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Grenzen des homo sapiens

von Stefan Oldenburg, 12. Mai 2010, 19:39

Aufgrund zweier aktueller Nachrichten nehme ich mir die Freiheit, einen Schritt zurück zu treten, um den Blick für "Grenzen" der geologisch jungen Spezies homo sapiens zu schärfen. Zum einen ist es die Ölpest im Golf von Mexiko, welche einmal mehr zeigt: Der Mensch überschreitet ständig Grenzen – in diesem Fall technische Grenzen – und ist, wenn etwas schief läuft, mit den Konsequenzen überfordert. Zum anderen liegt nun der dritte UN-Bericht zur "Lage der biologischen Vielfalt" vor, der eine verheerende und beschämende Bilanz zieht. Was sind das für Grenzen, welche sind natürlich, welche anthropogen, an welche Grenzen stößt der Mensch, welche überschreitet er?


Nachricht 1: Die Ölpest im Golf von Mexiko

Seit die Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" am 20. April explodierte und zwei Tage später sank, strömen am funktionsuntüchtigen Blowout-Preventer in etwa 1500 Metern Tiefe am Meeresboden täglich geschätzte 5000 Barrel (etwa 800.000 Liter) Öl aus. Andere Schätzungen gehen sogar von mehr ausquellendem Rohöl aus. Wie wir nun zur Genüge hören mussten, ist es Technikern des BP-Konzerns auch nach mehreren hilflos wirkenden Versuchen unmöglich, weiteres Austreten von Öl zu unterbinden. Die Technik spiele nicht mit, so heißt es.

Dieselbe vom BP-Konzern betriebene Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" brach am 2. September 2009 den Rekord der weltweit tiefsten Bohrung in der Tiefsee: Im Tiber-Ölfeld trieb sie in einer Meerestiefe von 1250 Metern eine Bohrung bis hinab in 10.685 Meter Tiefe. Immer tiefer geht es, um unserem Heimatplaneten irgendwann auch den letzten Tropfen des wertvollen Rohstoffs Öl zu entringen und das deutlich absehbare Ende der Öl-Verfügbarkeit um ein paar Jahre nach hinten zu dehnen. In diesem Handeln spiegelt sich die reine Vernunft, deshalb das "sapiens" im biologischen Namen unserer Spezies.

Von diesem Rekord beflügelt, zerstreute der BP-Vorstand David Rainey noch im November vor dem US-Senat Sorgen um eine Umweltkatastrophe, wie sie nun ihren unaufhaltsamen Lauf nimmt (pro Minute treten derzeit weitere 550 Liter Öl am Meeresgrund aus). Er verwies bei der Anhörung zum Thema "Tiefseeölförderung" auf den Blowout-Preventer, der in einem solchen Fall das Bohrloch automatisch verschließen sollte, und verwischte Einwände mit einem Hinweis auf die "Hightechindustrie", die hinter solcherlei Unterfangen steht. Wo theoretisch nichts passieren kann, muss auch keine – die Rendite schmälernde – Vorsorge getroffen werden: Nun sehen wir, dass die Ölindustrie in der Tat keinerlei Vorkehrungen gegen eine derartige Katastrophe in petto hatte und sich damit selbst zum hilflosen Zuschauer einer selbst ausgelösten Umweltkatastrophe monströsen Ausmaßes degradiert hat. Für den konkreten Fall des Betreibens von Offshore-Bohrinseln ist zu postulieren: Hier sind Grenzen der technischen Beherrschbarkeit zweifelsohne weit überschritten.

Ständig überschreitet der Mensch Grenzen des Machbaren. Grenzen des Machbaren sind stets auch Grenzen des Sinnvollen. Wo das Überschätzen eigener Fähigkeiten – meist motiviert durch Verblendung durch Technik – dazu verleitet, die Grenzen des Machbaren aus den Augen zu verlieren, da macht sich jenes sinnlose Elend breit, wie wir es alle paar Jahre erleben: Seveso 1976, Amoco Cadiz 1978, Ixtoc 1979, Bhopal 1984, Tschernobyl 1986, Exxon Valdez 1989, See Empress 1996, Prestige 2002, Deepwater Horizon 2010, und so weiter und so fort (hier eine Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen, hier eine Liste chemischer Katastrophen, hier eine Liste von Ölkatastrophen). Das Muster ist stets dasselbe: Es heißt, die Technik sei beherrschbar. Sie ist es meistens nicht, und deshalb wird nach "Unfällen" – die meist dargestellt werden als "Naturkatastrophen" – Symptombehandlung betrieben, kaschiert (Beispiel Betonmantel um den explodierten Tschernobyl-Reaktor), verdrängt. Bis zum nächsten "Unglück".


Nachricht 2: Global Biodiversity Outlook 3

Der jüngste und dritte UN-Bericht zur "Lage der biologischen Vielfalt" – "Global Biodiversity Outlook 3" – liegt seit wenigen Tagen vor; hier dazu eine Presseerklärung der UN; und hier der komplette Bericht als PDF-Datei (10 MB); die deutschsprachige Version der Zusammenfassung findet sich auf dieser Website der UN.

