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Titans Sorbet

von Lars-C. Depka, 12. März 2010, 10:57

Woraus besteht Titans Inneres und wie sind dort die verschiedenen Elemente verteilt? Diese Fragen galt es zu klären. Behilflich bei der Beantwortung war die Cassini Sonde mit ihren dichten Überflügen  des Saturnmondes. Die unterschiedlich stark ausgeprägten gravitativen Einflüsse, die dabei auf die Sonde einwirkten, lassen einen differenzierten Schichtenaufbau des Titan als fraglich erscheinen. Titans Innenleben scheint also zu träge und kalt zu sein, um in separaten Schichtungen aus Eis und Gestein auszudifferenzieren. Damit unterscheidet sich Titans innerer Aufbau wesentlich von dem der inneren Planeten wie beispielsweise der Erde, oder auch dem des galiläischen Eismonds Ganymed, deren Inneres aus mehreren Schalen aufgebaut ist und sich wenigstens in Kern, Mantel und der darüber liegenden Kruste gliedert.

Die grundsätzliche innere Beschaffenheit des Titan besteht etwa zur Hälfte aus vermutetem (Wasser)Eis und zur anderen Hälfte aus (Silikat)Gestein und war schon längere Zeit kein Geheimnis mehr. Über die Verteilung dieser Komponenten allerdings existierten bislang bestenfalls Mutmaßungen, die nunmehr in einigen Teilen anscheinend konkretisiert werden konnten. Demnach besteht Titan in seinem Inneren aus einer halb gefrorenen Mixtur aus Eis, durchsetzt mit Silikaten. Lediglich die äußeren ca. 500 Kilometer des Mondes scheinen frei von Gestein zu sein.  
Von der Konsistenz her ist das Mondinnere vielleicht einem Sorbet Dessert nicht ganz unähnlich und von mäßiger Temperatur. Kein Vergleich also zu den höllischen Werten des Erdinneren, die in den größten Tiefen Temperaturen von etwa 5000 C° erreichen können.

Bild: s.u.

Um allerdings eine Auftrennung von Gestein und Eis in unterschiedliche Schichten zu vermeiden, darf das Eis keiner zu starken Aufheizung unterworfen werden. Für den Titan bedeutet diese Vorgabe einen für einen Mond vergleichsweise langsamen Entstehungsprozess, der zwar bald nach der Entstehung des Sonnensystems eingesetzt haben wird, sich gleichwohl in einer Zeitskala von wenigstens 1 Mio. Jahre abgespielt haben muss.

Damit ähnelt der größte Saturnmond von seinen inneren Werten her eher einem anderen Galiläischen Mond, dem Kallisto, als dem zuvor schon erwähnten Ganymed. Von Kallisto wird ebenfalls ein „Sorbet-Aufbau“ angenommen. Da alle drei Körper in ihrer Größe näherungsweise vergleichbar sind, deutet ihre unterschiedliche innere Beschaffenheit gleichzeitig ungeachtet dessen nachhaltig auf eine ungleiche Entwicklungshistorie.

Anhand der wechselnden Geschwindigkeiten der Sonde, hervorgerufen durch Gravitationsanomalien, wird derzeit an der Erstellung einer Gravitationskarte des Titan gearbeitet. Dazu wurden vier in der Zeit von Februar 2006 bis Juli 2008 durchgeführte nahe Überflüge Cassinis, die in einem Abstand von 1300 km bis 1900 km über der Oberfläche stattfanden, analysiert. Die durch die Massenverteilung des Mondinneren unterschiedlich stark ausgeprägte Gravitation des Mondes bremst und zieht die Sonde leicht in ihrem Orbit und verursacht so Geschwindigkeitsdifferenzen, die noch bis zu einem Wert von fünf tausendstel Millimeter/ sec. nachweisbar sind.

Die seit 2005 immer mal wieder aufkommende Vermutung des Vorhandenseins eines unterirdischen (globalen) Ozeans auf Titan wird auch durch diese Resultate zwar nicht bestätigt, in ihrer Plausibilität nach Meinung Einiger allerdings gestützt und verbleibt somit an prominenter Stelle auf der Liste der dringend zu klärenden Sachverhalte. Der Nachweis eines durch Saturn verursachten Gezeitenhubes wäre diesbezüglich ein klares Indiz, das für einen Ozean sprechen würde. Etwas konkreter als zum Nachweis eines ggf. vorhandenen Ozeans, lässt sich die zukünftige Gravitationskarte im Gegensatz dazu vielleicht zur Klärung der in manchen Augen etwas kümmerlich ausgefallenen Oberflächentopographie des Titan heranziehen, dessen höchste Erhebung(en) nach Messungen von Jani Radebaugh von der Brigham Young University knappe 2000 Meter und eine maximale Hangneigung von 37 Grad erreicht (erreichen).  

Bildquelle: NASA/JPL

Link: Science 

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