kosmologs Europas Zukunft im Weltraum

Deutsche Mondmission

von Markus Landgraf, 12. August 2009, 11:38

In einem Interview im ARD/ZDF Morgenmagazin hat sich der Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung Peter Hintze für ein Deutsches Mondprojekt ausgesprochen, das in Europäischer Koordination erfolgen soll.

Die veranschlagten Projektkosten von 1,5 Milliarden EUR deuten auf ein substatielles Projekt hin, das eine Landung auf der Oberfläche beinhaltet. Er weist in dem Interview auf das neu erweckte wissenschaftliche Interesse am Mond hin. Dies lässt hoffen, dass wissenschaftliche Fragestellungen bei der Planung im Vordergrund stehen werden, falls sich denn eine Finanzierung findet. Schliesslich ist der Mond ein einzigartiges Archiv aus der Zeit (vor 3,8 Milliarden Jahren), als auf der Erde das Leben entstand. Sollte es tatsächlich möglich sein, dass wir es schaffen, eine substantielle wissenschaftliche Mondmission auf die Beine zu bekommen? Die wirtschaftlichen und industriepolitischen Impulse wären enorm und würden der Wirtschaft zu dringend notwendingen Innovationen verhelfen, um im Wettbewerb mit Asien und Amerika zu bestehen.

Einen sehr schönen Beitrag zu früheren Plänen der Bundesregierung und zum Chinesischen Mondprogramm gibt es bei Go for Launch.

Zum Mond!



Ähnliche Artikel:

antworten

Artikel kommentieren
 authimage

Trackbacks

Go for Launch: Mondfinsternis in der Silvesternacht
Go for Launch: Fortschritt und Wissenschaft nur nach Kassenlage
Himmelslichter: Das Blog-Teleskop #33
Go for Launch: Programm statt Wurstelei: Beispiel Mond

Kommentare

  1. Markus Landgraf @ Gesine Loetzsch
    13.08.2009 | 09:44

    (Dank an Herr Kernchen fuer den Forward)

    Glauben Sie wirklich, dass wir die Probleme der Menschheit loesen, indem wir *nicht* zum Mond fliegen? Wenn dem so waere, waeren zwischen 1977 und 1989 (immerhin 12 Jahre)alle Probleme der Menschheit auf wundersame Weise verschwunden. In dieser Zeit ist naemlich nicht eine einzige Mondsonde geflogen.

    Wie Herr Woerner im DW Interview schon richtig gesagt hat: Weltraumforschung ist nicht links und nicht rechts, man braucht sich da also Parteipolitisch nicht zu echauffieren.

  2. Markus Landgraf @ Herr Hattenbach
    13.08.2009 | 09:53

    >Deutschland, bleib bei deinen Leisten

    Da gebe ich ihnen recht. Ein Hochtechnologiestandord wie Deutschland (trifft auch auf das ganze Land Europa zu) ist auf Grossprojekte in der Forschung angewiesen, um das noetige Innovationspotential in der Industrie aufrecht zu erhalten. Rohstoffe haben wir ja hier nicht so viel. Deswegen war es in Deutschland (und Europa) immer Tradition, solche Projekte zu foerdern (Concorde, Airbus, Ariane, CERN, ITER,....). Also, Deutschland (Europa), bleib' bei Deinem Leisten und realisiere weiter visionaere Hochtechnologieprojekte. Wenn wir uns naemlich auf einen Verdraengungswettbewerb mit Asien und Amerika einlassen, verlieren wir.

  3. Elias Kernchen Zwei Kritikpunkte...
    13.08.2009 | 10:23

    ... an einem deutschen Mondprogramm in der jetzt vorgestellten Form:

    (1) Es gibt gar kein Programm, sondern nur eine Mission. Angenommen, diese wird tatsächlich wie geplant umgesetzt und 1.5 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert. Was kommt danach? Wird man bereit sein, den nächsten logischen Schritt zu tun, technisch und wissenschaftlich noch ambitioniertere Projekte folgen zu lassen, um die gerade erst aufgebaute Kompetenz zu halten? Wenn nicht, wenn Deutschland beschließt, sich auf Vor-Mond-Niveau zurückfallen zu lassen, wohin dann mit den (Über-)kapazitäten? Abwarckprämien für Ingenieure und Wissenschaftler vielleicht?

    (2) Es schadet der europäischen Raumfahrt. Wie
    kann es sein, daß ein einziges Land in Europa
    1.5 Milliarden Euro in einen Mond-Rover investiert, die ESA-Mitgliedsstaaten zusammen aber das Budget für ExoMars auf 850 Millionen beschränken, mit der Konsequenz, daß Start, Transfer, Entry, Descent und Landing möglicherweise komplett von den Amerikanern eingekauft werden [1]? Wieviel nützt das der deutschen Raumfahrtindustrie?

    [1] http://news.bbc.co.uk/...cience/nature/8168954.stm

  4. Michael Khan @Elias Kernchen
    13.08.2009 | 10:25

    Die Aussage von Frau Loetzsch interpretiere ich so, dass man Geld auf der Erde ausgeben soll und nicht auf dem Mond.

