mir das erklären, und zwar nachvollziehbar und rationell.

    Deshalb sind meine Fragen nach der Kausalität der Längenkontraktion und der Zeitdilatation berechtigt, zum Beispiel:

    1) Wie können die Variationen des Gangs eines beliebigen Geräts „Uhr“ Variationen in den biologischen Abläufen in meinem Organismus mit sich ziehen?

    2) Wie kann ein Objekt sich in einem leeren und freien Raum verkürzen, nur weil es sich relativ zu mir bewegt? Welche Kraft bewirkt diese Verkürzung, wobei fest steht, dass es sich nicht um eine optische Täuschung des Beobachters handelt?

    Aber wie Sie es selbst in dieser Diskussion feststellen können, bekomme ich keine sachlichen Antworte zu diesen berechtigten Fragen. :-((

    Viele Grüße
    Jocelyne Lopez

  4. Karl Bednarik Beschleunigen von Elektronen
    02.07.2009 | 09:35

    Bild: Beschleunigen von Elektronen.

    http://members.chello.at/....bednarik/RELATEL8.jpg

    Unter 100 kV ist die Welt noch völlig in Ordnung, aber über 1000 kV heisst es dann plötzlich "rien ne va plus".

  5. Jocelyne Lopez Kausalität muß immer vorhanden sein
    02.07.2009 | 10:04

    Die Kausalität eines Phänomens muß bei jeder Geschwindigkeit vorhanden und beschrieben bzw. erklärt werden. Auf die Kausalität kann man in der Wissenschaft nicht verzichten, sonst ist es keine Wissenschaft mehr.

    Auch wenn ich annehme, dass eine Uhr sich mit Lichtgeschwindigkeit relativ zu mir bewegen würde - was sowieso nicht möglich ist - könnte ich genau so wenig erkennen, wie sie Veränderungen in den biologischen Abläufen in meinem Organismus bewirken könnte, genauso wenig als ob sich die Uhr nur mit 3 km/h relativ zu mir bewegt.

    Viele Grüße
    Jocelyne Lopez

  6. Karl Bednarik Beschreiben oder Erklären?
    02.07.2009 | 10:14

    Hallo Jocelyne Lopez,

    Beschreiben ist einfach, Erklären ist schwierig.

    Als ich noch zum Chemotechniker ausgebildet wurde, stellte ich die folgende Überlegung an:

    Die Festigkeit von Holz stammt hauptsächlich von Cellulosefasern.
    Die Cellulosefasern bestehen aus Glucosemolekülen.
    Die Glucosemoleküle bestehen aus Kohlenstoff-, Sauerstoff-, und Wasserstoff-Atomen.
    Die Atome bestehen aus Elektronen und Atomkernen.
    Die Atomkerne bestehen aus Protonen und Neutronen.
    Die Protonen und Neutronen bestehen aus up- und down-Quarks.
    Na, ja, die Elektronen und die up- und down-Quarks, die sind dann eben einfach da.

    Hier folgt Erklärung auf Erklärung, bis am Ende jemand sagt: "Das ist eben so".

    Ein Teil der Materie des Universums scheint den Faktor sqrt(1-(v^2/c^2)) zu befolgen.

    Warum das so ist, das ist mir nicht klar, vermutlich besitzt diese Materie aber kein eigenes Denkvermögen.

    Auch die Quantenmechanik verleitet eher zum Erstaunen als zum Erklären.

    Wenn man aber die auf die Quantenmechanik passenden Gleichungen verwendet, dann kann man alle quantenmechanischen Vorgänge genau vorhersagen, auch wenn man sie überhaupt nicht versteht.

    Hier hat die menschliche Mathematik den menschlichen Hausverstand ein gutes Stück hinter sich gelassen.

    Mit freundlichen Grüssen,
    Karl Bednarik.

  7. Helmut Wicht @ Bednarik
    02.07.2009 | 10:46

    "Beschreiben ist einfach, Erklären ist schwierig."

    Trollfutter -- wohlschmeckendes aber! Ich bin fast ganz auf Ihrer Seite, würde aber einen 'draufsetzen:

    "to explain is human, to describe divine"

    Ich hab' den Spruch von R. Glenn Northcutt, meinem Mentor in post-doc Zeiten. Ob er ihn wirklich erfunden hat, weiss ich nicht. Aber er hat recht. Jede Erklärung ist letztlich die Reduktion einer Sache auf's Unerklärliche - und damit, witzigerweise, auch eine Art vom Mystifikation. Die Beschreibung verharrt beim Phänomen, ist, so gesehen, ehrlicher, näher an der Sache selbst. Ist sie deshalb "göttlich", wie der Spruch suggeriert?

