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Einstein-Widerleger und Co

von Carolin Liefke, 09. Mai 2009, 19:19

Die deutschsprachige physikbezogene Bloggerwelt konzentriert sich seit vorgestern fast nur auf eins: Österreich kündigt seine Mitgliedschaft beim CERN auf, auch Jan Hattenbach hat das Thema in den Himmelslichtern angesprochen. Am lebendigsten wird die Diskussion in Florian Freistetters Astrodictum Simplex geführt, eine ganze Schar von Kommentatoren hat dort Ablehnung und Unverständnis für die Entscheidung des österreichischen Wissenschaftsministers geäußert. Und dann ist da auch noch "Fred". Fred ist der Meinung, daß am CERN eh nur unnütz Geld verschwendet würde, die Wissenschaftler dort seien allesamt auf dem Holzweg, und eigentlich seien Raum und Zeit und natürlich auch der Urknall nichts weiter als eine Illusion.

Jeder der in Astronomie und Physik irgendeiner Form mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun hat, der kennt solche Leute. Zum Beispiel "den Philosophen". Der Philosoph sitzt bei jedem unserer Abendvorträge in der ersten Reihe und hört aufmerksam zu. Dem Vortragenden drückt er im Anschluß an die Veranstaltung ein etwa 20 Seiten starkes Manuskript in die Hand: "Meine eigenen Gedanken zur Entstehung des Universums. Es wäre schön, wenn sie sich das einmal anschauen könnten." Trifft er sein Opfer bei einer anderen Veranstaltung wieder, dann möchte er wissen, ob er seinen Gegenüber denn auch von seiner Theorie überzeugen konnte oder ob es noch weiteren Infomaterials bedarf. Er gebe ja zu, er sei kein Fachmann und habe nie Physik studiert, aber das bräuchte man ja auch eigentlich nicht, um solche einfachen Dinge wie den Ursprung des Universums zu verstehen.

Nun ist der Philosoph ein älterer Herr, der sein Manuskript noch mit der Schreibmaschine abgetippt hat. Artverwandte Denker jüngerer Generationen nutzen mit Vorliebe die Möglichkeiten des Internets. Webseiten zu Themen wie "Einstein widerlegt!", unter denen Hobby-Physiker ihre Ideen und Theorien präsentieren, finden sich in den unendlichen Weiten des WWW zuhauf. Einstein und seine Relativitätstheorie sind in dieser Hinsicht besonders beliebt, dichtauf gefolgt von kosmologischen Themen wie dem Urknall oder der Dunklen Materie.

Der Fortschritt in den Naturwissenschaften lebt von neuen Denkansätzen. Aaaaber, solche Überlegungen müssen auch Hand und Fuß haben, also eine solide Basis aus mathematisch-physikalischen Grundlagen. Und hier fangen die Probleme dann an, denn während einem Einfälle ja sprichwörtlich im Schlaf kommen können, ist es für den Laien-Wissenschaftler oft nicht mehr so einfach, die Physik, die hinter ihrem Konzept steht, nachzuvollziehen. Aktuelle wissenschaftliche Forschung kann hoch komplex sein und erfordert oft Vorkenntnisse und Erfahrungen, die nur das dazugehörige Studium plus tägliche Arbeit in der Forschung liefert. So schleichen sich dann leicht Irrtümer und Mißverständnisse ein, die einem Profi schnell auffallen.