Wir lesen auf Seite 7 der deutschen Zusammenfassung (bzw. Seite 9 des auf englisch verfassten Berichts): "Das im Jahr 2002 vereinbarte Ziel der Staatengemeinschaft, "bis zum Jahr 2010 die anhaltende Verlustrate an biologischer Vielfalt auf globaler, regionaler und nationaler Ebene als Beitrag zur Armutsbekämpfung und zum Wohle allen Lebens auf der Erde signifikant zu reduzieren", ist nicht erreicht worden."

Das ist noch arg zurückhaltend formuliert. Denn die Bilanz des dritten Berichts ist mehr als katastrophal: Nicht ein einziges der 21 Ziele zum Schutz der Biodiversität, die im Jahre 2002 für 2010 gesteckt wurden, ist erreicht worden. Vermutlich stecken wir mitten in den Anfängen des siebten globalen Artensterbens der Erdgeschichte, das zum einen das erste von einer einzigen Spezies ausgelöste Artensterben ist, zum anderen eines, das in seiner Rasanz einzigartig sein dürfte. Nur zwei Details aus der Einleitung dieses UN-Berichts untermalen dies auf erschreckende Weise (Seite 7 ff, bzw. Seite 9 ff):
- Ein Viertel aller Pflanzenarten gilt als vom Aussterben bedroht.
- Die Population von Wirbeltierarten hat zwischen 1970 und 2006 um ein Drittel abgenommen.

In diesem UN-Bericht werden fünf Hauptbelastungen genannt, "die zum Verlust an biologischer Vielfalt beitragen": "Veränderungen des Lebensraums, Übernutzung, Umweltverschmutzung, invasive gebietsfremde Arten und Klimawandel". Konkreter haben wir es auf globaler Ebene zu tun mit Entwaldung, Desertifikation, Bodenerosion und allg. Degradation von Böden, Auszehrung der Weltmeere, Überfischung, Luftverschmutzung. Allen Umwelteingriffen gemeinsam ist ihre artenreduzierende Wirkung.

Diesen allgemein gefassten Umweltveränderungen füge ich mit Nachdruck eine bislang in ihren ökologischen Auswirkungen weithin unterschätzte Form der Umweltzerstörung hinzu: Lichtverschmutzung. Wenngleich es bislang kaum Studien gibt, welche den Artenrückgang durch zu viel, falsch bzw. sinnlos verwendetes Licht quantifizieren, so besteht Einigkeit darin, es längst mit einer artengefährdenden Problematik zu tun zu haben. In regionalen Einzelstudien (die in dem 2009 erschienenen Buch "Das Ende der Nacht" auf Seite 77 ff gelistet sind, und das ich hier rezensiert habe) ist die alarmierende Größenordnung eines Artenschwundes nachtaktiver Insekten von 70 bis 90 % bestimmt worden.


Der homo sapiens als geologische Kraft

Zum ersten Mal im Verlauf der 4,56 Milliarden Jahre Erdgeschichte ist eine Spezies – jene, welche diese Zeilen hier lesen und geistig erfassen kann – zu einer geologischen Kraft geworden. Umweltveränderungen durch Rohstoff- und Energiegewinnung konkurrieren mit den Systemen Plattentektonik und Klima. Mit regionalen Konsequenzen betreibt der Mensch dies seit dem Neolithikum, mit globalen Folgen auf die gesamte Biosphäre seit etwa 250 Jahren. Der Beginn der Moderne markiert jenen Übergang in eine Epoche auf der geologischen Zeitskala, für die der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen die Bezeichnung "Anthropozän" wählte. Dereinst wird diese – fast unmerklich schmale – geologische Schicht ähnlich markant nachweisbar sein wie die Kreide-Tertiär-Grenze, und sich findigen Geologen insbesondere durch einen massiven Rückgang der Artenvielfalt darstellen.

In diesem knappen Vierteljahrhundert, das seit dem Beginn der Moderne vergangen ist, und das nicht mal einen Hauch auf der geologischen Zeitskala markiert, ist die Weltbevölkerung von einer knappen Milliarde Menschen auf nunmehr 6,9 Milliarden Menschen angestiegen. Allein innerhalb des 20sten Jahrhunderts vervierfachte sich die Weltbevölkerung. Laut UNO-Prognose könnten sich im Jahre 2025 acht Milliarden und bis 2050 9,2 Milliarden Menschen auf der Erde tummeln. Der Verbrauch von Land, Wasser und Luft übersteigt längst die Tragfähigkeit des Planeten Erde. Auf diesem Planeten leben wir, er besitzt alles, was wir zum Leben benötigen, doch erstens genügt das insbesondere den Bewohnern reicher Staaten nicht, und zweitens ist dies völlig aus dem Blick all jener Menschen geraten, die Wohlstand und Wachstum über den Schutz natürlicher Lebensgrundlagen stellen.