    Ich weiss nicht -- aber ich glaube, dass ich, wenn ich ein Gott wäre, mich zuallererst mal flott über das Prinzip der Kausalität erheben würde. Weil ich aber nur Mensch bin, und das nicht kann, kann ich aber doch meine Rede über die Natur so einrichten, dass die Kausalität in ihr keine grosse Rolle spielt.

    Und das ist dann der Grund, warum einige von uns Naturwissenschaftlern (R. Glenn Northcutt gehört dazu) sich der Kunst der Deskription und nicht der der Explanation verschrieben haben. Wir sidn so näher bei unseren Göttern (an die wir nicht glauben). Das Programm ist - sagen wir's ruhig: ein romantisches.

  8. Karl Bednarik Atomuhren
    02.07.2009 | 11:06

    Wenn man zwei sehr genaue Atomuhren neben einander aufstellt, dann kann man ihren Gleichlauf testen.

    Wenn man nun eine dieser Atomuhren um hundert Meter höher aufstellt, dann geht diese Uhr um den Faktor 1,08912 mal 10 hoch minus 14 schneller.

    Nachdem auch Lebewesen aus Atomen bestehen, kann man vermuten, dass auch Lebewesen um diesen Faktor schneller leben.

    Die auf diese Beobachtung passenden Gleichungen stehen in der allgemeinen Relativitätstheorie.

    Für das GPS (Global Positioning System) hat man eine Menge Atomuhren in verschiedene Erdumlaufbahnen geschossen.

    Nach der allgemeinen Relativitätstheorie müssten diese Atomuhren schneller gehen, weil sie sich hoch oben befinden.

    Um aber nicht wieder herunter zu fallen, müssen diese GPS-Satelliten eine bestimmte Kreisbahngeschwindigkeit haben.

    Nach den Gleichungen der speziellen Relativitätstheorie müssten schnell bewegte Atomuhren aber langsamer gehen.

    In einer Flughöhe von einem halben Erdradius heben sich dann diese beiden Effekte gerade gegenseitig auf.

    Auf diese Fakten passen die Gleichungen der allgemeinen und der speziellen Relativitätstheorie sehr genau darauf.

    Das bedeutet aber keineswegs, dass die allgemeine und die spezielle Relativitätstheorie irgend einen Einfluss auf die Materie hat.

    Die beiden Relativitätstheorien beschreiben das Verhalten der Materie, aber sie bewirken es nicht.

    Bild (sehr anschaulich):

    http://members.chello.at/....bednarik/ZEITDILA.PNG

    Berechnung (weniger anschaulich):

    http://de.wikipedia.org/...xisnahes_Rechenbeispiel

  9. Jocelyne Lopez Messbarkeit und Kausalität fehlen
    02.07.2009 | 11:36

    @ Karl Bednarik:

    “Beschreiben ist einfach, Erklären ist schwierig.

    Gut, erklären ist schwierig, aber gerade das erwarte ich von der Wissenschaft.

    Die physikalische Phänomene braucht man mir im Grunde genommen nicht zu „beschreiben“: Ich sehe oder erfahre sie ja selbst. Man sollte sie mir aber erklären, und zwar so, dass eine Kausalität zu erkennen ist. Sonst kann ich genauso gut zu einer Wahrsagerin gehen, die sich selbst Zusammenhänge aus der Welt zusammenreimt und sie blind glauben.

    Es gibt für ein und dasselbe Ereignis verschiedene Ursachen, die zusammen wirken. Eine Ursache hat in der Natur meistens immer mehrere Wirkungen, und andersrum hat eine Wirkung meistens mehrere Ursachen. Dass könnte zum Beispiel der Teilnehmer aus dieser Diskussion, der Arzt Stephan Kaula, wohl am besten für die Medizin bestätigen, das sagen uns auch die Ärzte immer: Ein beobachtbares Symptom ist selten die Folge von einer einzigen Ursache, genauso wie auch das gleiche Symptom ein Zeichen für viele verschiedenen Ursachen sein kann.