Soweit so gut. Leider ist die Spezies Amateur-Physiker zwar immer gut dabei wenn es darum geht zu versuchen andere von seinen Vorstellungen zu überzeugen, aber nur selten ist er an echten Diskussionen und Kritik interessiert. Was also tun, wenn jemand, der seine Ideen beispielsweise in einem Internetforum vorstellt, sich von den aufgedeckten Widersprüchen partout nicht überzeugen läßt und auf der Richtigkeit seiner Theorie beharrt? Der argumentierende Profi darf sich dann nämlich auch noch schnell vorwerfen lassen, daß seine Denkweise zu sehr in festen Bahnen läuft, zu sehr geprägt ist von dem Respekt vor großen Namen und dem was man im Studium "als Tatsache" gelernt hat. Natürlich hat der studierte Astronom, Physiker, Chemiker etc. bei allgemein akzeptierten Theorien und Gesetzmäßigkeiten festeren Boden unter den Füßen als auf dem unbekannten Terrain neuer Ansätze. Ihm aber deshalb Ignoranz und Beschränktheit vorzuwerfen, zeigt, daß man ganz grundsätzlich die Arbeitsweise in der Naturwissenschaft nicht verstanden hat. Physiker nutzen Theorien und Gesetzmäßigkeiten (basierend auf der hohen Kunst der Mathematik...), um vorhandene Beobachtungen zu erklären und die Ergebnisse zukünftiger Experimente vorherzusagen. Schlägt das fehl, so bedeutet dies, daß der entsprechende Ansatz widerlegt wurde und verworfen werden muß oder zumindest eine "Nachbesserung" erforderlich ist. Andersrum gibt es aber keine Möglichkeit, eine Theorie endgültig zu beweisen. Hinzu kommt, der Gültigkeitsbereich praktisch jeder Theorie ist begrenzt - für den Laien ist eine der größten Stolperfallen bei wissenschaftlichen Theorien, die Grenzen ihrer Anwendbarkeit zu überblicken.

Und die ultimative Lösung im Umgang mit solchen Querdenkern? Es gibt keine. Leider. Im Diskussionsforum von astronews.com beispielsweise  werden "Diskussionen über so genannte alternative Theorien oder über Kritik an allgemein anerkannten physikalischen Konzepten" resolut in das speziell dafür eingerichtete Unterforum "Gegen den Mainstream" verbannt und damit mehr oder weniger schon im Vorwege in ein Kuriositätenkabinett einsortiert. Verstöße gegen dieses Prinzip werden mit Verwarnungen geahndet. Ob das angebracht ist, sei mal dahingestellt. Zwar werden solche Diskussionen so in vernünftige Bahnen gelenkt, aber zumindest im Umgang mit Unbeteiligten, die beispielsweise im Internet über solche Themen gestolpert sind und einfach nur wissen wollen ob da wirklich was dran sein könnte, steht man dann schonmal gleich in aggressiver Abwehrhaltung da, kein guter Anfang wenn es darum geht jemanden vom Gegenteil zu überzeugen. Bei wirklich interessierten Leuten funktioniert das ja auch meistens - solange die Fachleute es ihnen freundlich, auf verständlichem Niveau und ohne in hochtrabende Fachsprache zu verfallen erklären können.

Der Hobby-Wissenschaftler dagegen... Auch die Nerven der geduldigsten Wissenschaftler sind irgendwann einmal überstrapaziert, wenn Argumente ignoriert werden, auf Fragen mit Gegenfragen geantwortet und Unwissenheit mit einem Wirrwarr von Fachausdrücken kaschiert wird. Schließlich und endlich muß sich unser Querdenker dann ein simples "Schuster, bleib bei deinen Leisten" gefallen lassen. Schnell hinterläßt seine Einstellung, daß ausgerechnet er selber dazu auserkoren ist, die gesicherten Erkenntnisse etablierter Fachleute vom Thron zu stürzen, einfach nur den faden Nachgeschmack einer Neigung zur Selbstdarstellung. Nicht selten steigert sich das dann auch zu handfesten finanziellen Interessen: Angefangen bei Werbebannern auf Webseiten mit entsprechend reißerischen Schlagzeilen bis hin zu Aufforderungen a la "Kauft mein Buch, da steht das alles ganz genau drin!"

Durch polarisierende Statements reißt jemand wie Fred natürlich sofort jede Diskussion an sich. Versuche mit ihm zu auf sachlicher Ebene zu debattieren schlagen naturgemäß fehl, aber er hat Aufmerksamkeit, hat ein Publikum gewonnen, das ist es was er will. Da hilft dann oft nur ignorieren. Leider geben Leute wie Fred selten wirklich auf. Sie ziehen weiter zum nächsten Opfer, zum nächsten Internetforum oder Blog, und verbreiten ihre abstrusen Ideen unter einem neuen Publikum...





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Kommentare

  1. Karl Bednarik Ziemlich gute Ausreden.
    06.07.2009 | 10:03

    Einige ziemlich gute Ausreden.