Anthropogene Grenzen innerhalb natürlicher Grenzen

Die natürlichen Grenzen sind all jenen präsent, die um die unveränderlichen Naturgesetze und Regeln der Biosphäre wissen. Anthropogene Grenzen und Gesetze sind der Natur egal, obgleich der Mensch seine Regeln stets über diejenigen der Biosphäre erhebt. Der Mensch zieht seine Grenzen innerhalb natürlicher Grenzen. Wirtschaftliche Zwänge hindern ihn an effektivem Schutz der reichlich dünnen Lebenssphäre, die allein dem Mensch Schutz bietet und ihn überleben lässt. Der fest verankerte Glaube an "grenzenloses Wachstum" verblendet den Menschen und lässt ihn Ökologie immer nur als Anhängsel von Ökonomie betrachten. Dabei ist es genau umgekehrt: Alles hat sich ökologischen Rahmenbedingungen anzupassen, weil sich alles menschliche Handeln innerhalb natürlicher Grenzen abspielt. Zerstört der Mensch durch sein wirtschaftendes Handeln jene "Dienstleistungs-Mechanismen", welche unser Heimatplanet uns zur Verfügung stellt, so wird letztendlich eine Spezies den Kürzeren ziehen, der Mensch. Ja, es sind Dienstleistungen, die unser Planet uns bietet, und die wir als solche nicht wahrnehmen, indem wir sie als selbstverständlich betrachten: die Photosynthese, die Erzeugung von Sauerstoff, die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie, die Bestäubung von Pflanzen, alles Mechanismen, die wir auch mit noch so fortschrittlicher Technik niemals substituieren könnten.


Die Osterinsel als Metapher

Die Osterinsel wird oft als Metapher für dieses – letztlich selbstzerstörende – Handeln des Menschen angeführt: Seit der Besiedelung um 900 vergingen lediglich sechs Jahrhunderte, bis die letzte Palme des Pazifik-Eilandes gerodet, der letzte Seevogel verzehrt, und die Lebensgrundlagen zerstört waren. Dumm nur, dass eine Flucht von dieser abgelegenen Insel nicht möglich war; Kannibalismus unter den miteinander verfeindeten zwölf Restgruppen war die Folge. Die Grenzen des Wachstums wurden hier überschritten, einen Ausweg gab es nicht. Apropos "Ausweg": Den wird es von der Erde ebenfalls nicht geben. Jedenfalls nicht für unsere Generationen und die kommenden 1000 Generationen, sofern sie noch existieren werden. Der moderne Mensch geriert sich wie ein Virus, das sich allzu schnell vermehrt, seinen Wirt letztlich tötet. Mit einem Unterschied: Das Aussterben des homo sapiens wird der Erde keinen Schaden zufügen; sie wird sich schnell erholen von dieser Spezies.

Natürliche Grenzen sind trügerisch: Der Mensch sieht sie nicht, will sie nicht sehen, weil er sich bei seinem Streben nach Mehr und immer Größer, Weiter, Toller, Schneller gerne und stets aufs Neue verblenden lässt. Der Mensch nimmt natürliche Grenzen erst wahr, nachdem sie überschritten und Konsequenzen unabwendbar sind. Die größte Errungenschaft des menschlichen Bewusstseins ist gleichsam eine Täuschung, die in der Illusion gipfelt, über der Natur zu stehen, sie sich unterwerfen zu können. Doch die Natur ist nicht unterwerfbar, auch wenn dieser Irrglaube ähnlich fest im menschlichen Bewusstsein verankert ist wie der Glaube an grenzenloses wirtschaftliches Wachstum. Die Grenzen der Natur haben immer das letzte Wort, nicht der Mensch.


Tja, warum macht der Mensch das?

Warum zerstört der Mensch wissentlich und in vollem Besitz seiner geistigen Kräfte seine Lebensgrundlagen, überschreitet Grenzen, welche sein Lebensraum vorgibt?

Eine tiefsinnige Antwort auf diese Frage gibt Max Frisch in seiner ursprünglich als Hörspiel konzipierten Burleske "Biedermann und die Brandstifter": Der Kleinbürger Gottlieb Biedermann lässt einen Hausierer und dessen Kumpanen auf seinen Dachboden, wissend, dass sie dort Feuer legen werden, ganz so, wie sie es explizit ankündigen. Anstatt die Brandstifter mutig aus seinem Haus zu werfen, hilft er ihnen vor dem Brand – der auf die ganze Stadt übergreift – sogar höchstselbst beim Auslegen der Lunte. Warum? Weil er sich durch Lobhudeleien und Schmeicheleinheiten der Brandstifter verblenden lässt. Hinzu kommen Kurzsichtigkeit und Feigheit. Den Abgrund vor sich sehend, glaubt Gottlieb Biedermann bis zum Ende nicht daran, dass ihn das drohende Schicksal tatsächlich treffen könnte, welches er durch sein Handeln selbst heraufbeschwört. Der Mensch, für den Gottlieb Biedermann symbolisch steht, denkt linear, lässt sich leicht verblenden und glaubt nicht daran, dass sein Handeln Konsequenzen in der Zukunft haben könnte, weil er sie nicht sehen will – wider besseren Wissens. Beispiel Raucher: Kein Raucher glaubt ernsthaft daran, mit großer Wahrscheinlichkeit einmal an Lungenkrebs dahinzusiechen.