    Na, da trifft es sich ja sehr gut, dass das Geld für eine Mondmission fast komplett auf der Erde ausgegeben wird.

    Auf die Rakete schnallt man ja nur ein wenig Kunstoff, Metall und Treibstoff, das zusammengenommen einen geringen intrinsischen Wert hat. Die Kosten (und auch der Mehrwert) fallen an, weil auf der Erde viele Tausen hochqualifizierte Leute mit der Entwicklung, dem Bau und dem Testen der erforderlichen Technik noch etwas hoeher qualifiziert werden. Solche Leute braucht der Technologiestandort Deutschland.

    Insofern freue ich mich, dass Frau Loetzsch das oiffensichtlich auch so sieht, ebenso wie die Bundesregierung.

  5. Michael Khan @Elias Kernchen (2):
    13.08.2009 | 10:34

    Zu den 2 Kritikpunkten an dem vogestellten Mondprogramm so wie es jetzt erscheinen mag:

    > (1) Es gibt gar kein Programm,
    > sondern nur eine Mission.

    Ganz genau das ist das Problem. Es ist genau der falsche Weg, der Europa schon in der Marsforschung in die Stagnation getrievben hat. Man braucht erstens einen Prototyp, umd die Technologie zu demonstrieren und dann in kurzer Folge darauf aufbauende Missionen, die das gewonnene Know-How einsetzen und zu wissenschaftlichem return führen.

    > (2) Es schadet der europäischen
    > Raumfahrt.

    Im Prinzip haben Sie Recht. ExoMars ist unterfinanziert und wird zerrieben zwischen wissenschaftlichem Anspruch und technologischer realitát. Noch nie auf dem mars gelandet, aber dann gleich mit einem exobiologischen Rover, das ist nicht vernünftig.

    Allerdings ist das nicht die Schuld dieser Mondmission, sondern wurde schon vorher verbockt.

    Ich würde aber gern sehen, dass man nicht die gemachten Fehler hier noch einmal 1:1 reproduziert. Deswegen stoeßt mir das das ganze Wissenschaftsgerede sauer auf - da sind die Prioritäten nicht richtig sortiert.

    Wir brauchen ein Programm, nicht nur Projekte. Solange das nicht auch in der europäischen Planetenforschung kapiert wird, werden wir nicht vom Fleck kommen.

  6. Markus Landgraf @ Herr Kernchen
    13.08.2009 | 10:46

    Ich denke, da haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Mit diesen Kritikpunkten wird man sich beim DLR und der Bundesregierung auseinandersetzen muessen. Lassen Sie mich mal einen ersten Versuch wagen:

    Ad (1) In der Tat waere eine einzige Mission schwer zu vertreten, besonders bei dem grossen Technologieschritt, den z.B. eine Praezisionslandung erforderte. Im Sinne von Herr Khan's obigen Aeusserungen koennte man ueber eine Demo-Mission (sagen wir: Start mit Soyuz, Praezisionslandung mit einfachem Rover, minimale Science) nachdenken. Dann wuerde die eigentliche Mission (Start mit Ariane 5, Rover, vielleicht Proberueckfuehrung) folgen. Problem dabei ist, dass es bei Weltraumprogramme oft bei der ersten Mission bleibt, weil man meint, das Ziel schon erreicht zu haben. Ganz nach dem Motto: "Wir haben die Fahne gehisst, das wars!"

    Ad (2): Dass die ESA mit ExoMars so in der Finanzklemme steckt zeigt eigentlich nur eins: ohne Demonstrationsmission werden Wissenschaftsmissionen sehr teuer. Das hat imho zwei Gruende: Viele Untersuchungen wurden bereits durchgefuehrt, also "die billigen Missionen sind bereits geflogen", wie Steve Squires es einmal pflegte auszudruecken. Zweitens divergiert bei grossen Missionen irgendwann die Kostenspirale: bei hohen Missionskosten koennen keine Risiken eingegangen werden. Eine 100% Sicherheit gibt es aber nie. Beim Versuch, wenigstens 99,9% Erfolgschancen zu erreichen eskalieren die Missionskosten weiter. Soviel zu ExoMars. Sicher wird man sich beim DLR schwer tun, die relative Zugeknoepftheit bei neuen ESA Programmen (beispiel Space Situational Awareness oder Aurora) zu rechtfertigen, wenn man national ins volle greift. Das machen aber andere Mitgliedsstaaten auch (was es nicht besser macht). Das Problem bei der Konstruktion von ESA Programmen ist, dass der Haupt-Geldgeber auch die entsprechenden Kompetenzen braucht, die arbeiten von seiner Industrie durchfuehren zu lassen, wegen der geografischen Regeln bei der Auftragsvergabe. Dabei wuerde eine deutsche Mission der ESA wieder helfen: entwickelt die deutsche Industrie im Rahmen eines solchen Programmes die Kompetenzen fuer, sagen wir mal, Praezisionslandungen auf Himmelskoerpern mit keiner oder wenig Atmosphaere, koennte man viel besser die deutsche Delegation fuer Programme wie ExoMars begeistern.