    (Bei meinem letzen Link ist die "Klammer zu ')' " nicht mitgegangen. (Ich danke für die Abhilfe.) )

    Ich wurde 1946 geboren, und habe noch die heisse Phase des kalten Krieges mit erlebt, und natürlich auch zahlreiche atmosphärische Kernwaffentests.

    Natürlich bin ich auch heute noch ein glühender Befürworter der "Mutual assured destruction".

    Ohne ausreichenden "Overkill" kann ich gar nicht ruhig schlafen.

    (Klassischer Graf-Hombug-Humor.)

    *****

    Die Alpha-Strahlung hat immer die gleiche Reichweite, aber die Beta-Strahlung hat nicht immer die gleiche Reichweite.

    Wie retten wir den Energieerhaltungsatz?

    Am besten, wir erfinden ein neues Elementarteilchen, das Neutrino.

    1930 erfunden, und 1956 nachgewiesen, machte das Neutrino bald wieder Ärger.

    Von der Sonne kommen nämlich nur halb so viele Neutrinos, wie es ihrer Energieproduktion entsprechen würde.

    Na klar, Elektronen, Myonen, und Tauonen sind nahe Verwandte, also gibt es auch Elektron-Neutrinos, Myon-Neutrinos, und Tauon-Neutrinos.

    In der (gerade erfundenen) Neutrino-Oszillation vertauschen die Neutrinos ständig ihre Identität, was das Defizit der Sonnen-Neutrinos mühelos erklärt.

    *****

    Die Galaxien rotieren so rasch, dass sie eigentlich auseinander fliegen müssten?

    Die Gravitation der (gerade erfundenen) dunklen Materie hält sie zusammen.

    *****

    Das Universum expandiert immer schneller, obwohl die Gravitation diesen Vorgang verzögern müsste?

    Die Antigravitation der (gerade erfundenen) negativen Energie treibt es auseinander.

    *****

    Halt, Moment mal, wir wissen gar nicht, woraus 95 % unseres Universums bestehen?

    *****

    Sicherheitshalber verwendet die Stringtheorie 11 oder 12 Dimensionen, die teilweise entfaltet, und die teilweise aufgerollt sind.

    Da besteht kaum die Gefahr, dass das noch irgend jemand versteht.

  2. Fettes Marc Alles Neutrinooszillation, oder was?
    06.07.2009 | 16:12

    Wenn Neutrinos oszillieren sollten und sich dabei auch wieder zurück verwandeln, dann hängt ihre "Art" doch von ihrer "Oszillationswellenlänge" ab, oder nicht?

    Müsste es dann nicht im Jahreswechsel die Beobachtung geben, dass Neutrinos mal fehlen und mal nicht?

    Oder haben sie gar zwischendurch mehrere Identitäten?

    Oszillierende Neutrinos sind für mich auch nur eine jener Art Epizyklen, die man im Lauf der Zeit so erfindet, um die Diskrepanzen der Modelle zur Beobachtung zu erklären.

    Der LHC läuft ja hoffentlich bald an. Mein Tip ist, dass bis 1350 Gev (trotz z0)ein viertes masseloses Neutrino auftaucht.

    Das wäre echt lustig.

  3. Karl Bednarik Dunkle Physik.
    06.07.2009 | 17:00

    Dunkle Physik.

    Sobald irgend etwas ungewöhnliches passiert, erfindet man eben die dazu passende dunkle Energieform.

    Mich wundert immer noch, dass das Quark-Confinement nicht von einer dunklen Kernkraft verursacht wird.

    Sehr erfrischend ist aber der dunkle Energie-Reaktor in Half-Life 2:

    Video:

    http://www.youtube.com/...f-hE&feature=related

    Erläuterungen:

    http://half-life.wikia.com/wiki/Dark_Energy

  4. Ralf L. K. Dunkle Physik
    07.07.2009 | 23:50

    Ich tippe mal die Physik hat sich kräftig in den vielen Dimensionen und möglichen Wechselwirkungen verstrickt.

    Dazu lauern noch überall Quanteneffekte - wie http://www.heise.de/tp/r4/artikel/12/12934/1.html

    Wenn Materie so frei sich überall 'verschränkt' bewegen kann muss man sich über Merkwürdigkeiten in beobachtbaren Dimensionen eigentlich nicht wundern.