Max Frisch hat seinem Werk "Biedermann und die Brandstifter" übrigens den Untertitel hinzugefügt: "Lehrstück ohne Lehre".

Ach ja, das "sapiens" im "homo sapiens" heißt ja zu gut Deutsch so viel wie "weise" oder "einsichtsvoll".

"Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt der Volksmund. "Dum spiro spero", schrieb Cicero an seinen Kumpel Titus Pomponius Atticus.

Clear Mind. Stefan Oldenburg

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Kommentare

  1. Dyrnberg kein Betreff
    12.05.2010 | 20:57

    Wunderbarer Blog. Machte Spaß, den Gedanken zu folgen.

    Hinsichtlich der Frage "Warum macht der Mensch das?" fehlt glaube ich ein ganz, ganz relevanter Faktor, nämlich:

    Gegenwärtige Umweltschäden zeichnen sich gerade durch eine schwer zu benennende und kaum zu durchschauenede Kausalität aus, in anderen Worten: Es ist selten klar zu beantworten, wer zu welchem Anteil einen Schaden verursacht hat. Und ohne dieses Wissen will sich eben auch kein moralisches Verantwortungsgefühl einstellen.

    Wenn ein Mensch in Wien an der Supermarktkassa Produkt X kauft, fördert er beispielsweise möglicherweise die Regenwaldabrodung. Ist er verantwortlich zu machen? Wenn meine Nachbarin 3 Kinder bekommt... soll ich sie beschuldigen, die Überpopulation - möglicherweise unser dringendstes Problem - zu verschärfen?

    Will heißen: Die Menschen steuern nur bedingt auf den Abgrund zu, weil sie geblendet sind und die Konsequenzen nicht wahrhaben wollen, sondern weil wir in einer Dynamik "gefangen" sind. Milliarden wurschteln vor sich hin, und auf der Makroebene stellen sich die Schäden ein.

    Nur meine Meinung. Aber wie gesagt: Wunderbarer Blog.

  2. Horst Arndt Toller Beitrag
    12.05.2010 | 22:20

    Mir macht das Angst! Brav habe ich letzten Sonntag meinen Wahlzettel abgegeben. Nach der Devise: nach mir die Sintflut oder solange ich atme, hoffe ich?

    Horst Arndt

  3. Karl Bednarik Beherrschung der Technologie
    13.05.2010 | 08:18

    Die Photosynthese, die Erzeugung von Sauerstoff, die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie, das sind alles Mechanismen, die wir mit fortschrittlicher Technik ohne weiteres substituieren können.

    Gentechnisch veränderte Pflanzen kommen auch ganz ohne Bestäubung aus, und wachsen an Stellen, an denen das normale Pflanzen nicht mehr schaffen.

    Wie ist das Verhältnis zwischen fliegenden und abstürzenden Flugzeugen, wie ist das Verhältnis zwischen laufenden und brennenden Kernreaktoren, wie ist das Verhältnis zwischen produzierenden und explodierenden Bohrinseln, wie ist das Verhältnis zwischen sauberen und ölverschmutzten Küstengebieten?

    Ich sage, das Verhältnis spricht für die Beherrschung dieser Technologien.

    Sind denn Kaffeetassen schlecht, weil sie gelegentlich hinunter fallen und zerbrechen können?

  4. Cyrill Harnischmacher Inflation der Katastrophen
    13.05.2010 | 12:30

    Längst sollte es jedem bekannt sein, welche Schäden der Mensch an der Natur anrichten kann. Sollte man meinen. Was aber passiert ist eine zunehmende Hilflosigkeit, Desinteresse oder auch ein überfordert sein der meisten Menschen.

    Viele Umweltprobleme sind zu komplex als daß sie sich vom Laien noch nachvollziehen lassen. Wer oder was war denn jetzt der Verursacher und kann ich da als Einzelner überhaupt was tun?

    Zu dieser Komplexität kommt erschwerend hinzu, daß vieles einfach nicht mehr verstanden wird. "Anthropogene Grenzen", "Biodiversität", "Desertifikation", "Blowout-Preventer" usw. Ein Sprachgebrauch der eher an Yuppies, Banker und Politiker erinnert und von normalen Menschen als "sich wichtig machen wollen aber trotzdem nur heiße Luft verkaufen" empfunden wird. Zu oft haben wir "Nachhaltigkeit" und Ähnliches in allen nur erdenklichen Zusammenhängen gehört als daß wir solche Begriffe noch ernst nehmen können. Übrig geblieben ist nur der Geschmack eines beliebigen Modewortes.

