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Deutsche Mondmission

von Markus Landgraf, 12. August 2009, 11:38

In einem Interview im ARD/ZDF Morgenmagazin hat sich der Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung Peter Hintze für ein Deutsches Mondprojekt ausgesprochen, das in Europäischer Koordination erfolgen soll.

 

Die veranschlagten Projektkosten von 1,5 Milliarden EUR deuten auf ein substatielles Projekt hin, das eine Landung auf der Oberfläche beinhaltet. Er weist in dem Interview auf das neu erweckte wissenschaftliche Interesse am Mond hin. Dies lässt hoffen, dass wissenschaftliche Fragestellungen bei der Planung im Vordergrund stehen werden, falls sich denn eine Finanzierung findet. Schliesslich ist der Mond ein einzigartiges Archiv aus der Zeit (vor 3,8 Milliarden Jahren), als auf der Erde das Leben entstand. Sollte es tatsächlich möglich sein, dass wir es schaffen, eine substantielle wissenschaftliche Mondmission auf die Beine zu bekommen? Die wirtschaftlichen und industriepolitischen Impulse wären enorm und würden der Wirtschaft zu dringend notwendingen Innovationen verhelfen, um im Wettbewerb mit Asien und Amerika zu bestehen.

 Einen sehr schönen Beitrag zu früheren Plänen der Bundesregierung und zum Chinesischen Mondprogramm gibt es hier.

Zum Mond! 

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Kommentare

  1. Martin Huhn
    12.08.2009 | 13:40

    Prima, daß Sie mal wieder was von sich hören lassen.

    Zum Thema gab es hier in den Kosmologs in letzter Zeit einiges. Und auch ein paar gute Argumente. Die sollte man stärker mit der Öffentlichkeit kommunizieren, damit auch etwas draus wird.

  2. Michael Khan Details?
    12.08.2009 | 13:48

    Herr Hintze scheint gut gebrieft worden zu sein, was die grundsätzlichen Aussagen zum wissenschaftlichen Interesse am Mond und zu den zu erwartenden technologischen Fortschritten angeht.

    Leider halten sich alle verfügbaren Kommuniqués sehr bedeckt bei selbst groben technischen Eckpunkten. Die genannte Summe scheint für einen Orbiter viel zu hoch, auch wäre der technologische Gewinn dort nicht ersichtlich.

    Also muss es wohl ein Lander sein, wobei sich gleich die nächsten Fragen stellen. Wo soll der Lander hin? Ist auch Mobilität (also ein Mond-Rover) vorgesehen? ist eine Landzeitpräsenz vorgesehen (auf einem Berggipfel in Polnähe durchaus machbar)? Etwa gar Probenrückführung?

    Erfreulich, dass explizit die Kooperation im europäischen Kontext angesprochen wird, diese ist im Rahmen einer ESA-Mission durchaus moeglich, auch ohne die deutsche Systemführerschaft infrage zu stellen.

    Frühere (bedauerliche und auch recht unüberlegte) Aussagen von FDP-Seite, nach denen eine Kooperation zwischen Deutschland und der NASA wünschenswert sein sollte, werden hoffentlich kein Gehoer finden. Es wäre ausgesprochen dumm, wenn diese Chance, so sie denn wirklich ergriffen wird, nicht im europäischen Kontext angegangen würde, wobei Deutschland dann durchaus mit Frankreich gleichziehen koennte.

  3. Markus Landgraf Details!
    12.08.2009 | 14:39

    Hallo allerseits,

    ich hatte auch den Eindruck, dass die "Top-Level" Information gut vorbereitet war. Leider hat man es von Journalistischer Seite her nicht geschafft, in dem Interview die richtigen Fragen zu stellen: wohin auf den Mond? Landen, und was dann (also Rueckfuehrung und/oder Rover)? Welche Rakete? Europaeisch oder mit NASA? Harren wir mal der Dinge, die da kommen. Es waere schade, wenn wir diese Chance verstreichen lassen.

  4. Elias Kernchen Wörner im Deutschlandfunk-Interview
    12.08.2009 | 16:31
  5. Elias Kernchen @ Herr Khan
    12.08.2009 | 16:42

    "Am Donnerstag will Wörner Gespräche mit Verantwortlichen bei der NASA in Washington über eine mögliche Kooperation führen."

    gefunden auf: http://www.faz.net/...8~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  6. Markus Landgraf @Michael und Herr Kernchen
    12.08.2009 | 17:00

    Tja, sieht so aus, als ob man die NASA als primaeren Partner sieht. Hmm.....