  5. Jocelyne Lopez Parawissenschaften?
    08.07.2009 | 09:50

    @ Ralf L.K.:

    "Wenn Materie so frei sich überall 'verschränkt' bewegen kann muss man sich über Merkwürdigkeiten in beobachtbaren Dimensionen eigentlich nicht wundern."

    Etwa die Merkwürdigkeiten, die von den Parawissenschaften beschrieben werden?

    Jocelyne Lopez

  6. Carolin Liefke Wie war das mit dem Murmeltier?
    09.07.2009 | 10:56

    ...womit wir wieder auf Seite 2 der Kommentare wären. Jocelyne, du drehst dich im Kreis ;-)

    Carolin

  7. Jocelyne Lopez Welche beobachtete Merkwürdigkeiten?
    09.07.2009 | 11:23

    @ Carolin Liefke

    “...womit wir wieder auf Seite 2 der Kommentare wären. Jocelyne, du drehst dich im Kreis ;-)“

    Wieso das denn? Der Herr Ralf L.K. erwähnte „Merkwürdigkeiten in beobachtbaren Dimensionen“ (????). Ich fragte ihn eben, was für „Merkwürdigkeiten“ er dabei meinte.

    Bei der Speziellen Relativitätstheorie, wovon hier bei mir die ganze Zeit die Rede ist, gibt es eben keine „Merkwürdigkeiten in beobachtbaren Dimensionen“, die relativistischen Effekte werden nämlich nur durch Gedankenexperimente beschrieben (z.B. Zwillingsparadoxon).

    Oder haben Sie etwa schon die relativistischen „Zeitdilatation“ und „Längenkontraktion“ beobachten können? Dann wären Sie die einzige.

    Jocelyne Lopez

  8. Thilo @ Jocelyne Lopez
    09.07.2009 | 11:51

    Nur mal zur grundsätzlichen Methodik naturwissenschaftlichen Arbeitens: es gibt noch eine weitere Methode neben unmittelbaren Beobachtungen und Gedankenexperimenten.
    Nämlich die, daß anhand von "erdachten" Theorien nachprüfbare Vorhersagen gemacht werden. Und diese können dann "beobachtet" (gemessen) werden und sind entweder richtig oder falsch. Im Fall der Relativitätstheorie sind bisher alle nachprüfbaren (meßbaren) Vorhersagen (Ablenkung des Lichts, GPS, Atomuhren im Gebirge etc.pp.) bestätigt worden.

  9. Thilo @ all
    09.07.2009 | 11:58

    Da Michael Blume diese Diskussion offenbar verlassen hat und uns die Texte seines Vorbilds wohl nicht mehr erklären wird, hier einfach mal ein Vorschlag @ all:
    Falls jemand Zugang zu im Buchhandel nicht mehr erhältlichen Büchern zur Geschichte der Relativitätstheorie hat und sich berufen fühlt, Zusammenfassungen oder Rezensionen zu schreiben, bin ich gerne bereit, meinen Blog für solche Artikel zur Verfügung zu stellen, auf Wunsch auch anonym oder unter Pseudonym. (E-Mail-Adresse hier. ) Dreistellige Kommentar-Zahlen sind garantiert :-)

  10. Jocelyne Lopez Nix mit meßbaren Vorhersagen
    09.07.2009 | 13:25

    @ Thilo:

    “Nur mal zur grundsätzlichen Methodik naturwissenschaftlichen Arbeitens: es gibt noch eine weitere Methode neben unmittelbaren Beobachtungen und Gedankenexperimenten.
    Nämlich die, daß anhand von "erdachten" Theorien nachprüfbare Vorhersagen gemacht werden. Und diese können dann "beobachtet" (gemessen) werden und sind entweder richtig oder falsch. Im Fall der Relativitätstheorie sind bisher alle nachprüfbaren (meßbaren) Vorhersagen (Ablenkung des Lichts, GPS, Atomuhren im Gebirge etc.pp.) bestätigt worden.“