    Tja, es laeuft halt in der Europaeischen Raumfahrt viel ueber Industriepolitik. In dem Kontext macht so eine Mission schon Sinn. Die Wissenschaft, die dabei rumkommt wuerde jedenfalls grossartig sein. Das hat schon Apollo bewiesen, die ja auch nicht wegen der Frage nach dem Alter des Mondes hin geflogen sind, sie aber trotzdem beantworten konnten. (4527 +/- 10 Millionen Jahre)

  7. Jan Hattenbach @Michael
    13.08.2009 | 11:33

    Auf dem Mars ist num mal etwas mehr los als auf dem Mond. Die Amerikaner haben Pathfinder auf den Weg gebracht, weil sie mit ihren früheren Sonden eine zentrale Frage nicht beantworten konnten: Die nach dem LEBEN. Das ist ihnen bisher immer noch nicht endgültig gelungen, aber die Frage nach LEBEN inspiriert und begeistern nun mal, der Mond hingegen kaum noch. Rover hat es auf dem Mars bis 1997 auch noch nicht gegeben. Das war neu, das war aufregend. Der technologische Sprung von Sojourner zu Spitit und Opportunity war ebenfalls gewaltig. Kurz: Jede Mission der Amerikaner auf dem Mars war neu, war innovativ, ließ neue wissenschaftliche Ergebnisse erwarten. Die Missionen zu Jupiter und Saturn ebenfalls.

    Eine deutsche Mondmission, die hauptsächlich nur zeigen soll dass wir es mittlerweile auch können ist dagegen das genaue Gegenteil davon. Das ist Raumfahrt zum abgewöhnen mit der sich niemand begeistern lassen wird.

    Deutschland bleib bei deinen Leisten: Es gibt hier Spitzeninstitute die sich an den Raumfahrtmissionen der Amerikaner und der ESA beteiligen (auch bei den Marsrovern) und wirklich gute Arbeit leisten. Das sollte gefördert und ausgebaut werden.

  8. Michael Khan Deutschlands Leisten
    13.08.2009 | 12:15

    @Jan: Du nimmst hier schon die Ergebnisse vorweg, die überhaupt erst noch erbracht werden müssen. Natürlich ist das Profil der in-situ Forschung auf dem Mond ein anderes als auf dem Mars.

    Aber üblicherweise wird ein Objekt solange als uninteressant empfunden, wie man sich nicht dafür interessiert und auch nicht dort forscht. Genau das ist die Crux.

    Mit dem Beispiel Pathfinder wollte eigentlich nur Eines zeigen: dass etwas schon mal gemacht wurde, bedeutet nicht, dass das niemanden mehr interessiert. Für Pathfinder interessierte sich die Oeffentlichkeit doch nicht allein wegen Sojourner, sondern weil man sehr wohl verstanden hat, dass damit eine neue Phase begonnen hatte. Warum sollte das bei einer Mondlandemission anders sein?

    Eine Mondpol-Landemission wäre neu und innovativ. Das ist nicht dasselbe wie Surveyor.

    Ja, Deutschland soll das machen, was es kann. Gerade in der Technik der Mondlandung habe deutsche Unternehmen und ihre Ingenieure erhebliche Vorarbeit geleistet und sind auf dem guten Weg. Zu nennen sind da unter anderem die Unternehmen OHB System und EADS Astrium in Bremen.

    Es gibt natürlich auch Forschungsinstitute, die im wissenschaftlichen bereich hervorragende Arbeit leisten und die an führender Stelle involviert sein werden. Aber diese brauchen un einmal auch die entsprechenden Missionen, auf denen ihre Instrumente mitfliegen koennen.

    Die wirkliche Hochtechnologie steckt jedoch nicht in den Instrumenten. Technisch anspruchsvoll und daraum auch forschungspolitisch foerderungswürdig ist in erster Linie das Raumfahrzeug. Sich auf Instrumente zu fokussieren und die Hauptsache kampflos aufzugeben, das ist eine merkwürdige Einstellung. Wir sind (noch) die weltweit drittgroeßte Industrienation und müssen auch etwas dafür tun, dass das so bleibt.

    Man kann natürlich immer abwarten, dass andere Nationen einem den "Gefallen" tun und die Raumsonden bauen, auf denen man dann seine Instrumente mitschicken kann. Das sollte man aber nicht, wenn man den Anspruch hat, in einer führenden Position zu bleiben.

    Die beste Art, die deutschen Forschungsinstitute zu staerken, ist, die deutsche Industrie zu foerdern.

  9. Elias Kernchen DLF-Interview mit einem Grünen
    13.08.2009 | 12:40
  10. Markus Landgraf @ Herr Kernchen
    13.08.2009 | 13:28

    Vielen Dank erstmal fuer den Link zum Interview mit Herrn Hettlich. Es ist schon interessant, wie er hier die wissenschaftlichen Resultate von Apollo in Zweifel zieht. Vielleicht sollte er in der Literatur nochmal nachlesen. Zu den technologisch/wirtschaftlichen Resultaten hatten wir ja hier schon einen klasse Post:

    http://www.kosmologs.de/...09-07-20/apollo-benefit

    Das ist aber ein bisschen OT. Zurueck zu Ihrem Argument Mars-Science vs. Mond-Science. Es stimmt natuerlich, dass der Mars natuerlich die Option bietet, nach Leben zu suchen. Aber der Mars (wie auch die Erde) ist kein isoliertes Objekt, sondern man muss das ganze System "Sonnensystem" verstehen, wenn man das Bild der Biologie im Universum zeichnen moechte. Konkret: Falls man Leben auf dem Mars findet, stellt sich sofort die Frage: welche Beziehung hat es zum irdischen Leben (war es frueher oder spaeter da oder hat es eine Verbindung gegeben?). Diese Fragen kann man kriegt man nur auf dem Mars nicht beantwortet.