    Wie auch immer, ich finde das Projekt sollte zumindest von den Wissenschaftsenthusiasten unterstuetzt werden. Daher mein Vorschlag:

    Auf Tagesschau.de gibt's eine Umfrage.

    http://www.tagesschau.de/...nd/mondmission108.html

    Wir sollten alle dort mit 'ja' stimmen. Wie sieht's aus?

  7. Markus Landgraf Zielsetzungen
    12.08.2009 | 17:23

    Vielleicht waere noch eine Liste von moeglichen wissenschaftlichen Zielsetzungen hilfreich. Mir ist dazu folgendes eingefallen (schreibt doch bitte auch, was Euch dazu einfaellt):

    * Gibt es Wasser (oder andere fluechtige Stoffe) auf dem Mond? Wie bekannt haben ja die Daten von Clementine und Lunar Prospektor die 'Protonenanomalie' an den Polen des Mondes gemessen. 'Protonenanomalie' ist eins meiner Lieblingsworte und bezeichnet die hohe relative Absorption von solaren Neutronen, die von im Mondgestein/-staub gebundenen Protonen (also Wasserstoffkernen) herruehert. Die einfachste Erklaerung fuer die Protonenkonzentration an den Polen ist das vorhanden Sein von Wassereis. Allerdings wurde bei Einschlagereignissen kein Wasser nachgewiesen, obwohl dies zu erwarten waere.

    * Hat der Mond einen Kern? Viel ist nicht ueber das Mondinnere bekannt. Sogar die frage, ob es einen wie immer gearteten Kern gibt, oder ob der Mond nur aus Mantel und Kruste besteht ist nicht geloest (meines Wissens). In der Literatur liest man immer nur von einem 'moeglicherweise' 'kleinen' Kern, was das auch immer heissen mag. Das vorhanden Sein eines Kerns spielt eine grosse Rolle fuer das Verstaendnis das Mondes im Bezug auf ein Magnetfeld und damit auf Krustenmagnetisierung etc.

    * Wo ist die 'Ur-Erde' geblieben? Die fuehrende Theorie (fast schon ein Faktum) der Mondentstehung ist ja die Kollision eines Mars grossen Objekts mit der Urerde. Dabei verschmolzen beide Objekte zur jetzigen Erde und das Material, das jetzt den Mond bildet, wurde herausgeschleudert. Man muesste also aus der Kenntnis der Zusammensetzung der Erde und des Mondes (samt seines Inneren) die urspruengliche Zusammensetzung von 'Ur-Erde' und Kollisionsobjekt rekonstruieren koennen. Das waere eine unglaubicher Fortschritt im Verstaendnis der Evolution terrestrischer Planeten.

    * Wie hat sich die Sonnenaktivitaet und die Meteoroidenaktivitaet ueber das Alter des Sonnensystems geaendert? Zur Zeit benutzt man die in Apollo-Mondsteinen eingeschlossenen Sonnenwindisotope als Referenz, um die Variation der Haeufigkeit von Meteoroideneinschlaegen mit der Zeit zu bestimmen. Wer sagt aber, dass der Sonnenwind ueber die Jahrmilliarden konstant war? Man koennte das Problem separieren, wenn man Gesteinsproben mit Sonnenwindisotopen und Mikrokratern aus verschiedenen Epochen haette, wobei man die Altersbestimmung aus geologischen Erkenntnissen gewinnt. Beispiel: Marebasalt: 3.6 By, Hochlandanorthosit: 4.4By -> Differenz in Sonnenwind- und Mikrometeoroitrate.

    Noch Ideen?

  8. Michael Khan Wissenschaftliche Zielsetzungen
    12.08.2009 | 18:08

    Die Wissenschaft ist gerade bei einer ersten Mission eher zweitrangig. Es geht erst einmal um den technologischen Lerneffekt.

    Man sollt enicht das Pferd von hinten aufzäumen und die Wissenschaft zu früh in den Fahrersitz hieven. Sonst wird das Projekt gleich von Anfang an an die Wand gefahren.