    Ein Effekt, der nicht materiell existiert (siehe Dr. Markus Pössel), kann ja nicht konkret gemessen werden bzw. kann keine richtigen Vorhersagen in der Natur liefern, logisch. Es kann sich lediglich um eine Messillusion bzw. um eine mathematische Fiktion handeln: Ein Ereignis wird auf gar keinen Fall zum Zeitpunkt und am Ort geschehen, die unter Berücksichtung von fiktiven Effekten vorhergesagt werden, logisch. Man kann sich also auf den „Vorhersagen“ über Längenkontraktion und Zeitdilatation ein Ei braten. Das tun die Ingenieure und Techniker in der Praxis sowieso, sogar die NASA soll zum Beispiel für die Raumfahrt auf die relativistischen Korrekturen verzichtet haben. Die Kurskorrekturen, wenn sie nötig sind, werden „manuell“ vorgenommen. Auch verweise ich auf die Aussagen von Prof. Dr. Ernst Peter Fischer, dass im Alltagsphysik, auch wenn wir bis zum Mond fliegen, eine Physik ohne relativistische Effekte gilt. Die Ablenkung des Lichts widerlegt übrigens die Konstanz der LG und somit die SRT. Weder GPS, noch Atomuhren im Gebirge liefern Vorhersagen für die Realität der Effekte und die Richtigkeit der Vorhersagen: Diese Effekte werden lediglich ad hoc von den Relativisten hineininterpretiert. Nie wurde es nachgewiesen, dass ein physikalischer Zusammenhang zwischen Veränderungen des Gangs von Satellitenuhren und Veränderungen der materiellen Länge meines Autos besteht. Nie wurde es nachgewiesen, dass ein Zusammenhang zwischen Veränderungen des Ganges von Uhren in Gebirgen und Veränderungen der biologischen Abläufe in Organismen besteht. Also nix mit “nachprüfbaren und messbaren Vorhersagen“. All dieser Effekte werden lediglich hineininterpretiert, und weil sie sowieso nicht nachweisbar sind, kann natürlich Etliches hineininterpretieren werden wenn der Tag lang ist.

    Jocelyne Lopez

  11. Thilo ???
    09.07.2009 | 13:39

    Wieso sind die Effekte nicht nachweisbar? Wenn GPS ohne relativistische Korrekturen etwas anderes anzeigt als mit, ist das doch wohl nachprüfbar.

  12. Michael Khan kein Betreff
    09.07.2009 | 14:04

    > Das tun die Ingenieure und Techniker
    > in der Praxis sowieso, sogar die NASA
    > soll zum Beispiel für die Raumfahrt
    > auf die relativistischen Korrekturen
    > verzichtet haben. Die Kurskorrekturen, > wenn sie nötig sind, werden „manuell“ > vorgenommen.

    Das ist nicht richtig. Selbstverständlich werden relativistische Effekte in der Bahnvorausberechnung und der Bahnbestimmung einbezogen.

    Und was bedeutet die Aussage, dass Kurskorrekturen "manuell" vorgenommen werden? Mit der Realität hat das gar nicht zu tun, Korrekturmanoever der Bahn von Raumsonden und Satelliten werden auf der Basis der Berechnungen, die natürlich die bekannten physikalischen Effekte zur Grundlage haben, vorausberechnet und per Telekommando der Sonde übertragen, die sie so ausführt, wie geplant.

    Ohne die Einbeziehung der relativistischen Effekte wäre die Bahnbestimmung und Bahnvorausberechnung fehlerhaft, das wúrde sich in einem Verfehlen der Zielbahn bemerkbar machen.

    > Aussagen von Prof. Dr. Ernst Peter
    > Fischer, dass im Alltagsphysik, auch
    > wenn wir bis zum Mond fliegen, eine
    > Physik ohne relativistische Effekte
    > gilt

    Fragen Sie lieber jemanden, der tatsächlich mit der Steuerung von Raumsonden zu tun hat, wenn Sie das Thema schon aufbringen. Ihre Behauptungen sind zumindest nicht zutreffend.

  13. Jocelyne Lopez Weder gemessen noch relevant
    09.07.2009 | 16:21

    @ Thilo

    „Wieso sind die Effekte nicht nachweisbar? Wenn GPS ohne relativistische Korrekturen etwas anderes anzeigt als mit, ist das doch wohl nachprüfbar.“

    Der Nachweis der relativistischen Effekte beim GPS ist nicht damit zu bringen, dass der Gang von Satellitenuhren sich bei verschiedenen - bekannten oder unbekannten - Störungen verändert (sie können sogar sowohl vor- als nachlaufen), das wissen wir auch ohne SRT, das hat nichts Relativistisches und nichts Revolutionäres in sich, und die Uhrmacher können darüber mehr erzählen als wir alle, und als Einstein sowieso.