    Ähnlich ist es mit den gerne angeführten Statistiken. Millionen von Tonnen irgendwelcher Substanzen werden von soundsoviel Prozent der Bevölkerung freigesetzt. Wer kann so etwas noch nachvollziehen? Und wie soll der kleine (und wirklich wichtige) persönliche Beitrag zum Umweltschutz gegen solche Zahlenspiele ankommen? Was können ein paar vermiedene Kilogramm Müll gegen solche irrwitzigen Mengen ausrichten? Und ständig kommen neue Zahlenwerke hinzu, Milliarden Tonnen schlechtes Gewissen, mehrmals täglich.

    Und so kommt es wie es kommen muss, die einen schalten einfach ab weil sie mit der Situation restlos überfordert sind, die anderen fahren 20km mit dem Geländewagen zum Biobauern weil es gerade in ist Ökoäpfel zu kaufen.

    Wir haben die Grenzen schon erreicht, die Grenzen der Handlungsfähigkeit.

  5. Martin Holzherr Natur und Technik entflechten
    13.05.2010 | 15:16

    Die Population der Menschen und die Art Mensch

    Tiefseebohrungen a la Deepwater Horizon um der Erde auch noch den letzten Tropfen Öl zu entreissen , Überfischung, Deforestation, Desertifikation und exzessive Verschmutzung haben gemeinsam, dass der ursprüngliche Nutzen für den Menschen, nämlich die Ressourcenbeschaffung, sich in einen Schaden verwandelt. Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens wird missachtet und eine Ressource bis zum bitteren Ende (ausgefischte Meere,verwüstete, entwaldete Landflächen) ausgebeutet.

    In diesem Grenzen missachtenden Verhalten unterscheidet sich der Mensch nicht von anderen Arten. Auch eine Bakterienkultur in der Petrischale wächst solange bis sie an den eigenen Ausscheidungsprodukten zu Grunde geht. Die menschliche Gemeinschaft entwickelt sich wie andere biologische Systeme von Krise zu Krise. Finankrise, Schuldenkrise, Entwaldung (schon durch die alten Griechen), Ausfischung haben vieles gemeinsam. Alle Individuen, die zusammengenommen die Krise verursachen, handeln für sich betrachtet rational (jeder Fischer fischt um seinen Familie zu ernähren, jeder Banker macht gute Deals für sich und seine Bank usw.). In der Summe ist das Ergebnis aber katatrophal.

    Der Mensch und die Menschheit als Summe von Individuen handelt also nicht grundsäztlich anders als andere Lebewesen. Die Technik potenziert aber menschliches Handeln und potenziert damit auch die schädlichen Auswirkungen. Den biblische Auftrag - macht euch die Erde untertan - hat der Mensch schon längst übererfüllt.

    Der Artikel Grenzen des homo sapiens und schon Die Grenzen des Wachstums zeigen aber auch die Einsichtsfähikgeit und Antizipationsfähigkeit des Menschen.

    Allerdings sind Zielsetzungen wie Erhaltung der Biodiversität, Begrenzung des CO2-Anstiegs der Atmosphäre usw. nur dann zu erreichen, wenn einzelne Menschen, Firmen und Länder bereit sind, sich diesen höheren Zielen unterzuordnen. Damit wird auch die Freiheit eingeschränkt.

    Wir wissen, dass wir unseren ökologischen Fussabdruck verkleinern müssen. Bedenkt man aber, dass noch viel notwendiges ökonomisches Wachstum in der Pipeline steckt (Schwellenländer China, Indien usw.), so kann einem tatsächlich bange werden. All die Menschen, die jetzt noch in Armut leben, beanspruchen die Ressourcen des Planeten kaum, sie werden das aber tun, wenn sie zu Wohlstand kommen.

    Beschränkung des menschlichen Einflusses auf Natur und Planeten

    Im verlinkten Artikel über die Lage der biologischen Vielfalt (Presseerklärung der UN) steht der Satz:

    "... focusing on biodiversity as the key to sustainable development for all."

    Die Idee der Biodiversität hat es am schwersten, denn die meisten Menschen kümmert die Artenvielfalt einen feuchten Dreck. Das Idealbild der meisten Menschen von der Natur ist der Garten Eden oder allenfalls die Obstplantage. In der Schweiz wurde das Jahr der Biodiversität durch den zuständigen Minister in der Tagesschau durch seinen Einkauf einer Bioapfelsorte vorgestellt und er lobte, dass es hunderte von Apfelsorten gäbe, die von den umweltbewussten Bauern angebaut würden.
    Doch die Arten, die der Mensch selbst herangezüchtet hat, sind meiner Ansicht nach viel weniger wichtig als die Arten, die einfach nur um ihrer selbst willen leben.

    Die Artenvielfalt zu erhalten verlangt danach die Natur in ihrer Ursprünlichkeit zu erhalten..

    Anstatt die ganze Welt in einen grossen Garten Eden umzuwandeln oder überall Biolandwirtschaft zu betreiben (bis hin zu Biotreibstoff) sollte der Mensch seinen Fussabdruck vermindern, indem er sich in seine eigene (möglichst kleine) Welt zurückzieht und möglichst viel Natur übriglässt.