  9. Michael Khan Alles zu seiner Zeit
    12.08.2009 | 18:30

    Ein weiterer Grund, nicht jetzt schon die Wissenschaft zu hoch zu hängen, ist, dass man abwarten muss, was die Vorgängermissionen erbringen.

    Ohne die hochaufgeloeste Mondkarte von LRO ist die Auswahl von landeorten nicht moeglich. Kann man in Polnähe aber nicht landen, stellt sich der gesamte Missionsverlauf schon mal voellig anders dar. Muss man woanders landen, hat man nämlich das wissenschaftliche Programm in zwei Wochen zu erledigen, danach ist Mondnacht. Also hier schon einmal ein kritischer Faktor.

    De Sache mit dem Wassereis wird hoffentlich von LCROSS, aber auch von LRO, wenn vielleicht auch nicht beantwortet, dann zumindest anders dargestellt.

    Und zur Frage des inneren Aufbaus sollten die Messungen von GRAIL auch wesentliche Informationen liefern.

  10. Martin Huhn Umfrage Tagesschau
    12.08.2009 | 20:02

    Sieht nicht so gut aus bisher:

    Ja 1803 40.9%
    Nein 2535 57.5%
    Weiß nicht / Ist mir egal 73 1.7%

    Viele denken wahrscheinlich, warum das Geld sinnlos ins All verschleudern, wenn wir hier unten so viel Probleme haben.

  11. Markus Landgraf @Michael
    12.08.2009 | 21:06

    Du weisst selbst wie schwierig es in der ESA ist, eine Technologie-Demo-Mission hinzubekommen. Gerade in D wirst Du den Segen der Herrn Professoren brauchen. Ohne vernünftige Wissenschaftliche Ziele wird das nie was. Niemand bestreitet, dass der Löwenanteil des Geldes nachher in die Technologieentwicklung geht. Wissenschaftliche Ziele zu definieren ist aber erstmal nicht teuer und kann den Geschmack anregen. Ich denke da zum Beispiel an die Kollegen in Münster und Lindau. Die haben ein guten Draht zur Regierung. Wenn die erstmal (hoffentlich liest jemand von da mit) drauf gekommen sind, dass man z.B. an Proben kommen kann, verkauft sich die Sache wie von selbst.

  12. Markus Landgraf @ Herr Huhn
    12.08.2009 | 21:09

    Tja, leider. Vielen Dank für den Hinweis auf die Realsatiere mit den "Problemen hier unten". Wenn das nochmal jemand sagt, springe ich aus dem Fenster ;-).

  13. Markus Landgraf nochmal @ Michael
    12.08.2009 | 21:11

    Guter Punkt mit den laufenden Missionen. Klar sieht das Bild in 5 Jahren anders aus. Vielleicht sollten alle meine Liste vom Posting oben nicht *so* ernst nehmen, war eigentlich auch mehr als Anregung gedacht. Ich gehe mal davon aus, dass man, wenn LCROSS/LRO etc. erstmal gelaufen sind, man eher mehr Fragen hat als vorher. Science Rocks!

  14. Michael Khan Zielsetzungen
    12.08.2009 | 21:20

    @Markus: Dass Wissenschaft unwichtig sei, behauptet keiner. Nur muss man überhaupt erst mal wissen und genau sagen, was man machen will.

    Wenn man weiß, dass man es nicht schaffen wird, die Landegenauigkeit hinzubekommen, die man auf einem PEL im Aitkenbecken braucht, dann ist man gezwungen, äquatornahe zu landen, und dann sieht die ganze Mission von vorneherein anders aus, allemal kürzer. Auch ist diverse Wissenschaft dann nicht möglich, andere schon.

    Umgekehrt, setzt man sich als machbares Missionsziel, am Südpol zu landen, dann eröffnet das ein ganz anderes "Window of Opportunity" für die Wissenschaft.

    Solche Sachen sollte man vorher wissen, bevor man sich an die Ausschreibung oder gar Auswahl der wissenschaftlichen Ausrüstung geht.

    Die technologische Demonstratorfunktion hier nicht zur Kenntnis zu nehmen, weil es schwer sein könnte, das durchzubringen - wer sagt das eigentlich? Vielleicht ist man ja doch lernfähiger als befürchtet ... - würde genau in dem Chaos münden wie andere Missionen, wo man denselben Fehler machte. Das gilt hier um so mehr, weil eine Mondlandemission technologisch etwas ist, womit Europa keine Erfahrung hat.

