Erste Alterserscheinungen an Cassini
Das Alter geht an niemandem spurlos vorüber. Auch, oder vielleicht schon gar nicht, wenn man seit einigen Jahren seinen Dienst im äußeren Sonnensystem mit seinen mitunter alles andere als angenehmen Bedingungen versieht.
Diese Erfahrung macht derzeit auch das Team um Cassini, dass schon seit einiger Zeit (genauer gesagt seit Oktober vergangenen Jahres) einen zunehmenden Abfall in der Triebwerkleistung der Sonde beobachtet. Bestand dieses Problem bisher nur für ein Triebwerk, ist nunmehr auch ein zweites Triebwerk von einem Leistungsabfall betroffen. Für Mitte März ist daher ein Wechsel zum Backup Set – dem Zweitsystem – geplant.
Die einzelnen Triebwerke werden im Wesentlichen zu kleineren Kurskorrekturen, Lagekontrolle und Drehimpulskorrekturen der Kreiselinstrumente bzw. der Reaktionsräder genutzt, die letztlich auch der Lagekontrolle dienen.
Das bisher verwendete Triebwerkset ist mittlerweile seit 11 Jahren in Gebrauch, Set B – zu dem Mitte März gewechselt werden soll – besteht aus acht identischen Thrustern. Eine Expertenrunde, die sich aus Teilnehmern von Lockheed Martin Space Systems (dem Auftragnehmer des Antriebssystems) Aerojet (dem ausführenden Subunternehmer) und Mitarbeitern des JPL zusammensetzte, kam zu dem Ergebnis, dass ein Wechsel zum Set B zum frühestmöglichen Zeitpunkt erfolgen sollte.
Dieser Zeitpunkt ist nun in etwa sechs Wochen gekommen, was auf der anderen Seite noch genügend Zeit lässt, die notwendigen Kommandosequenzen zu entwickeln bzw. den gegebenen Umständen anzupassen und ausführlich zu testen, bevor sie zur Sonde übermittelt werden.
Der Wechsel zum Zweitset wird über ein Zeitfenster von sieben Tagen erfolgen. Der Zeitpunkt Mitte März markiert insofern eine Periode, in der keine wichtigen wissenschaftlichen Arbeiten oder Datentransfers sowie Navigationsmanöver anstehen, die während der Wechselphase verloren gehen könnten.

In einer ersten Kommandosequenz ist das Öffnen von Ventilen, um den Hydrazinfluß in die Ersatztriebwerke zu gewährleisten, sowie das Anfahren der Kontrollelektronik, vorgesehen. Zu diesem Zeitpunkt sind noch keine pyrotechnischen Vorrichtungen von den Wechselsequenzen betroffen und alle innerhalb der ersten Wechselphase getroffenen Kommandos sind voll wieder umkehrbar, falls Situationen dies erfordern sollten.
Alle wesentlichen Systeme der Sonde sind redundant angelegt, d.h. es existieren funktional gleiche oder vergleichbarer Ressourcen technischen Systeme, auch, wenn diese bei einem störungsfreien Betrieb im Normalfall nicht benötigt werden.
In den 11 Jahren Betriebszeit ist es erst das zweite Mal, dass Ingeneure zu einem der Ersatzsysteme greifen müssen. Eines der Reaktionsräder wurde schon vor einigen Jahren durch das Backup System ersetzt und versieht seither seinen Dienst als eines der drei Lagekontrollinstrumente.
Das war wieder ein Gastposting von Lars-C. Depka. So viel sei an dieser Stelle verraten: Von Herrn Depka werden Sie hier demnächst regelmässig lesen!
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