kosmologs Einsteins Kosmos

Mond-Experimente widerlegen Rössler

14. Juli 2008, 18:00

Mein letzter Beitrag zu den Winkelreflektoren auf dem Mond ist das Ausholen vor dem Schlag; der Schlag gegen eine Hypothese, die in den Medien für viel Aufregung gesorgt hat - und noch sorgt. Mein Beitrag soll endgültig dieser Aufregung ein Ende bereiten.

Worum geht's
Es geht um die kontroverse Diskussion zum Thema "Schwarze Mini-Löcher am LHC", die u.a. in den KOSMOlogs, im Forum von astronews.com und vor Kurzem auch auf 3sat stattfindet. Es wird gemutmaßt, dass am in Kürze am CERN startenden Teilchenbeschleuniger LHC Schwarze Löcher im Miniformat entstehen könnten. In der Debatte um die Gefährlichkeit dieser Mini-Löcher zitieren die Medien sehr gerne Prof. em. Otto E. Rössler von der Uni Tübingen. Der Professor Emeritus für Theoretische Chemie ist Chaosforscher, aber kein Physiker. Rössler behauptet nun, dass vom LHC eine Gefahr ausginge und Schwarze Mini-Löcher entstehen könnten, die nicht durch Aussendung von Hawking-Strahlung zerfielen. (weiter)

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Überwältigende Sommernacht

03. Juli 2008, 02:19

Mitternacht. Eine laue Sommernacht. Ich bin auf dem Heimweg und bemerke an einer dunklen Stelle im Feld den Sternenhimmel. Nur ein paar Wolken bedecken den Himmel, aber das Wesentliche ist sichtbar: Sterne und Sternbilder. I had to stop and stare. Einsteins Kosmos breitet sich vor meinen Augen aus...überwältigend.

Vor meiner Nase, tief im Süden, sehe ich Sagittarius, das Tierkreiszeichen Schütze. Ja, der Schütze - dort befindet sich das Zentrum der Milchstraße und auch mit drei Millionen Sonnenmassen ihr größtes Schwarzes Loch, Sgr A*. Hoppla, was ist der helle Fleck dort? Die Venus? Nein, kann nicht sein - es ist viel zu spät für den Abendstern. Dann kann es nur Jupiter sein; aber so hell? Richtig, Jupiter steht kurz vor der Opposition (9.7.) und ist heller denn je. Wahnsinn! Er ist so hell, dass er sogar bei Stadtbeleuchtung noch gut zu sehen ist...überwältigend.

Rechts neben dem Schützen erhebt sich majestätisch der Scorpius, der Skorpion. Bedrohlich erscheint er nicht, weil sein Stachelschwanz besser von südlichen Gefilden zu beobachten ist. Aus dem Herzen des Skorpions zwinkert mir ein roter Stern zu: Antares, wie schön Du Dich von Deinem schwarzen Samtbett abhebst. Deinen Namen, übersetzt so viel wie "Gegenspieler von Mars", trägst Du vollkommen zu recht. Du bist kein naher Planet, sondern eher ein ferner Stern - Dein Licht war 600 Jahre bis zu mir unterwegs. Als es sich auf den Weg machte, wurde (in etwa) die Universität Leipzig gegründet...überwältigend.

Oberhalb des Skorpions entdecke ich Ophiuchus, den Schlangenträger. Ja, das verschmähte 13. Tierkreiszeichen. Wer mag schon die 13? Bei 12 Tierkreiszeichen wandert die Sonne jeden Monat um exakt 30 Grad weiter. Und Jupiter mit seinen 12 Jahren Umlaufzeit um die Sonne steht königlich jedes Jahr in einem anderen Tierkreiszeichen. Mit 13 Tierkreiszeichen hätte das nicht funktioniert. Armer Schlangenträger. Berühmt bist Du trotzdem und hast es in der Medizin weit gebracht. Als Äskulap oder Asklepios, griechischer Heiler mit Stab, der sich in eine um den Stab windende Schlange verwandelt. Du bist das Sinnbild der Heilkunst, das von der Antike bis in die Neuzeit überdauerte und an keinem Apothekenschild vorbeikommt. Griechische Mythen sind am Himmel verewigt...überwältigend.

Hinter meiner rechten Schulter, im Nordwesten, bemerke ich den Großen Wagen. Klar, das bekannteste Sternbild in unseren Breiten. Moment, der Große Wagen ist ja gar kein Sternbild, sondern nur ein Teil von Ursa Major, dem Großen Bären, der eigentlich eine Bärin ist (Ursa). Jedenfalls macht so eine Sternenschau einen Bärenhunger...einen überwältigenden.