    Natürlich kann man das heben, und die Erfahrungen werden sehr wichtig sein, innerhalb und außerhalb der Raumfahrt. Aber man muss auch klar sehen und klar sagen, dass wie diese Erfahrung jetzt sammeln müssen.

    Und auf jeden fall gilt, dass man zur Kenntnis nehmen muss, was die Vorgängermission an Wissenschaft machen. Sonst läuft man ganz schnell das Risiko, mit einem nicht mehr relevanten Instrumentenpaket dazustehen.

  15. Fischer Mein persönlicher Kritikpunkt:
    13.08.2009 | 00:07

    *Die Wissenschaft ist gerade bei einer ersten Mission eher zweitrangig.*

    Leider wäre das aber nicht die erste Mondmission, sondern die - wieviel? - sechzigste, so plusminus. D.h. entweder man fliegt da mit einer ganz spezifischen und möglichst spannenden wissenschaftlichen Zielsetzung hin, oder man macht sich einfach lächerlich. Schließlich waren wir mit der ESA schon da.

    Deswegen bin ich sehr der Meinung, dass eine originär deutsche Mission wo anders hin führen müsste, wo halt noch nicht jeder war. Schon weil die erste solche Mission notwendigerweise kaum mehr als eine Demo sein wird.

  16. Michael Khan Reformulierung
    13.08.2009 | 07:31

    @Daniel Fischer

    >*Die Wissenschaft ist gerade bei einer
    > ersten Mission eher zweitrangig.*
    >
    >Leider wäre das aber nicht die erste >Mondmission, sondern die - wieviel? - >sechzigste, so plusminus.

    Es wäre die erste Landemission der ESA auf dem Mond und (falls dies das Missionsziel wird) die erste unbemannte, automatische Punktlandemission überhaupt.

    >Deswegen bin ich sehr der Meinung, dass >eine originär deutsche Mission wo anders >hin führen müsste, wo halt noch nicht >jeder war. Schon weil die erste solche >Mission notwendigerweise kaum mehr als >eine Demo sein wird.

    Das ist auch genau meine Meinung.

    Allerdings ist mir nicht unbedingt klar, warum eine Demonstratormission so groß und kostspielig sein muss. Dies sollte eigentlich das europäische Mond-Äquivalent der NASA-Mars-Mission Pathfinder sein.

    Jene war auch nicht mit einem umfangreichem wissenschaftlichen Paket ausgestattet.

    Jetzt ohne praktische Erfahrung etwas in jeder Hinsicht neues anzugehen und das auch noch als teure, wissenschaftlich hochgerüstete Großmission, das wäre in meinen Augen ein Fehler:

    Was dann passieren würde, ist, dass die eigentlich gute, wichtige und sinnvolle Mission zwischen wissenschaftlichem Anspruch und der harten Realität der technischen Randbedinmgungen zerrieben wird und eben nicht zügig und zielgerichtet durchgezogen kann, wie es eigentlich bei einer solchen Erstmission der Fall sein würde.

    Die Erfahrung hat man schon einmal gemacht und einmal reicht.

  17. Michael Khan @Martin Huhn
    13.08.2009 | 07:38

    >Viele denken wahrscheinlich, warum das >Geld sinnlos ins All verschleudern, wenn >wir hier unten so viel Probleme haben.

    Und gerade weil das so ist, dass

    - Viele denken, Geld für Weltraumfahrt sei im All verschleudert - dabei wird jeder Cent hier auf der Erde ausgegeben, das Meiste für F&E im Hochtechnologiebereich ...

    - Manche anscheinend nicht verstehen, warum Ausbildung, Forschung und Entwicklung für sie selbst, ihre Jobsicherheit und ihren Wohlstand wesentlich sind ...

    - Manche tatsächlich so naiv sein mögen, zu glauben, wenn man in Bildung, Forschung und Entwicklung nicht investiert, löst man damit auf der Erde Probleme, anstatt sie größer zu machen ....

    ... genau deswegen brauchen wir solche Missionen. Natürlich wird, selbst wenn die Mission ein Erfolg wird und wenn Deutschland dadurch technologisch vorankommt, immer noch kein Mangel an Leuten sein, die bis in alle Ewigkeit weiter daran herummäkeln. Damit muss man einfach leben.