    Zum Thema Investitionen in deutsche Beitraege zu internationalen Missionen. Klar ist es immer am glorreichsten, wissenschaftliche Instrumente bei Partnerlaendern mitfliegen zu lassen. Man hat den ganzen (wissenschaftlichen) Profit und muss die 'Reisekosten' nicht uebernehmen. Das geht aber nur bis zu einer gewissen Grenze. Die Partner sind naemlich auch nicht doof und akzeptieren deutsche Experimente nur auf der Basis von Austauschdeals. Und da muss man eben eine Technologie vorweisen koennen, die die Partner nicht haben, z.B. automatische Praezisionslandung auf dem Mond/Mars eben.

    Auf zum Mond!

  11. Michael Khan Wissenschaft ist das Sahnehäubchen
    13.08.2009 | 16:05

    Ich warne davor, Wissenschaft überzubewerten. Natürlich brauchen wir sie, und sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil jeder Mission. Aber das ist noch lange nicht dasselbe wie "Wissenschaft ist die Mission".

    Die Realität ist wohl eher so: wenn die Mission ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte wäre, dann ist die Raumsonde die Torte und die Wissenschhaft der Sahnebelag, die Häubchen und die kandierten Kirschen.

    Klar, man will die ganze Torte. Gar keine Frage. Aber wenn ich jetzt teilen müsste und koennte mir aussuchen, ob ich die eigentliche Torte will und der andere kriegt den Sahnebelag, oder umgekehrt, dann würde ich nicht lange zoegern.

    Dito für eine Mission - wenn unsere Industrie die Landesonde, Struktur, Energieversorgung, Antrieb, Bordrechner und Steuerungssystem federführend entwickelt und die Instrumente kommen aus anderen Ländern, dann ist mir das allemal lieber als wenn die Sonde aus Frankreich kommt und wir dürfen gerade ein paar Instrumente liefern.

    "Das ist mir lieber" ist nicht nur eine Frage des persoenlichen Geschmacks. Wenn man die Anzahl der beteiligten Fachleute und der zu loesenden technischen Probleme anschaut, ebenso wie die jeweils investierten Summen, kommt bei der Raumsonde selbst allemal mehr herum.

    Wenn wir was für unsere wissenschaftlichen Institute tun wollen, sollten wir unsere Industrie foerdern. Da fällt für die Wissenschaft immer noch genug ab. Sollten aber unsere Wissenschaftler nicht zum Zuge kommen, sonden die anderer Nationen, Pech ... dann haben wir immer noch Entwicklung und Bau der Raumsonde. Damit koennte man gut leben.

    Verzichten wir aber auf den Bau der Raumsonde und ziehen uns nur auf die Wissenschaft zurück, dann haben wir einen schlechten Rausch gemacht.

  12. Jan Hattenbach Wissenschaft zuerst!
    13.08.2009 | 16:24

    Lieber Michael,

    diese Argumentation ist Wasser auf die Mühlen für diejenigen, die die ganze Raumfahrt für einen überflüssigen Kropf halten. Raumfahrt in erster Linie nur um ihrer selbst willen, allenfalls die Industrie ankurbeln, und nur eventuell mit ein bisschen Wissenschaft dabei - das können wir uns wirklich sparen. Um zu beweisen "dass wir es (besser/schneller als die Anderen) können" - die Zeiten sind seit dem kalten Krieg vorbei. Dafür wäre das Geld hier unten auf der Erde in der Tat besser angelegt, da kann ich nicht anders, als den hier kritisierten Kritikern Recht zu geben.

    Ich bin kein Raumfahrthasser. Ich habe selbst an einem Raumfahrtexperiment diplomiert. Aber jede Mission muss einen wissenschaftlichen Zweck erfüllen, muss etwas leisten, was über das reine "wir haben es halt gemacht" hinausgeht. Pioneer, Voyager, Viking, WMAP, IRAS, COBE, Herschel, Planck, Messenger,... alles diese Sonden hatten ein wissenschaftliches Ziel. Und das hieß mehr als nur "hinkommen". Dann hätten sie nämlich auch einfach ein paar Revolutionslieder (kleiner Scherz) abspielen und rumpiepsen können. Die Wissenschaft muss im Mittelpunkt stehen. Die Raumfahrt ist das Vehikel, das Ankurbeln der Wirtschaft ein positiver Nebeneffekt und das nationale Prestige etwas für die, die es halt für ihr Ego brauchen.

    Die Zeit, als man erstmal beweisen musste, dass Menschen Raumsonden auf den Mond und andere Planeten bringen können, ist viele Jahrzehnte vorbei. Heute lockt man alleine damit niemanden hinter dem Ofen hervor. Und man kann niemandem sinnvoll erklären, warum dafür Steuergelder ausgegeben werden müssen.