    Der Nachweis wäre zu bringen, wenn wir eine Verkürzung meines Autos (oder der Strecke Satellit-Auto) messen könnten, die mit dem Berechnungen der SRT übereinstimmt. Und bei diesem Nachweis können die Relativisten auch früh aufstehen und einen Kopfstand machen: Nicht nur, das er nie gebracht wurde, er ist auch messtechnisch nicht zu bringen, weil er in unserer Dimension nicht beobachtbar (messbar) ist.

    Und da sowieso die Verkürzung meines Autos (oder der Strecke) nicht materiell ist, wäre ein Nachweis sowieso absolut irrelevant für die Technologie, für die Wissenschaft und für die Menschheit.

    Jocelyne Lopez

  14. Jocelyne Lopez Expertenmeinungen
    09.07.2009 | 16:54

    @ Michael Kahn:

    „Das ist nicht richtig. Selbstverständlich werden relativistische Effekte in der Bahnvorausberechnung und der Bahnbestimmung einbezogen.
    Und was bedeutet die Aussage, dass Kurskorrekturen "manuell" vorgenommen werden? Mit der Realität hat das gar nicht zu tun, Korrekturmanoever der Bahn von Raumsonden und Satelliten werden auf der Basis der Berechnungen, die natürlich die bekannten physikalischen Effekte zur Grundlage haben, vorausberechnet und per Telekommando der Sonde übertragen, die sie so ausführt, wie geplant.
    Ohne die Einbeziehung der relativistischen Effekte wäre die Bahnbestimmung und Bahnvorausberechnung fehlerhaft, das wúrde sich in einem Verfehlen der Zielbahn bemerkbar machen.“

    Darüber gibt es weltweit genug Aufklärungen von hoch qualifizierten Experten und Technikern in Anlehnung an der GPS-Technologie, siehe zum Beispiel weiter oben die Links in meinem Eintrag vom 02.07.09: http://www.kosmologs.de/...-co/page/6#comment-4172

    Ich kann mir auch persönlich sehr gut vorstellen, dass z.B. für die Strecke Erde-Mars einige Kurskorrekturen während der Reise notwendig sind, mit oder ohne Vorberechnung der relativistischen Effekte. Natürlich werden diese Korrekturen nicht „manuell“ vorgenommen (deshalb die Anführungszeichen), sondern durch Korrekturprogramme wie beim GPS, siehe auch hier: http://wissenschaftliche-physik.com/...atstheorie/

    Und dadurch, dass eine Raumsonde nicht mit Lichtgeschwindigkeit zum Mars unterwegs ist, würde die Auswirkung der relativistischen Längenkontraktion der Sonde in Fahrtrichtung nicht wirksam auftreten. Oder glauben Sie etwa, dass eine Raumsonde wegen einer Verkürzung ihrer Länge im atomaren Bereich den Mars verpassen könnte? Ganz abgesehen davon, dass die Raumsonde dabei sowieso ihre materielle Länge nicht verändert. Wenn sie also den Mars verpasst ist es nicht die Schuld der SRT, schon mal was. ;-)

    „Fragen Sie lieber jemanden, der tatsächlich mit der Steuerung von Raumsonden zu tun hat, wenn Sie das Thema schon aufbringen.

    Sowohl Prof. Dr. Ernst Peter Fischer als auch Dr. Markus Pössel gelten als Experte der Relativitätstheorie. Beide bestätigen jeweils in ihrer Art und Weise, dass der relativistische Effekt „Längenkontraktion“ physikalisch nicht wirksam ist: Einerseits, weil er bei den Geschwindigkeiten, die in der Technologie vorkommen, nicht gilt, andererseits, weil er materiell nicht existiert.