  18. 13.08.2009 | 09:06

    Bei aller Euphorie. Ich sehe das ganz ähnlich wie Lars (nicht Daniel) Fischer: Vor einem halben Jahrhundert haben Amerikaner und Russen es geschafft, Landesonden auf den Mond zu bringen. Vor 40 Jahren sind Amerkaner erstmals in persona dort gelandet. Und jetzt wollen wir beweisen, dass sie es halt auch können? Zumindest so ein bisschen halt? Sorry, aber damit kann man niemanden für die Raumfahrt begeistern, man macht sich lächerlich.

    Und wenn solche Vorschläge von Politikern vorgebracht werden, die sich seit Jahrzehnten vergeblich an Gesundheitsreformen abarbeiten oder nicht mal ein funktionierendes Mautsystem auf die Reihe bekommen, dann ist die Lächerlichkeit perfekt. Deutschland, bleib bei deinen Leisten.

  19. Elias Kernchen @ Herr Landgraf
    13.08.2009 | 09:25

    "Die Bundesregierung hat offensichtlich immer noch nicht verstanden, dass die Probleme der Menschheit nicht auf dem Mond zu lösen sind, sondern auf der Erde.“ (Gesine Lötzsch, stellvertretende Vorsitzende und haushaltspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke)

    *SCNR* ;-)

  20. Michael Khan Immer dasselbe?
    13.08.2009 | 09:29

    Erst einmal Entschuldigung an Lars Fischer wegen der Namensverwechslung.

    Dass eine Landemission heute im Prinzip nichts anderes wäre als in den 60ern, mag vordergründig so erscheinen, ist aber nicht so. Zumindest nicht unbedingt - auf jeden Fall ist es deutlich mehr, wenn man eben nicht irgendwo in einer gewaltigen Ebene in einem Mare landet, sondern auf einem kleinen Zielquadrat auf einem Kraterrand an einem Punkt ewigen Lichts.

    Die technologische Herausforderung ist eine ganz andere, und das kann auch so vermittelt werden. Natürlich ist das ein loesbares Problem, aber man sollte es nicht unterschätzen.

    Wer sich einmal "Hands-on" damit beschäftigt hat, der hat Respekt vor dem Problem, andere moegen das lächerlich finden, wahrscheinlich haben die da mehr Erfahrung als ich. Ich war nur an an vier Studien zu Mondlandemissionen beteiligt, da kann ich nicht wirklich mitreden.

    Es ist mir nicht aufgefallen, dass die Landung von Pathfinder als lächerlich oder uninteressant wahrgenommen wurde, obgleich mehr als zwanzig Jahre vorher schon die Vikings auf dem Mars gelandet waren. Meine - vielleicht subjektiv gefarbte Erinnerung ist eine andere - nämlich die, dass Pathfinder ein gewaltiges weltweites Interesse lostrat, das der NASA noch eine Folge weiterer Mars-Missionen bescherte - jene dann mit zunehmend ausgefeilter wissenschaftlicher Bestückung, die Pathfinder natürlich - sinnvollerweise - NICHT hatte.

    Man kann denselben Effekt mit einem europäischen Mondlander haben. Dazu muss man das Programm zielgerichtet und zügig durchführen und die anderen Mitbewerber überholen. Der erste Demonstrator wäre der Pionier für weitere, wirklich wissenschaftliche Missionen. Eine Mission allein ist nicht sinnvoll. Es gibt keine "Instant Science", mit der man alle Fragen sofort beantwortet. Nur als Kette, deren erstes Glied dieser Lander darstellt, wäre das Ganze ein Erfolg.

    Oder man fährt das an die Wand, indem man die Tatsache ignoriert, dass komplexe technische Aufgaben nur schrittweise geloest werden, indem man gleich den ersten Demonstrator mit Wissenschaft vollpackt, anstatt die Missionsziele klar auf den technischen Erfolg auszurichten, und indem man dann im Hickhack zwischen konkurrierenden Missionszielen die Mission immer weiter verschiebt, bis irgendwann die Chinesen schneller sind als wir Europäer.

    *Das* wäre dann in der Tat lächerlich, aber Europa durchaus zuzutrauen. Das liegt dann noch nicht einmal an "den Politikern", sondern daran wären (bzw. sind, in den Fällen, wo das genau so lief) ganz andere Schuld - Leute, die es eigentlich besser wissen müssten.

szmtag