    Die Tafgesschauumfrage überrascht mich deshalb keineswegs. Eine repräsentative Umfrage wäre sicher noch eindeutiger im Ergebnis. Kann natürlich auch sein, dass viele das Hirn einfach auf Durchzug stellen, wenn Vollblutpolitiker wie der Pastor Hintze auf einmal zum Mond wollen (so auch ich).

    (Vollblutpolitiker ist hier nicht als Kompliment gemeint.)

  13. Markus Landgraf @ Herr Hattenbach
    13.08.2009 | 16:47

    Das Dumme an der Wissenschaft ist, dass die Infrastruktur immer *viel* teurer ist als die Experimente. Das ist nicht nur bei der Raumfahrt so. Beim Cern z.B. will jeder Detektoren bauen, aber niemand den Beschleuniger betreiben. Das Problem ist: wie rechtfertigt man den immensen Aufwand an Infrastruktur?

    Imho liegt die Antwort auf der Hand: Industrie- und Innovationspolitik. Das ist im Thread schon ein paar mal angesprochen worden und ich will es nicht noch einmal wiederholen. Es geht eben nicht, dass alle nur Instrumente bauen, irgend jemand muss auch die Raumsonden bauen und betreiben.

    Das soll jetzt bitte nicht so verstanden werden, dass wir auf Gedeih und Verderb eine Argument finden muessen, damit wir dem Steuerzahler die Infrakstuktur (und damit meine ich nicht nur Labors, Raumsonden und Bodenstationen, sondern auch das Know-How diese zu betreiben) "verkaufen", die wir fuer unsere Wissenschaft brauchen. In der Tat ist es so, dass die positiven Effekte eines wissenschaftlichen Grossprojekts fuer eine Volkswirtschaft die Ausgaben in Wissenschaftsinfrastruktur rechtfertigen. Das war bei Apollo so und deswegen machen die Amerikaner jetzt auch Constellation.

    Es ist einfach eine prima symbiose zwischen Intressen der Industrie (die aus Betriebswirtschaftlichen Gruenden solche Projekte nicht selbst angehen koennen) und der Wissenschaft (die wie gesagt die Infrastruktur braucht). Wie man das Pferd nun Aufzaeumt ist eine andere Frage. Da neige ich Ihrem argument zu, dass man zunaechst wissenschaftlich argumentiert (z.B. "wenn wir die Entwicklung terrestrische Planeten verstehen wollen, muessen wir ....."). Dann hat man erst mal die (recht maechtige) Akademia auf seiner Seite, vorausgesetzt man macht keine strategischen Fehler.

    Wie Michael schon erwaehnt hat ist es dabei wichtig, die wissenschaftlichen Anforderungen nicht als heilgen Gral zu sehen. Wenn etwas technisch nicht geht, soll man die Mission auch nicht vor sich her treiben (z.B. mit einer Anforderung in die Richtung "Mindestens 30kg Mondgestein vom Kraterrand des Shackleton, die waehrend der Gesamtmission niemals ueber -150C aufgeheizt werden).

    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass, wenn die Mission erstmal finanziell und politisch in trockenen Tuechern ist (Daumen drueck'), die eigentlichen Anforderungen ein Mischmasch aus Technologiedemonstration und Wissenschaft sind mit einer gewissen Vorausahnung, was machbar ist. In Phase A kann man dann sehen, ob das so hinkommmt.

    Zum Mond!

  14. Michael Khan Leider missverstanden
    13.08.2009 | 16:55

    Oje, jetzt sind wir schon am Punkt, wo man sich grob vereinfachte Reduzierungen der Aussagen um die Ohren hat ... das muss wohl nicht sein.

    > diese Argumentation ist Wasser auf die
    > Mühlen für diejenigen, die die ganze
    > Raumfahrt für einen überflüssigen
    > Kropf halten.

    Nicht, wenn man sie so nimmt, wie ich sie gebracht habe, und nicht umdeutet.

    > Raumfahrt in erster Linie nur um ihrer > selbst willen,

    Das sagt wer?

    Es ist mir neu, dass jemand von Raumfahrt um ihrer selbst willen argumentiert hätte. Es geht hier übrigens gar nicht um Raumfahrt an sich, sondern um eine spezifische Mission und die Gewichtung, die da gelten sollte.

    > allenfalls die
    > Industrie ankurbeln,

    Ja, natürlich dieses "kleine Detail". Was ist schon eine ganze Industrie verglichen mit ein paar Forschungsinstituten.

    In der Tat ist der positive Effekt der Weltraumforschung - Ausbildung von technischem Fachpersonal anhand einer Aufgabe, die ihr ganzes Koennen erfordert, ein ganz wesentlicher Grund, Weltraumforschung zu betreiben.

    > und nur eventuell
    > mit ein bisschen Wissenschaft dabei -

    Das ist die Realität der Mehrzahl der Raumfahrtmissionen, bis jetzt mit recht gutem Erfolg. Allemal ist das der Fall bei einer Demonstratormission, wie die, um die es hier geht, mit gutem Grund.

    > das können wir uns wirklich sparen.