    Technik ja, aber nicht überall, vielmehr Stoffkreisläufe so weit wie möglich von der Natur entflechten:
    - Zuchtfische anstatt leergefischte Gewässer
    - Etragsreiche Sorten auf so wenig Land wie möglich
    - Verdichtetes Bauen
    - Elektromobil anstatt Autos, die mit Bioethanol (sei es auf Korn- oder auf Zellulosebasis) laufen
    - CO2-Ausstoss in Industriestoffe umwandeln (analog wie die Natur CO2 in Zucker umwandelt)
    - Anstatt die Natur in Reservate zurückdrängen, dem Menschen Reservate zuweisen

    Der Mensch sollte in seiner technisierten Welt leben und die Natur möglichst wenig beinträchtigen.
    Ein Modell dafür ist die mittelalterliche Stadt: klein, umgeben von einer Mauer, die Natur bleibt draussen. Ein anderes Beispiel ist das Vertical Farm Projet von Dickson Despommier, der Hochäuser für die landwirtschaftliche Produktion mitten in der Stadt plant (siehe Spektrum der Wissenschaft 4/10 http://www.spektrum.de/...el/1023392&_z=798888 ).

  6. Michael Khan Zielgerichteter Fatalismus?
    13.05.2010 | 15:47

    Vielem in deinem Abeitrag kann ich zustimmen. Aber bei den reichlich fatalistischen Aussagen bekomme ich Bauchgrimmen, z.B.:

    "Ständig überschreitet der Mensch Grenzen des Machbaren."

    oder

    "Es heißt, die Technik sei beherrschbar. Sie ist es meistens nicht,"

    Bei solchen Aussagen neigen viele gleich zum Zustimmen. Schlimm genug, wenn der Mann von der Straße gleich diese Konsequenz zieht.

    Richtig bedenklich ist es aber, wenn Politiker oder sonstige Entscheider in dieses Horn stoßen. Da ist äußerste Vorsicht angebracht, denn wenn die mit sowas kommen, herrscht Vertuschungsverdacht.

    Im Fall des Unglücks der Ölbohrplattform Deepwater Horizon schält sich im Laufe der jetzt angestellten Untersuchung nämlich mittlerweile recht deutlich eins heraus:

    http://news.yahoo.com/...n_bi_ge/us_gulf_oil_spill

    Es geht gar nicht darum, dass man mit der Technik an den Grenzen des Machbaren oder darüber hinaus gegangen ist. Es ist auch keineswegs so, dass wir es hier mit einer unbeherrschbaren Technik zu tun haben.

    Es ist allerdings schon so, dass man es mit gewissen Risiken zu tun hat. das ist allerdings noch lange kein Grund, es ganz zu lassen, aber ein sehr guter Grund, genau hinzuschauen, strenge Regelungen aufzustellen und deren Einhaltung genau zu überwachen.

    Genau das hat man allerdings versäumt. Wie sich jetzt herausstellt, liegt eine wesentliche Wurzel des Problems in mangelhafter Regulierung. Man ließ die Industrie einfach so machen, ohne genau hinzuschauen. Das geht neunundneunzig Mal gut, das hundertste Mal nicht.

    Deswegen darf man das das so nicht machen. Da haben ganz einfach die Behörden und die Politik gepennt.

    Aber jetzt soll da bitteschön keiner hinstellen und sagen "Das ist gar nicht die Schuld von irgendwem im Besonderen, sondern es liegt an der menschlichen Hybris."

    Wenn es irgendwie an allen liegt, dann liegt es an keinem, und niemand wird haftbar gemacht. Das könnte den Herrschaften so passen, aber darauf sollte man sich gar nicht einlassen.

    Das gleiche Prinzip hatte auch der damalige Kölner Oberbürgermeister Schramma versucht. Ich habe ihn in einem Radiointerview kurz nach dem Einsturz des Stadtarchivs sagen hören, der Bau von U-Bahnen in dicht bebauten Städten, vor allem mit dem gewählten Verfahren, sei infrage zu stellen. Also wieder das Argument von der angeblich nicht beherrschbaren Technik, der der Mensch nicht gewachsen sei.

    Herr Schramma mag aber damals schon geahnt haben, dass da in Wirklichkeit ganz andere Sachen im Busch waren. Wie sich bald darauf herausstellte, war es keineswegs das problem der nicht beherrschbaren Technik, sondern ganz gewöhnlicher, krimineller Pfusch und mangelnde Aufsicht seitens des Bauträgers, also etwas, wofür die verantwortung am Ende bei ihm landen würde.

    Also, ich bin bei solchen Argumenten sehr skeptisch. Vor allem beunruhigt es mich, wie stark und verbreitet das Misstrauen gegenüber der Technik ist, und wie leicht sich dieses Mißtrauen zur Manipulation der Leute ausnutzen lässt.

  7. Karl Bednarik Nachtrag:
    14.05.2010 | 08:51

    Zum Thema der Katastrophen:

    Flugschreiber gibt es deshalb, damit zwei Flugzeuge nicht nach einander aus dem gleichen Grund abstürzen.