    Das ist in der Physik grundsätzlich nicht anders: Verschiedene Effekte wirken bei einer beobachtbaren Auswirkung zusammen. Der Anteil jeder Auswirkung kann man unter Umständen getrennt messen und das liefert uns statistische Erfahrungswerte. Dafür muss aber dieser Anteil messbar sein, sonst kann man nicht folgern, dass dieser Effekt bei der beobachtbaren Auswirkung mitwirkt!
    Die angenommenen Auswirkungen der relativistischen Effekte „Längenkontraktion“ (Verkürzung eines bewegten Objektes) und „Zeitdilatation“ (Verjüngung eines Organismus) sind jedoch unumstritten nicht messbar, weil sie außerhalb der technischen Messbarkeit liegen. Sie wurden auch nie gemessen, sondern nur angenommen. Sie sind also aus wissenschaftlicher Hinsicht keine konkreten Messergebnisse, voraus man Erfahrungswerte gewinnen konnte und könnte, auch nicht rein statistisch, sondern sind und bleiben reine Spekulationen – wie bei den Aussagen einer Wahrsagerin. Dafür aber, dass sie nicht beobachtbar sind, fällt auch noch dazu eine plausibel Kausalität… :(

    Man kann mir also lange erzählen, die Effekte existieren und wirken sich in der Natur aus, ich brauche es nach dem Standard einer redlichen Wissenschaft nicht zu glauben. Dafür fehlt eben die Einhaltung der Grundsätze einer redlichen Wissenschaft.

    Man könnte es vielleicht mit folgendem Gedankenexperiment verdeutlichen:

    Man lässt ein Monat lang eine Gruppe von Testpersonen eine strenge Diät durchführen, indem sie aber dabei die Nahrung mit den Zähnen von der linken Seite des Kiefers kauen müssen. Nach einem Monat steht man fest, dass alle Testpersonen abgenommen haben. Man schließt aus diesem Experiment: Das Kauen der Nahrung mit den linken Backzähnen führt wissenschaftlich nachgewiesen zu Gewichtabnahme.
    Sie würde diese Schlussfolgerung doch als Scharlatanerie ansehen, oder?

    Viele Grüße
    Jocelyne Lopez

  10. Thilo Atomuhren
    02.07.2009 | 11:39
  11. Jocelyne Lopez Fragestellung verfehlt
    02.07.2009 | 15:10

    @ Thilo:

    Jegliche Experimente und Messergebnisse mit Uhren verfehlen hier die Fragestellung:

    Mich interessiert nicht, wie Uhren verschiedenen Bauarten (Atomuhren, Quarzuhren, Pendeluhren, Sanduhren, usw.) unter verschiedenen Umweltbedingungen sich verhalten, ob sie langsamer oder schneller laufen – das sind Ergebnisse, die einzig die Uhrbauer interessieren können – sondern mich interessiert wie die Verlangsamung des Ganges von irgendwelchen Uhren irgendwelcher Bauart, die sich unter irgendwelchen Umweltbedingungen irgendwo relativ zu mir bewegen, bewirken kann, dass mein Organismus langsamer altert. ???? Die Kausalität zwischen der Verlangsamung des Gangs irgendeiner Uhr, die sich irgendwo relativ zu mir bewegt, und der Verlangsamung der Alterungsprozesse in meinem Organismus interessiert mich brennend – wobei seltsamerweise einzig eine Verlangsamung des Gangs der Uhr sich simsalabim auf mein Organismus überträgt: Es ist von der SRT nicht vorgesehen, dass mein Organismus schneller altert, wenn irgendwelche Uhren sich irgendwo relativ zu mir bewegen und schneller laufen. Schon mal was.

    mfg
    Jocelyne Lopez

  12. KOSMOloge Zeitdehnung nicht messbar???
    02.07.2009 | 15:19
    Liebe Jocelyne, Sie schreiben: "Die angenommenen Auswirkungen der relativistischen Effekte „Längenkontraktion“ (Verkürzung eines bewegten Objektes) und „Zeitdilatation“ (Verjüngung eines Organismus) sind jedoch unumstritten nicht messbar, weil sie außerhalb der technischen Messbarkeit liegen. Sie wurden auch nie gemessen, sondern nur angenommen." Hä? Die Zeitdehnung ( = Zeitdilatation = langsameres Altern, aber ungleich verjüngen...) ist nicht nur messbar, sie wurde bereits in vermutlich tausenden Experimenten bestätigt. Hier zwei Beispiele: 1. die schon erwähnten GPS Satelliten: Sind Sie der Meinung, dass die Wissenschaftler, die an Entwicklung und Betrieb der GPS Satelliten beteiligt sind Lügen, um die SRT nicht infrage zu stellen? Oder denken sie, dass es Zufall ist, dass die Korrekturen, die bei den Uhren der GPS Satelliten vorgenommen werden müssen, genau mit den Vorhersagen Einsteins übereinstimmen? (Das ist keine rhetorische Frage! Mich interessiert wirklich, wie Sie sich das erklären.) 2. Test durch Präzisions-Laserspektroskopie (Artikel: http://idw-online.de/pages/de/news239308 ) Auch hier würde es mich sehr interessieren, wie Sie das erklären. Alles Wissenschaftler die Messergebnisse fälschen? Oder vielleicht doch ein Hinweis darauf, dass die SRT in ihrem Geltungsbereich unsere Welt sehr genau beschreibt? Freundliche Grüße, KOSMOloge
  13. Thilo @ JL
    02.07.2009 | 15:40