    Ich bin sicher, eine solch negative Einschätzung hat keinen Bestand nach nüchterner Betrachtung.

    Ich bin sicher, wenn man den Leuten, die gleich mal dagegen stimmen, sachlich die Situation erklärt, sind sie durchaus positiv eingestellt. Einige natürlich nicht.

  15. Jan Hattenbach kein Betreff
    13.08.2009 | 18:00

    @Markus: Das in der Wissenschaft (vor allem wenn sie mit Raumfahrt zu tun hat) der größte Teil an Geld und Zeit in Infrastruktur geht, ist mir aus eigener Erfahrung bewusst :-)

    @Michael: Mag sein, dass meine Kritik ein wenig beißend ist. Ich finde sie aber berechtigt. Bei aller Euphorie muss man eine Frage der Bevölkerung und Politik ernst nehmen und beantworten: Was bringt uns das? Leider wird Kritik an solchen Projekten häufig mit Technikfeindlichkeit in Zusammenhang gebracht. Das ist aber grundfalsch, will man Leute überzeugen und begeistern und nicht abschrecken.

    Was bringt also ein millionen- oder milliardenschweres Raumfahrtprojekt?

    Nationales Prestige - Wir waren die ersten. Das ist Schnee von vorgestern mit dem sich heute nur noch Diktaturen wie China profilieren wollen (v.a. vor ihrem eigenen Volk).

    Wir machen es, weil wir es können. Hm, gerade bei einer Mondlandemission darf man dann doch wohl fragen: Ja, und? Das können andere schon seit Jahrzehnten.

    Innovationsschub für die Wirtschaft. Da darf man aber einwenden: Warum dann Raumfahrt? Wie wäre es mit einem Innovationsschub für dringende Probleme wie Energie, Ernährung, Umweltschutz,...

    Wissenschaftlicher Erkenntnisfortschritt. Wendet man hier ein, darauf könnte man ja auch verzichten, so muss man sich fragen lassen, ob man wirklich zur ersten Generation in der Menschheitsgeschichte gehören will, denen der wissenschaftliche Fortschritt nicht mehr so wichtig war. DAS kann bei ehrlicher Betrachtung niemand wollen.

    Mein Plädoyer ist klar: Wissenschaft zuerst. Raumfahrt dient der Wissenschaft, aus diesem Dienst zieht sie ihre Existenzberechtigung. Wissenschaft ist eben NICHT das Sahnehäubchen, auf das man auch verzichten könnte. Sie ist die Frucht, die Quintessenz, der Zweck jeder Raumfahrtmission. Obwohl sie nur einen kleinen Teil der gesamten Arbeit ausmacht.

    Mag sein, dass Raumfahrtingenieure das mitunter anders sehen. Sie tun aber gut daran, diesen Aspekt nicht aus den Augen zu verlieren, wollen sie Akzeptanz in der Öffentlichkeit gewinnen und auch zukünfige Missionen von eben dieser Öffentlichkeit finanziert bekommen.

    Nebenbei: Den wissenschaftlichen Nutzen einer Mondmission halte ich für eher begrenzt, aber das ist eine persönliche Einschätzung, von der ich mich bei guten Argumenten auch trennen würde.

  16. Martin Huhn @ Khan
    13.08.2009 | 18:08

    Ich denke, mit Verstehen hat das nur wenig zu tun, warum uns Deutschen/Europäern Weltraummissionen nutzen. Die meisten wissen es nicht.

    Wenn in den Nachrichten berichtet wird, daß neue Forschungssatelliten ins All geschossen werden oder dergleichen, dann findet es viel Öffentlichkeit. Was ich so sehe hat die Raumfahrt einen sehr guten Ruf. Ich glaube, es ist eine falsche Unterstellung, unsere Gesellschaft sei so technikfeindlich. Es liegt wohl eher daran, wie so oft, daß bestimmte Gruppen bestimmen, wo die Musik spielt. Außerdem ist Technikfeindlichkeit ein schwammiger Begriff. Wenn die Leute lieber Bio Obst kaufen, heißt das noch lange nicht, daß sie technikfeindlich sind. Das Bio Obst wird dann nämlich oft in einen schicken, modernen Auto nach Hause gefahren.

    Lange Rede, kurzer Sinn. Die guten Argumente müssen mehr in die Öffentlichkeit gerückt werden. Der Thread hier ist doch schonmal was. Ich bin sicher, dann findet das Vorhaben auch eine breitere Unterstützung.

  17. Michael Khan Es geht um genau eine Mission
    13.08.2009 | 20:16

    Offenbar wird dieser Punkt (hoffentlich versehentlich) nicht zur Kenntnis genommen, daher hier noch einmal, allerdings zum letzten Mal:

    1.) Ich rede hier erst einmal nur von genau einer Mission, nämlich der ersten punktgenauen Mondlandung in schwierigem, aber wissenschaftlich und für Langzeitpräsenz interessantem Terrain.

    2.) Es geht darum, aus einer Bahngeschwindigkeit von fast 6000 km/h in einem vorher gewählten Terrain bis hinunter zur Größe eines Tennisplatzes weich zu landen, und zwar automatisch. Wer meint, das sei alles schon beherrschte Technik und damit nichts besonderes, der muss wohl über ganz andere Erfahrungen verfügen als die Experten in Europa und Amerika, die ich kenne.

