22. März 2008, 16:00
Am 19. März 2008 um 7:12 MEZ detektierte der NASA Satellit Swift eine gewaltige Explosion, die sich vor ungefähr 7,5 Milliarden Jahre (Rotverschiebung z=0,94) ereignete. Mit erstaunen erfuhr ich, dass diese Explosion für etwa 30 Sekunden mit bloßem Auge von der Erde aus zu sehen war! Die Helligkeit in dieser kurzen Zeitspanne soll etwa zwischen 5. und 6. Magnitude betragen haben. Wir können bei dunklem Himmel astronomische Objekte bis zu 6. Magnitude mit bloßem Auge sehen. Dieses Ereignis - genannt GRB080319b - ist somit das weitentfernteste Objekt des Universums welches mit bloßem Auge zu sehen war.
Wer zu diesem Zeitpunkt das Sternbild des Bärenhüters in Nord-, Mittel- und Teilen Südamerikas als auch in einigen Ländern Asiens beobachtete, kann sich möglicherweise zu den Glücklichen zählen, die dieses Objekt mit bloßem Auge gesehen haben. Es wäre sehr interessant zu erfahren, ob sich in den nächsten Tage tatsächlich Leute melden und mitteilen, dass sie dieses Objekt beobachtet haben. In Google Sky ist dieses Objekt noch nicht katalogisiert, aber unter diesem Link ist ein Himmelsausschnitt um GRB080319b zu sehen.
Bei dieser rießigen Explosion handelt sich um einen so genannten Gammastrahlen-Ausbruch (GRB). Oft geschehen diese Gammastrahlen-Ausbrüche, wenn ein massereicher Stern am Ende seines Lebens kollabiert und es werden riesige Mengen an Energie frei, vor allem in Form von hochenergetischen Gammastrahlen. Diese Energie wird in zwei Jets entgegengesetzter Richtung gebündelt. Wenn dieses Jets auf Gaswolken in der Nähe der Explosion treffen, wird dieses Gas zum Leuchten gebracht - das Nachglühen des Gammastrahlen-Ausbruchs. Was von der Erde aus zu sehen war, war dieses Nachglühen - die Nachwehen der gewaltigen Explosion.
Aufnahmen des Satelliten Swift vom Gammastrahlen-Ausbruch GRB 080319b: links im Röntgenlicht und rechts im optischen/UV Licht [1,2]. Der GRB ist in der Mitte des optischen/UV Bildes zu sehen.
Pi of the Sky - eine polnische Astronomengruppe - machte diese Aufnahme vom Nachglühen des Gammastrahlen-Ausbruch GRB 080319B [1,2,3] mit einem optischen Teleskop gelegen am Las Campanas Observatorium in Chile.
Astronomen am VLT (Very Large Teleskop) in Chile und dem Hobby-Eberly
Teleskop in Texas bestimmten erfolgreich eine Rotverschiebung z=0,94 - dies entspricht einer
Entfernung von der Erde von etwa 7,5 Milliarden Jahre - dieser Nachwehen. Astronomen weltweit beobachten seit seiner Entdeckung diesen GRB ausführlich und möglicherweise erfahren wir dann bald warum dieses Explosion so gewaltig war. Mehr Information über GRB080319b - b für 2. GRB entdeckt am 19. März 2008 - finden alle Interessierten unter diesem Link [4].
Die polnische Astronomengruppe Pi of the Sky beobachtet ständig den Himmel um Daten zu sammeln über kurze, optische astronomische Phänomene wie den Gammastrahlen-Ausbrüchen. Dieses Team konnte zeigen, dass innerhalb von 4 Minuten nach Erreichen des Helligkeitmaximums das Nachglühen des GRBs auf 11. Magnitude im Optischen abfiel. Desweiteren veröffentlichte Pi of the Sky einen kleinen Film mit Aufnahmen vor und nach dem Gammastrahlen-Ausbruchs.
Helligkeit des Nachglühen des Gammastrahlen-Ausbruchs von GRB080319b aufgetragen gegen die Zeit vor und nach der Entdeckung des GRBs durch Swift [3].
Bis zum nächsten Blog,
Euer Helmut Dannerbauer
Quellen:
[1]:NASA Press Release, 20.03.2008
[2]: NASA Image Feature, 21.03.2008
[3]: Pressemitteilung von Pi of the Sky
[4]: NASA Webpage mit Informationen zu GRB 080319b
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Entdeckungen und Methoden
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