    Wer hat behauptet, daß es eine "Kausalität zwischen der Verlangsamung des Gangs irgendeiner Uhr, die sich irgendwo relativ zu mir bewegt, und der Verlangsamung der Alterungsprozesse in meinem Organismus" gibt?

    Beide Verlangsamungen, die der Uhr (egal ob Atomuhr oder anderer Bauart) und die der Alterung des Organismus, gehen auf dieselben Ursachen zurück.

    Nur ist es eben so, daß (jedenfalls solange Sie die Erde nicht verlassen) sich diese Verlangsamung (selbst über längere Zeiträume) nur auf wenige Mikrosekunden aufsummieren wird, Sie sie also gar nicht bemerken werden und sie eben auch nur mit sehr genauen Uhren messen können. (Nur deswegen spielt die Bauart der Uhr eine Rolle. Grundsätzlich geht jede Uhr in der Höhe um einige Nanosekunden langsamer. Aber nur mit einer Atomuhr werden Sie diesen Unterschied auch feststellen.)

  14. Ernst kein Betreff
    02.07.2009 | 16:07

    ZITAT Thilo:
    Beide Verlangsamungen, die der Uhr (egal ob Atomuhr oder anderer Bauart) und die der Alterung des Organismus, gehen auf dieselben Ursachen zurück.
    ZITATENDE

    Das wurde ihr auch schon erklärt - nur die Crux ist, dass Frau Lopez gar nicht vorhat, etwas zu lernen. Alles was sie sucht, sind Sätze, die sie, wie bei Dr. Pössel geschehen, aus dem Zusammenhang gerissen für ihren ideologischen Kreuzzug gegen die moderne rationale Wissenschaft missbrauchen kann.

  15. Thilo @ Kosmologe
    02.07.2009 | 16:07

    Kosmologe: "Sind Sie der Meinung, dass die Wissenschaftler, die an Entwicklung und Betrieb der GPS Satelliten beteiligt sind Lügen, um die SRT nicht infrage zu stellen?"

    Es gibt tatsächlich RT-Kritiker, die genau das behaupten. Prof. Hartwig Thim (Vorgänger von Frau Lopez im Vostand der GFWP) behauptet, die GPS-Uhren würden täglich von Ingenieuren nachjustiert, um die (seiner Meinung nach falschen) eingebauten relativistischen Effekte auszugleichen und damit den Glauben an die Relativitätstheorie am Leben zu erhalten.

    Im Kommentarteil vonhttp://www.scienceblogs.de/.../03/einstein-130.php findet man eine Reihe von Thim-Zitaten mit dieser Behauptung.

  16. Jocelyne Lopez GPS-Technologie ungeeignet
    02.07.2009 | 16:39

    @ KOMOloge

    1. Bei der GPS-Technologie stören mehrere Umweltfaktore den Gang der Satellitenuhren (sie können dabei wohlgemerkt sowohl langsamer als auch schneller laufen), sodaß die Uhren nicht mehr synchron laufen und von den Kontrollstationen auf Synchronizität ständig überwacht werden müssen und nach Bedarf "manuell" korrigiert werden. Bei diesen Korrekturen wird der relativistischen Effekt zwar formal und rein rechnerisch miteinbezogen, aber dieser Effekt ist so winzig, dass er unter den viel größeren anderen Störungseffekte, die auf ein Schlag korrigiert werden, dabei definitiv nicht differenzierbar ist. Die GPS-Technologie ist also nicht geeignet, den Effekt „Zeitdilatation“ zu bestätigen oder zu widerlegen. Der Erfinder der Atomuhren, Louis Essen ( http://www.worldnpa.org/...tab2=Display&id=433 ) war übrigen ein entschiedener Kritiker der SRT, sowie zum Beispiel auch ein der Väter der GPS-Technologie, Ronald Hatch (http://www.worldnpa.org/...tab2=Display&id=257). Siehe zum Beispiel auch in meinem Blog (mit weiterführenden Links):

    Harald Maurer: Das Maerchen der GPS-Navigatore als Bestaetigung der Relativitaetstheorie
    http://www.jocelyne-lopez.de/...ativitaetstheorie/