    3.) Wenn man eine Technik mit vielen vollkommen neuen und frisch entwickelten Experimenten zum ersten Mal erprobt, dann steht an erster, zweiter und dritter Stelle das technische Gelingen. Wenn irgendwo noch Masse verfügbar ist, dann packt man noch einen Sensor hinzu, der die Landenavigation unterstützt, oder man fügt noch mehr Treibstoff hinzu, der zumindest ein paar Sekunden Schweben gestattet, damit vuelleicht letzte Bahnkorrekturen vorgenommen werden können. Erst, wenn man diese Möglichkeiten ausgeschöpft hat, kann man an wissenschaftliche Experimente denken. Wenige - sicherlich eine Panoramakamera, ein paar Seismometer, ein APXS, vielleicht einen kleinen Nanobot.

    Später, wenn man die Technik beherrscht, sieht das alles anders aus. Mission 2 und 3 werden kann sicher eine ganz andere Ausstattungen haben. Schlägt aber Mission 1 fehl, weil nämlich genau diese zusätzliche Redundanz fehlte, wird es Mission 2 oder 3 vielleicht gar nicht geben. Also liegt es im ureigensten Interesse auch der Wissenschaftler, bei Mission 1 etwas zurückzustecken.

    So viel zu dieser spezifischen Mission. Die Vorgehensweise die ich aufzeige, ist keineswegs etwas Neues oder Ungewöhnliches. So werden erfolgreiche Programme aufgebaut. Die gegenteilige Vorgehensweise - kein Programm, Konzentration auf wissenschaftlich hochgerüstete Einzelprojekte, bloß nie auf Ingenieure hören, egal, wie wichtig es mal wäre, auf sie zu hören - das ist ein prima Rezept für endlose Verzögerungen, Kostenexplosion und vielleicht sogar an die Wand gefahrene Projekte. Keine Theorie - alles schon erlebt.

    Was den gesamtgesellschaftlichen Wert aller Raumfahrtprojekte angeht, da habe ich bis jetzt gar keine Erklärungsnot gehabt, auch der sprichwörtliche Mann in der Aldi-Schlange, den Journalisten immer gern bemühen, hat sich durchaus von mir überzeugen lassen oder wahr zumindest bereit, meinen Worten wohlwollendes Entgegenkommen zu zeigen.

    Das, weil ich eben nicht maximalistisch die offenkundige Unwahrheit vetreten habe, dass Weltraumforschung alleine der Wissenschaft diene. Genau da hätte man mir nämlich schnell mal abgewunken und gesgt: "Also, meinetwegen braucht ihr nicht Gravitationswellen zu messen oder die chemische Zusammensetzung des Oberflächeneises auf Mars zu bestimmen".

    Was die Leute überzeugt, ist die realistische Darstellung, die Wissenschaft als einen Teil des erzielten Returns auffasst, für die aber auch nur ein Teil des geleisteten Aufwands hineingesteckt wird.

    Der wahrscheinlich größere Teil ist anderer Natur, es ist ein Mix aus Ausbildung, technologischer Erfahrungsgewinn, Öffentlichkeitsarbeit und Spin-Offs. Und natürlich auch nationales Prestige. Die Welt ist so, wie sie ist, nicht, wie sie sein sollte. Ein Standort stellt sich über seine Spitzentechnologie dar, das gilt nicht nur für Diktaturen.

    Es ist erstaunlich, dass das überhaupt diskutiert werden muss, aber natürlich ist es etwas ganz anderes, als "X-Land, der Nation, die diesen Mond-Lander gebaut hat" oder "Y-Land, dessen Technologie diese kewlen HDTV-Bilder vom Mond lieferte" wahrgenommen zu werden, anstatt als "X-Land, das die besten Mössbauer-Spektrometer der Welt baut". Das ist einfach mal so, zumindest auf dem Zweig der Realität, auf dem ich lebe.

    Wissenschaft first, als Sinn und Zweck der Raumfahrt - na, dann sollten wir doch einfach die gesamte Mars-Landetechnologie und den Rover gleich mit bei den Amerikanern einkaufen, und diese gleich von den Amerikanern zum Mars fliegen und dort betreiben lassen. Unsere Ingeniere und unsere Industrie braucht nicht zu lernen, wie man so etwas macht und betreibt. Wir bleiben damit "bei unseren Leisten" und bauen allenfalls ein paar Kameras. Das ist so viel effizienter und maximiert doch die Wissenschaft, oder?

    Na, dann machen wir das doch, hm?

    Spätestens jetzt sollte eigentlich jedem aufgehen, in welche Sackgasse man sich selbst manövriert, wenn man so vorgehen würde.

    Und deswegen wird man hoffentlich auch nie so vorgehen, im Interesse jedes Einzelnen von uns, der dann nämlich das Nachsehen hätte.