Das Hungergefühl verflüchtigt sich, als ich links von mir das "Himmels-W" entdecke, Cassiopeia. War das nicht die Mutter von Andromeda? Ja, die Tochter ist ebenfalls am Himmel zu sehen, direkt neben Pegasus, dem fliegenden Pferd. Andromeda - die Kleine wurde doch von Perseus, dem griechischen Helden gerettet. Sie sollte dem Meeresungeheuer Cetus geopfert werden und erwartete ihr Schicksal an den Felsen gekettet. Perseus rettete sie. Und aus dem Meeresungeheuer Cetus wurde in der Transkription ein langweiliger Walfisch. Jedenfalls war Perseus ein Wahnsinnstyp - ein griechischer Held eben, der Spiderman der Antike. Er war nicht nur tapfer, sondern (welch seltene Kombination) schlau - was sicherlich eine bessere Kombination ist, als schön (und) blöd. Als Griechenlands First Top-Hero schlug er der Medusa das Schlangenhaupt ab, bis es sich ausgeschlängelt hatte. Und das, obwohl Medusas Betrachter doch zu Stein werden. Der Sage nach war nämlich das Schlangenhaupt so hässlich (Griechenlands Next Top-Hackfresse), dass man als ungeübter Betrachter versteinern musste. Aber Perseus nutzte sein blitzblankes Schild als (Kosmetik?)Spiegel und beäugte die Medusa indirekt. Diese Art von Voyeurismus behütete vor der Steinwerdung und Perseus besiegte so die Medusa durch einen gezielten Hieb auf den Hals, der zur Enthauptung führte - ein kopfloses Unterfangen. Perseus mit erigiertem Schwert in der einen und Medusakopf in der anderen Hand - so sieht man ihn am Himmel. Mit Medusas einem Auge assoziiert ist der Stern Algol, ein Bedeckungsveränderlicher, was den Eindruck erweckt, dass der abgeschlagene Kopf der Medusa nun fröhlich vor sich hinblinkert - die Astronomen haben schon einen Galgenhumor.  Für den Namen al-gul ("der Dämon" - sehr passend!) sind die Araber verantwortlich, von denen die Griechen einiges übernommen haben. Wie dem auch sei. Auch kopflos gab es ein Happy-end: Schwups, aus Medusas Hals sprang das Pferd Pegasus und alle waren...überwältigt.

Diese Sommernächte. Noch kurzweiliger sind sie nur um den 11. August, wenn die Perseiden über den Himmel flitzen. Ja, die Perseiden sind tatsächlich nach Superheld Perseus benannt und zwar weil sie alle (scheinbar) von dort kommen. Das hat nichts Mythisches, sondern ist knallharte Astrophysik: Der Komet Swift-Tuttle zerplatzte zerbröselt in kleine Bruchstücke, die nun alljährlich im August  - immer wenn die Erde die Bahn des ehemaligen Kometen kreuzt - auf die Erde niederregnen. Ein Meteorstrom ist der Fachbegriff für derartige, wiederkehrende Sternschnuppenregen. Also, noch gut einen Monat warten und bitte gegen Morgen an den Himmel schauen. So schnell werden Sie sich nichts wünschen können, wie da die Sternschnuppen purzeln! Ein grandioses Himmelsschauspiel...einfach überwältigend.

Überwältigt von meinen Gedankenblitzen und Assoziationen mache ich mich auf den Heimweg. Zuhause komme ich müde an und finde meine schlafende, bessere Hälfte auf einem bequemen Liegemöbel. Erschöpft lege ich mich neben sie und stelle fest wie gut ich es habe, denn sie ist...überwältigend.

Na, Lust bekommen?
Wenn Sie auch überwältigt werden möchten: Morgen um Mitternacht wiederholt sich dieses Spektakel. Und falls es bewölkt ist, dann probieren Sie es übermorgen...



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Was darf Forschung?

07. Juni 2008, 12:27

Forschung überschreitet Grenzen: Grenzen des technologisch Machbaren, Grenzen des Denkbaren und manchmal Grenzen des moralisch Vertretbaren. Sollte man die "moralische Notbremse" ziehen können, und wenn ja, wer signalisiert, in welchen Fällen das getan werden muss? (weiter)

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Vergänglichkeit

01. Februar 2008, 18:54

Manchmal trifft mich dieser niederschmetternde Gedanke aus heiterem Himmel: Alles wird irgendwann vorbei sein! Ich werde mir schlagartig meiner Vergänglichkeit, meinem endlichen Dasein, meiner menschlichen Begrenztheit bewusst. Dieser Gedanke ist einerseits beunruhigend, andererseits strahlt er in seiner Absolutheit Ruhe und Gewissheit aus. Ein seltsames, gemischtes Gefühl - das nach erfolgreicher Verdrängung im Alltag verblasst.