    Viele Grüße
    Jocelyne Lopez

  15. Michael Khan Relativistische Effekte in der Raumfahrt
    09.07.2009 | 18:29

    Far Lopez:

    Unabhängig davon, dass Sie in einem anderen Kommentar das Gegenteil behauptet haben, ist es notwendig, relativistische Effekte in der Bahnbestimmung und Bahnvorausberechnung einzubeziehen und die Effekte sind nicht vernachlässigbar. Bei einer interplanetaren Raumsonde ohnehin nicht, aus offenkundigen Gründen, die aber nicht damit zu tun haben, dass die Geschwindigkeit der Raumsonde annähernd Lichtgeschwindigkeit haben muss.

    Ich nehme ich an, dass Sie diese Erklärung nachvollziehen koennen oder wollen, aber das ist auch nicht wsentlich. Ich wollte einfach ihre vollkommen unzutreffende Aussage nicht unkommentiert stehen lassen.

  16. Jocelyne Lopez Es handelt sich um Behauptungen
    09.07.2009 | 18:57

    @ Michael Kahn:

    “Unabhängig davon, dass Sie in einem anderen Kommentar das Gegenteil behauptet haben, ist es notwendig, relativistische Effekte in der Bahnbestimmung und Bahnvorausberechnung einzubeziehen und die Effekte sind nicht vernachlässigbar. Bei einer interplanetaren Raumsonde ohnehin nicht, aus offenkundigen Gründen, die aber nicht damit zu tun haben, dass die Geschwindigkeit der Raumsonde annähernd Lichtgeschwindigkeit haben muss.

    So „offenkundig“ ist die Auswirkung der relativistischen Längenkontraktion einer Raumsonde in Bewegungsrichtung nicht, mit Verlaub, und ich wüsste auch nicht, dass man sie je konkret gemessen hat. Sie dürfte auch aus nachvollziehbaren Gründen bei der Positionierung der Sonde bei der Landung auf der Marsoberfläche genauso wenig bestimmbar sein, wie die Verkürzung meines Autos in Bewegungsrichtung bei meiner Positionierung durch einen GPS-Navigator. Solange bleiben also solche Aussagen reine Behauptungen. Von einem experimentellen, konkreten Nachweis dieser Effekte kann hier nicht die Rede sein.

    Viele Grüße
    Jocelyne Lopez

  17. Martin Huhn @ Lopez
    09.07.2009 | 19:04

    Ich wollte nur mal kurz einwenden, Michael Khan ist ein Luft- und Raumfahrtingenieur beim Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt. Wenn jemand ziemlich viel mit Bahnvorausberechnung und Bahnbestimmung zu tun hat dann er. Er kennt das nicht nur aus dem Fernsehen. Sie dürfen das ruhig glauben, was er schreibt.

    Wenn mir jemand etwas über meine Arbeit falsches erzählt, dann würde ich auch widersprechen.

  18. Cecilia Payne Gequirlter Unsinn
    09.07.2009 | 20:03
    Liebe Jocelyne!
    "Das tun die Ingenieure und Techniker in der Praxis sowieso, sogar die NASA soll zum Beispiel für die Raumfahrt auf die relativistischen Korrekturen verzichtet haben." Wer hat Dir denn diesen Unsinn erzählt? Noch so ein Ideologe, der auf Kreuzzug programmiert ist? "Und dadurch, dass eine Raumsonde nicht mit Lichtgeschwindigkeit zum Mars unterwegs ist, würde die Auswirkung der relativistischen Längenkontraktion der Sonde in Fahrtrichtung nicht wirksam auftreten." "So „offenkundig“ ist die Auswirkung der relativistischen Längenkontraktion einer Raumsonde in Bewegungsrichtung nicht, mit Verlaub" Nur Jocelyne und ihre "Experten" wissen nicht, welche relativistischen Faktoren bei der Raumsondensteuerung ins Spiel kommen. Wundert das noch irgendjemand?
    http://www.youtube.com/watch?v=TMZtWJ_Jtio
    Jocelyne! Mit der Wissenschaft kommst Du auf keinen grünen Zweig mehr! Da fehlt es einfach am Willen und ist noch blockiert durch Deine ideologische Fremdsteuerung.
    Bleib lieber bei Deinen Angriffen auf unser Rechtssystem, z. B. Missachtung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts (Veröffentlichung privater Mails von Pössel) oder des Grundrechts der Freiheit von Forschung und Lehre. Oder, ganz aktuell gefunden, bei Deinen Angriffen auf unser politisches System am Beispiel des § 130 StGB
    http://www.politik-sind-wir.de/showthread.php?t=4449
    Bei diesen Spinnern, die gegen alle akzeptierten Werte und Normen anstänkern, bist Du mit Deiner radikalen Sprücheklopferei gut aufgehoben! Sie werden Dich zuerst bewundern und bald anhimmeln. Mach weiter so!
    LG Cecilia
  19. Jocelyne Lopez Formalien gibt es überall
    09.07.2009 | 20:27