    Die Bestätigung der Speziellen Relativitätstheorie durch die GPS-Technologie: Auch ein Joke!
    http://www.jocelyne-lopez.de/...gie-auch-ein-joke/

    Und wieder das Märchen der GPS-Navigatore als Bestätigung der Relativitätstheorie…
    http://www.jocelyne-lopez.de/...lativitatstheorie/

    2. Genauso ist die GPS-Technologie ungeeignet, den Effekt „Längenkontration“ zu messen: Die relativistische Verkürzung meines Autos (oder der Strecke??) ist nicht messbar: Die Genauigkeit der GPS-Navigatore bei Positionierung meines Autos liegt bei einer Größenordnung von ein paar Meter (was übrigens eine fantastische Leistung ist), sie müsste im Bereich von Bruchteil von Millimetern liegen (oder gar im Quantenbereich??), um festgestellt zu werden. Das ist natürlich nicht der Fall. Ich bin aber schon begeistert genug, wenn mein Navigator meine Position auf ein paar Meter ermittelt. ;)

    Viele Grüße
    Jocelyne Lopez

  17. Jocelyne Lopez Alterung und Uhrengang
    02.07.2009 | 17:01

    @ Thilo:

    “Wer hat behauptet, daß es eine "Kausalität zwischen der Verlangsamung des Gangs irgendeiner Uhr, die sich irgendwo relativ zu mir bewegt, und der Verlangsamung der Alterungsprozesse in meinem Organismus" gibt?“

    Das hat Einstein in seiner SRT behauptet, siehe weiter oben die Original Version des Zwillingsparadoxons, die mit den geschüttelten Käfern.

    „Beide Verlangsamungen, die der Uhr (egal ob Atomuhr oder anderer Bauart) und die der Alterung des Organismus, gehen auf dieselben Ursachen zurück.“

    Die Alterung eines Organismus geht auf die Genen und die Lebensbedingungen des jeweiligen Individuums zurück.
    Ich wüsste nicht, dass die Verlangsamung oder Beschleunigung des Gangs von Uhren auf deren jeweiligen Genen und Lebensbedingungen zurückgehen.

    Das müssten mir schon Ärzte und Biologen nachweisen.

    mfg
    Jocelyne Lopez

  18. Thilo @ JL
    02.07.2009 | 17:07

    Och bitte, Louis Essen war nicht der Erfinder der Atomuhr (das war W.F.Libby), auch wenn er immerhin 1955 die Atomuhr verbessert hat. Wobei ich nicht recht weiß, was das jetzt mit Relativitätstheorie zu tun haben soll.

    Und Ronald Hatch ist ein einflußreicher Manager, aber das macht ihn noch nicht zu einem der Väter von GPS.

    Und überhaupt: was wollen Sie mit solchen Zitaten beweisen? GPS funktioniert und man kann berechnen (und messen), wie groß der Fehler ohne die relativistischen Korrekturen wäre.

  19. Thilo @ JL
    02.07.2009 | 17:14

    "Das müssten mir schon Ärzte und Biologen nachweisen."

    Ich nehme mal an, daß Ihnen dies schon von vielen anderen erklärt worden ist, aber ich versuche es trotzdem noch einmal: die relativistischen Effekte sind so gering (im Mikrosekundenbereich), daß kein Arzt oder Biologe sie Ihnen nachweisen können wird. Deswegen braucht man die Atomuhren zum Nachweis. Darüber hinaus haben Atomuhren oder andere Uhren mit den relativistischen Effekten nichts zu tun.

  20. Cecilia Payne Erklärungen
    02.07.2009 | 17:43

    Hallo Thilo!

    "Ich nehme mal an, daß Ihnen dies schon von vielen anderen erklärt worden ist"
    Tausendmal erklärt, tausendmal ignoriert! Es bringt nichts, mit Jocelyne über physikalische Phänomene und Zusammenhänge diskutieren zu wollen. Sie wird da immer zumachen, weil für sie die Physik nun mal auf der Schwarzen Liste steht! Ihre Mission ist eine politisch motivierte Torpedierung der Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre, wozu sie eine hanebüchene Verschwörung von Wissenschaftlern und Eliten aus Politik und Wirtschaft unterstellt.

    Es gibt viele kleine liebenswürdige crackpots, denen Du mit sachlicher Erklärung vielleicht helfen kannst. Bei Jocelyne langst Du damit im Sinne des Wortes ins Leere! Wenn Du ihr mehr bietest als Wasser und Brot, nutzt sie Dich nur aus, um ihre sinnlosen Blogbeiträge zu verlinken.

    LG
    Cecilia

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