  18. Elias Kernchen @ Herr Hattenbach
    13.08.2009 | 20:43

    Niemand wird bestreiten, daß der wissenschaftliche Ertrag ein wichtiges Kriterium für ein Raumfahrtprogramm ist. Andererseits schließe ich mich der Sichtweise an, daß Wissenschaft nicht das einzige Kriterium sein kann. Zwei Argumente:

    (1) Wie in der Diskussion bereits angesprochen: Die Technik muß es hergeben. ExoMars zeigt, daß eine Mission mit höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen zum Scheitern verurteilt ist, wenn die notwendige Technik nicht vorhanden ist. Die muß erst entwickelt und getestet werden, genauso wie es die ESA mit Smart-1 und Lisa Pathfinder tut. Beim Mars glaubte man wohl, ein paar Abkürzungen nehmen zu können, und steckt jetzt tief im Schlamassel. Der wissenschaftliche Return dieser Vorgehensweise: gleich Null.

    (2) Man darf die wissenschaftliche Neugierde der Menschen nicht überschätzen. Mein Vermieter z.B. lebt sehr gut mit der Vorstellung, daß die Sterne deswegen leuchten, weil die Sonne sie anstrahlt. Einen Antrieb, es genauer wissen zu wollen, verspürt er nicht. Es wird Ihnen kaum gelingen, ihm den wissenschaftlichen Return von orbitalen Mikrowellen-, Infrarot-, oder Röntgenteleskopen zu vermitteln. Wenn Sie meinen Vermieter als Steuerzahler "abholen" oder "mitnehmen" wollen (oder wie man heute dazu sagt), dann benötigen Sie weitere Argumente. Diese können, brauchen aber nicht, rational zu sein: der generelle Nutzen von Grundlagenforschung und Entwicklung, welcher sich erst im Rückblick erschließt. Oder, um beim Thema zu bleiben, die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Raumfahrtindustrie. Vermutlich leben weitaus mehr Familien von der Raumfahrt als von der Wissenschaft, die sich die Raumfahrt zunutze macht. Schöne Weltraumbilder. Der Nervenkitzel beim Runterzählen des Countdowns. Die Kraft von zig Millionen PS die eine Rakete abheben und den Boden im Umkreis von Kilometern erzittern läßt. Der Stolz, daß man selbst (also die eigenen Landsleute) diese Leistung vollbringen. Eigentlich dasselbe Motiv weswegen im Sommer 2006 auf ungefähr jedem Auto schwarz-rot-goldene Fähnchen gehisst worden sind. Ich glaube sogar, daß die emotionalen Gründe die wichtigeren sind. Für Sie persönlich mag das nicht zutreffen, aber für sehr viele schon. Man muß das natürlich nicht gutheißen. Aber darf es nicht ignorieren, sondern man sollte es sich zunutze machen.

    Welche Position man auch immer einnimmt, wichtig ist, Raumfahrttechnik nicht gegen ihre wissenschaftliche Anwendung auszuspielen. Man sitzt im selben Boot. Und: nur weil man die Auffassung vertritt, daß der Mond wissenschaftlich wenig interessant ist (dieser Ansicht kann man sein!) und man das Geld lieber in ein anderes Projekt gesteckt sehen würde, bedeutet es nicht, daß das andere Projekt umgesetzt würde, wenn die Mondmission gestrichen wird.

  19. Markus Landgraf @ Herr Huhn
    13.08.2009 | 20:51

    Das mit der Öffentlichkeit ist so eine Sache. Ich stimme Ihnen zu, das dieser Thread schon mal eine tolle Sache ist und die Argumente (von allen Autoren) eine tolle Zusammenfassung des Sachverhalts (hier und da gibt's sicher noch etwas hinzuzufügen.

    Allerdings gibt es bei einem (sehr) begrenzen PR-Budget nicht viele Möglichkeiten. Der Standardansatz dabei ist, die journalistische Presse als Multiplikator zu verwenden. Das sieht so aus, dass man eine Pressemitteilung macht und alle Journalisten einlädt, über das Projekt zu berichten. Nun ist es aber leider so, dass man in der Presse schon eine vorgefasste Meinung über Raumfahrt hat (zählen Sie mal z.B. die Artikel über Raumfahrt, die mit den Worten "Unendliche Weiten...." beginnen)

    Die Alternative ist, im 'Grass-roots'-Ansatz die Bürger direkt anzusprechen. Das bedeutet: Infoabende, Vorträge, Tage der offenen Tür bei DLR und ESA. Leider ist das teuer und bedarf viel Engagements. Eine guten Mittelweg bietet allerdings das Internet, wie hier gerade mal wieder demonstriert wird.

    Da die Initiative für die Mondmission von Bundesregierung und DLR ausgeht, schauen wir mal, was aus der Ecke kommt. Sicher wäre ein offener Ideenwettbewerb ein guter Anfang.

    On verra. Allons-y, la lune!

  20. Martin Huhn @ Landgraf
    20.08.2009 | 11:55

    Ich weiß nicht, ob PR-Abteilungen wirklich so effektiv sind. Aber ich finde, die Öffentlichkeitsarbeit sehr wichtig und dabei darf man auch ruhig kreativ sein. Ob Wernher von Braun so erfolgreich gewesen wäre bzw. so viel Unterstützung bekommen hätte, wenn er keine Filme mit Walt Disney produziert hätte?

Artikel kommentieren
astronomie heute
szmtag