    Jeder darf ein mal einen Fehler machen, aber nicht zwei mal den selben.

    Dieses Prinzip lässt sich auf jede beliebige Technologie anwenden.

    Harrisburg und Tschernobyl wurden deshalb auch genau analysiert.

    Versuch und Irrtum kommen auch in der biologischen Evolution vor.

    Und die ersten Dampfmaschinen hatten nicht einmal ein Sicherheitsventil.

    ---

    Zum Thema "Das können wir selber besser":

    Der Wirkungsgrad der Photosynthese von Landpflanzen beträgt etwa 1 bis 2 % bei Photosynthese und anschließender Verbrennung.

    Das liegt daran, daß mehrzellige Landpflanzen eine Menge Tätigkeiten für sich selbst erledigen müssen.

    Der Wirkungsgrad der Photosynthese von Cyanobakterien in Kulturgefäßen beträgt etwa 8 bis 10 % bei Photosynthese und anschließender Verbrennung.

    Das liegt daran, daß einzellige Wasserpflanzen in Kulturgefäßen viel weniger Tätigkeiten für sich selbst erledigen müssen.

    Keine Schädlinge, keine Witterung, kein Nährstoffmangel, und für den Menschen und die Natur viel weniger Risiko und Platzbedarf.

    Der Wirkungsgrad von Photovoltaikanlagen beträgt etwa 16 %, und er steigt im Laufe der Zeit mit besseren Systemen noch weiter an.

    Die energetische Amortisationszeit von Photovoltaikanlagen beträgt etwa 50 Monate.

    Das liegt daran, daß man zum Bau von Photovoltaikanlagen hochwertige Werkstoffe benötigt.

    Der Wirkungsgrad von solarthermischen Parabolrinnenkraftwerken beträgt etwa 15 %.

    Die energetische Amortisationszeit von solarthermischen Parabolrinnenkraftwerken liegt bei etwa 5 Monaten.

    Das liegt daran, daß man zum Bau von solarthermischen Parabolrinnenkraftwerken keine so hochwertigen Werkstoffe benötigt.

    Solarthermische Parabolrinnenkraftwerke benötigen aber direkte Sicht auf die Sonne.

    ---

    Zum Thema "Vertical Farming":

    http://www.e-stories.de/...geschichten.phtml?23741

  8. Karl Bednarik Sicherheitsventil
    14.05.2010 | 09:05

    1679 erfand Denis Papin das Kochen mit gespanntem Dampf.

    Hierfür konstruierte er einen Dampfdruck-Kochtopf, der bei der ersten Vorführung vor der Royal Society zerbarst.

    Erst nach dem Papin auch das Sicherheitsventil erfunden hatte, funktionierte sein Kochtopf sicher und erhielt 1681 in Paris die Patentschrift.

  9. Clear Skies Risiken mit globalen Folgen
    14.05.2010 | 11:42

    Danke für die vielen ausführlichen Reaktionen! Mein Versuch einer Antwort auf einzelne Aspekte, die in den Kommentaren genannt sind:

    1. Komplexität und Verantwortung des Einzelnen

    Dyrnberg nennt den Aspekt der "Komplexität", und freilich stimme ich dem rundweg zu. Ich habe diesen in der Tat maßgeblichen Faktor in einer Aussage zu Frischs "Biedermann und die Brandstifter" allzu sehr versteckt, da ich schreibe: "...Der Mensch, für den Gottlieb Biedermann symbolisch steht, denkt linear, lässt sich leicht verblenden und glaubt nicht daran, dass sein Handeln Konsequenzen in der Zukunft haben könnte, weil er sie nicht sehen will – wider besseren Wissens. ..."

    Die Unmöglichkeit des Menschen, anders als linear denken zu können, beschrieb zum Beispiel Hoimar von Ditfurth in seinem 1985 veröffentlichten Rundumschlag "So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen - Es ist soweit". Hier findet sich jenes geniale Gedankenspiel, das die Grenzen menschlichen Denkvermögens in nuce aufzeigt (Erstausgabe 1985, Rasch und Röhring, Hamburg, S. 154/155):

    Man nehme ein Blatt Zeitungspapier, das 0,1 mm dick ist, und falte es 50 Mal. Einzuschätzen ist: Wie dick ist es nach dem fünfzigsten Faltungsvorgang?

    Ditfurth schreibt (S. 155): "Durch bloßes Vorstellen oder "Abschätzen" wird niemand das richtige Ergebnis auch nur annähernd treffen: Nach fünfzigmaligem Falten der Zeitungsseite hätte der resultierende Papierberg eine Höhe von mehr als hundert Millionen Kilometern erreicht, ..."

    Genau sind es: 112.589.991 Kilometer. Das ist mehr als das 281fache der mittleren Entfernung Erde-Mond. :-) Wir haben es hier lediglich zu tun mit einer exponentiellen Funktion. Und schon hier scheitert menschliches Vorstellungsvermögen komplett.

