Back in Black...
...meint dieses Mal nicht das Anfang August des Jahres 1980 als sechste international veröffentlichte Vinyl LP erschienende Album der australischen (Hard) Rock-Band AC/DC um den kurzhosig schuluniformierten Angus Young ,der übrigens, wie sein Bruder Malcom, gebürtiger Schotte ist. Doch wie schon gesagt, weder um die Band, noch um ihr Album geht es, sondern Back in Black ist Saturns Hexagon, ein rätselhaftes über 20.000 km des Nordpolargebietes überspannendes Wolkenmuster.
Nachdem der Nordpol über die letzten Jahre während der Winterdunkelheit im sichtbaren Spektralbereich unbeobachtbar blieb, zeigen die aktuellen, erstmals wieder möglichen Aufnahmen im Sichtbaren, nicht nur das noch immer andauerndes Dasein des Hexagons, sondern darüber hinaus bislang noch unbekannte Bänder sowie konzentrische Merkmale in seinen Außenbereichen.
Letztmalig wurde der Wirbelsturm, von dem nach jüngeren Cassini-Messungen Windgeschwindigkeiten von 100 Metern/Sekunde bekannt sind, vor fast genau 30 Jahren von einer der Voyager Sonden im sichtbaren Wellenbereich erfasst, zu einer Zeit, als auf dem Saturn gerade die ersten zarten Frühlingsboten auszumachen waren.
Ferner war die offenkundige Standorttreue des Hexagons in ihrer festgestellten extremen Ausprägung nicht zu erwarten, denn auch, nachdem der Nordpol für ein halbes Jahr (immerhin 15 Erdjahre) in Schwärze getaucht und sich infolge dessen in der Region ab etwa 77° nördlicher Breite über diesen langen Zeitraum hinweg ein im Vergleich zur Frühlingsperiode radikal differentes Einstrahlungs- bzw. Energiemilieu etablierte, stimmen Lage und Ausformung des Wirbelsturms verblüffend genau mit den drei Jahrzehnten alten Vorgängeraufnahmen überein.

Im Zentrum über dem planetaren Nordpol herrscht noch die schwarze Nacht: Back in Black präsentiert sich das Hexagon
Diese deutlich evident ausgestaltete Langlebigkeit, insbesondere auch im vergleichenden Hinblick mit Erfahrungswerten hier auf der Erde, (bei uns spielt sich das Wetter bekanntermaßen in Zeitskalen von maximal Wochen ab) rücken das nordpolare Hexagon des Saturn möglicherweise in die Nähe der gleichermaßen unverstandenen langanhaltenden Wetterphänomene andere Gasriesen des Sonnensystems, von denen der ovale Antizyklon (Große Rote Fleck) im Südlichen Äquatorialen Band (SEB) des Jupiter an dieser Stelle exemplarisch Erwähnung finden soll.
Ganz unbeobachtet freilich blieb Saturns Nordpol seit Cassinis Ankunft im Jahre 2004 nicht, allerdings beschränkten sich die Möglichkeiten auf den Einsatz der im Vergleich zum Image Science Subsystem bauartbedingt auflösungsschwächeren bordeigenen Infrarotkapazitäten, die in der Vergangenheit schon eine überraschend stark profilierte vertikale Mächtigkeit der Wolkenstrukturen nachzuweisen in der Lage waren.
Trotz aller Detailtreue, die die langsame Abnahme des Winterdunkel um den Nordpol im Hinblick auf die sich zukünftig ergebenden Untersuchungsmöglichkeiten gerade auch im Visuellen bedeutet, sind die entscheidenden Fragen hinsichtlich der Energiegewinnung und des Mechanismus, der es dem Hexagon über derart lange Zeiträume erlaubt, seine innere Organisation aufrecht zu erhalten, gegenwärtig noch völlig unverstanden. Lösungsansätze könnten womöglich in der Analyse der neu identifizierten Wellenstrukturen liegen, die sich von den jeweiligen Winkeln des Hexagons aus ausbreiten, in denen die Winde nebenbei auch ihre stärkste Ablenkung erfahren.
Noch ist der Saturnwinter am Nordpol nicht ganz vorüber, weshalb die inneren Bereiche des Sturms in den Aufnahmen noch immer als markanter nachtschwarzer Bereich dargestellt sind, doch trotzdem gilt: Willkommen zurück, wenn auch zumindest in der Mitte zunächst noch „in black“. Aber das wird schon noch...