    @ Martin Huhn

    „Ich wollte nur mal kurz einwenden, Michael Khan ist ein Luft- und Raumfahrtingenieur beim Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt. Wenn jemand ziemlich viel mit Bahnvorausberechnung und Bahnbestimmung zu tun hat dann er. Er kennt das nicht nur aus dem Fernsehen. Sie dürfen das ruhig glauben, was er schreibt.
    Wenn mir jemand etwas über meine Arbeit falsches erzählt, dann würde ich auch widersprechen.“

    Das mag schon sein, dass auch bei der Raumfahrt die relativistischen Korrekturen wie bei der GPS-Technologie formell weiterhin einbezogen werden (wie es im weiter oben im verlinkten Artikel von Harald Maurer erwähnt ist). Das beweist aber lange nicht, dass sie eine Auswirkung in der Realität haben.

    Was sagen Sie zum Beispiel zu meinem Einwand, dass die relativistische Verkürzung meines Autos in Bewegungsrichtung, die sich im atomaren Bereich – und auch noch nur fiktiv! – abspielt, nicht messbar ist und keine Rolle bei meiner Positionierung durch meinen GPS-Navigator spielen kann?

    Was sagen Sie zum Beispiel zu meinem Einwand, dass die relativistische Verkürzung einer Raumsonde in Bewegungsrichtung auf ihrer Reise zum Mars, die sich wohl im Millimeter- oder Zentimeterbereich (??) – und auch noch nur fiktiv! – abspielt, nicht messbar ist und keine Rolle bei der Positionierung der Sonde auf der riesigen Marsoberfläche spielen kann?

    Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bewundere die Leistungen der Ingenieure und Techniker, sie ist einfach fantastisch, habe ich sehr großen Respekt davor und ich weiß sie auch im Alltag sehr zu schätzen (zum Beispiel bei GPS). Sie werden aber nicht leugnen können, dass in allen Berufen auch reine Formalien eingebaut werden können, die man nicht einmal mehr in Frage stellt und worüber man nicht mal nachdenkt, weil sie eben keinen bei der Arbeit stören und irrelevant sind, oder? Die Kritiker bringen hier eben vor, dass es sich bei der Berücksichtigung der relativistischen Effekte um eine Formalie handelt, und es ist gemäß meinen obigen Einwänden auch für Nicht-Fachleute sehr wohl zu nachvollziehen.

    Viele Grüße
    Jocelyne Lopez

  20. Martin Huhn @ Lopez
    09.07.2009 | 22:27

    Ich bin zwar kein Raumfahrtingenieur, aber ich bin Ingenieur und ich mußte auch schon Dinge konstruieren, die später in der Praxis funktionieren mußten. Das ist so bei Ingenieuren, die machen nichts für die Galerie oder für die Theorie, es muß später funktionieren und das erwartet jeder. Und wehe wenn nicht. Dann haben die Leute, die es konstruiert haben, keine Ahnung. Sagen dann die Leute, die selbst noch nie etwas konstruiert haben, außer eine Burg mit Lego Steinen.

    Ich will damit folgendes sagen. Wenn ein Ingenieur etwas nicht berücksichtigen muß, dann tut er das auch nicht. Wenn er ein Haus, eine Brücke, ein Auto oder sontawas konstruiert und keine relativistischen Effekte berücksichtigt, dann tut er das, weil es nicht nötig ist, denn die Geschwindigkeiten sind viel zu gering. Und wenn er das tut liegt es plötzlich an Formalien? So einfach so, ohne richtigen Grund? Da wissen Sie mehr über die Ingenieurskunst als ich. Aber so ganz gebe ich mich damit nicht zufrieden. Welche Formalien sollen es denn genau sein, die so aus Spaß und Dollerei berücksichtigt werden? Da möchte ich nun etwas handfestes von ihnen haben.

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