    Bei allen Eingriffen in komplexe Systeme wird es noch heikler, wie schon das einfache Spiel wie jenes von Frederic Vester 1980 erstmals vorgelegte - und später weiter entwickelte - Spiel "Ökolopoly" auf didaktisch hervorragende Weise zeigt, und das vielleicht mancher kennen mag. Rückkopplungseffekte - gleich ob positive oder negative - bewirken plötzlich genau das Gegenteil dessen, was ursprünglich und mit bestem Wissen und Gewissen beabsichtigt war.

    Die Frage der "Verantwortung" Einzelner habe ich aus diesem Grund in meinem Beitrag auch gar nicht angeschnitten. Weil sie aber in mehreren Kommentaren genannt ist: Allein in der ethischen Frage, inwieweit sich Einzelne in ihrem Verhalten zurückzunehmen haben, liegt wohl der Schlüssel für eine Lösung. Astrid Matthey vom Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena hat hierzu eine interessante Studie vorgelegt, die im Kern besagt: Je stärker der gesellschaftliche Fokus auf materiellem Konsum liegt, desto stärker sinkt die Zufriedenheit bei Konsumreduktion, und desto geringer der Rückhalt für Maßnahmen zum Umweltschutz in der Bevölkerung. Verzicht funktioniert nur, wenn alle verzichten. Und das ist schwer...

    2. Die "böse" Technik

    Wenn ich plakative Sätze schreibe wie diesen: "Es heißt, die Technik sei beherrschbar. Sie ist es meistens nicht.", so impliziert das keine "technikfeindliche" Grundhaltung. :-) Und ich sitze auch nicht in einer dunklen Höhle, weil ich Kernenergie für einen Irrweg halte und schon immer hehalten habe (auch aufgrund der ungeklärten und unklärbaren Frage der Endlagerung radioaktiver Abfälle).

    Was ich meine, sind keine Kaffeetassen, die vom Tisch fallen, oder Flugzeuge, die abstürzen. Nein, was ich anspreche, sind jene Konsequenzen technischer Selbstüberschätzung unserer Spezies, die globale Auswirkungen haben, und zur Artenreduktion beitragen. Auch wenn es hundert Mal gut geht, so belegen einzelne "Unglücke" wie Tschernobyl oder Deepwater Horizon sehr wohl, es mit Techniken zu tun zu haben, die man letztlich nicht im Griff hat. Sonst gäbe es diese "Unglücke" ja nicht. Das schöne Wort vom "Restrisiko" ist eine dieser Verblendungen, die ich anspreche.

    Freilich stimme ich auch dem Argument zu, welches Michael Khan nennt: "Richtig bedenklich ist es aber, wenn Politiker oder sonstige Entscheider in dieses Horn stoßen. Da ist äußerste Vorsicht angebracht, denn wenn die mit sowas kommen, herrscht Vertuschungsverdacht."

    Solange aber nur ökonomische Regeln menschliches Handeln beherrschen, werden Risiken nicht befriedigend minimiert. Auch das ist ja eine der Lehren der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Es ist nicht "Versuch und Irrtum", wenn Unternehmen an der Minimierung von Risiken sparen, um ihren Gewinn zu maximieren. Genau das prangere ich an, ohne deshalb auch nur ansatzweise "technikfeindlich" gestimmt zu sein.

    3. Angst

    Auf den von Horst Arndt im Zusammenhang mit derlei Endzeitgerede genannten Aspekt "Angst" antworte ich gerne mit einem Zitat aus dem o.g. Buch Hoimar von Ditfurths (Klappentext):

    "So wenig mich die Gewißheit meines individuellen Todes - aller Angst vor dem Vorgang des Sterbens ungeachtet - in Verzweiflung stürzen läßt, so wenig Grund gibt es, an dem Sinn des Auftretens der Spezies Homo sapiens auf diesem Planeten allein deshalb zu zweifeln, weil auch ihr Auftreten wie das aller anderen lebenden Kreatur naturnotwendig nur vorübergehenden Charakter haben konnte!"

  10. Maria Pflug-Hofmayr Nicht bös sein
    14.05.2010 | 12:06

    aber eine Ölpest ist nun mal das Risiko mit unserer Entscheidung fossile Rohstoffe zu verwenden (und bei weitem nicht das einzige Risiko, das wir tragen) tragen. Risiko bedeutet, dass was schiefgehen kann. Das nehmen wir in Kauf. Wem das nicht klar war/ist, zurück in die Volksschule und von vorn anfangen! Hinterher jammern = falsche Strategie.

    Ohne Konsumenten, die diese Technologie nicht nur verwenden, sondern sogar einfordern, müsste man über solche Risken nicht weiter nachdenken. Vielleicht könnte man darüber einen kurzen Gedanken verschwenden.

    Wenn wir hohe Risiken in Kauf nehmen, kann was schief geht, egal wie genau welche Behörde geguckt oder nicht geguckt hat. Aufhören zu jammern, sondern was tun! lautet die Devise.

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