Religiöse Menschen finden bei solchen Gedanken Trost im Motiv der Auferstehung, das in vielen Weltreligionen fest verwurzelt ist. Der Glaube verspricht: Es geht weiter, es ist zwar nicht ganz klar wie, aber es geht weiter.
Die regelmäßige Wiederkehr der Dinge ist wiederum ein weit verbreitetes Konzept in der Natur. Der Tag, der Monat, die Jahreszeiten, die Sonnenzyklen - das alles sind Beispiele von natürlichen, kosmischen Zyklen, die die Verhältnisse auf der Erde und auch die Eigenschaften des Lebens geprägt haben. Bricht man diese kosmischen Zyklen auf eine physikalische Grundeigenschaft herunter, so findet man die Rotation. Rotation, das Vermögen sich relativ zu einem Bezugspunkt zu drehen, ruft die zahlreichen Zyklen hervor, die uns so vertraut sind: die Rotation der Erde um ihre eigene Achse (Tag), die Rotation des Mondes um die Erde (Monat) und die Rotation der Erde um die Sonne (Jahreszeiten) etc. Ich fühle mich bei diesen phantastisch präzisen Räderwerken erinnert an die wohldefinierte, deterministische, mechanische Welt des 19. Jahrhunderts.

Im 20. Jahrhundert wurde mit den Entdeckungen in der Quantentheorie und in der nichtlinearen Dynamik ("Chaostheorie") klar, dass die Welt nicht so deterministisch ist. Weiterhin wissen die Astrophysiker, dass die wunderbaren Zyklen Tag, Monat und Jahr nicht ewig währen. So nimmt beispielsweise die Tageslänge durch die Gravitationswechselwirkung von Erde und Mond (die so genannte Gezeitenreibung) beständig zu. Ein Stern ist kein immerwährendes Gebilde - auch wenn der alte Name Fixstern das implizieren mag; ein Stern entsteht aus dem Kollaps einer Materiewolke, leuchtet - verglichen mit einem Menschenalter - eine ziemlich lange Zeit und er geht über in einen neuen kompakten Zustand oder explodiert. Auch Sterne sterben. Auch Sterne haben einen Lebenszyklus wie Menschen. Diese Erkenntnis an sich ist schon höchst erstaunlich.

Diese Überlegung kann noch weiter getrieben werden zu den größeren Strukturen im Kosmos. Galaxien, Ansammlungen von einigen hundert Milliarden Sternen und von Gas und Staub, sind ebenfalls irgendwann entstanden. Sie durchleben unterschiedliche Phasen: sie können hell strahlen in ihrer Jugend, mit anderen Galaxien verschmelzen und sie können dunkler werden zu ihrem Lebensende, so wie es Astronomen bei einigen dunklen Zwerggalaxien in der Nachbarschaft der Milchstraße beobachten.

Noch größere Strukturen in der Weite des Weltalls sind die Galaxienhaufen. Sie sind Spielball der Gravitation und der Dunklen Energie, zusammengehalten von Dunkler Materie. Auch die Galaxienhaufen entwickeln sich.

Wir dürfen nun mutig den letzten Schritt wagen und behaupten, dass auch das Universum selbst Lebensphasen durchläuft und - zumindest im Prinzip - wiedergeboren werden könnte. Geboren im Big Bang dehnt sich das Weltall aus; Teilchen, Kräfte und chemische Elemente entstehen, die sich zu Sternen und Galaxien zusammenballen. Aus den Materiescheiben einiger Sterne bilden sich Planeten, auf denen eine komplexe Chemie abläuft, die sich irgendwann selbst begreift. Doch dieses Bewusstsein ist zahlreichen Gefahren ausgesetzt: der eigenen Lebensfeindlichkeit, den langfristig instabilen Bedingungen der Atmosphäre, dem Bombardement von kosmischen Klein- und Großkörpern, dem Schicksal des Heimatgestirns, das explodieren oder sich zu einem roten Riesen aufblähen und alles verbrennen könnte.

Das sind alles Gefahren auf einer verhältnismäßig kurzen Zeitskala, die uns traurig stimmen mögen. Ich empfinde Erleichterung, wenn ich bedenke, dass es dem Universum als Ganzes nicht besser ergehen wird. Auch das Weltall wird sterben wie der Mensch. Das gängige Standardmodell der Kosmologie besagt, dass das Universum sich immer mehr, sogar beschleunigt, ausdehnt. Es wird größer und zieht die kosmischen Strukturen auseinander. Dabei wird es kälter. Nach dem, was wir heute (zu) wissen (glauben), wird es der Gravitation nicht gelingen, diesen Ausdehnungs- und Abkühlungsprozess aufzuhalten. Das Ende ist ein leerer, kalter Kosmos - angefüllt mit Schwarzen Löchern, Schwarzen Zwergen und kaltem Staub.   


Manchmal trifft mich dieser niederschmetternde Gedanke aus heiterem Himmel: Alles wird irgendwann vorbei sein!



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