Frühlingsbilder vom Mars
Der Mars steht uns in diesen Tagen besonders nah. Viele Teleskope
werden unseren Nachbarn wieder einmal aufs Korn nehmen, ist er doch der
einzige Planet, auf dem man auch mit kleineren Fernrohren
Oberflächendetails und deren Veränderung erkennen kann. Und Mars steckt
immer wieder voller Überraschungen. So zeigen neue Aufnahmen des Mars
Reconnaissance Orbiter der NASA im Detail, wie sich die Polkappen des
Roten Planeten im Verlauf des Mars-Frühjahres verändern.
Sommer
und Winter sind keine exlusiven Angelegenheiten der Erdbewohner. Der
Mars hat nicht nur einen ähnlich langen Tag wie die Erde (ein Marstag
ist knapp 40 Minuten länger als ein Erdentag), die Neigung seiner
Rotationsachse von 25° beschert ihm ebenfalls regelmäßige Jahreszeiten.
Besonders spannend ist die Entwicklung der Polkappen, die im
jahreszeitlichen Wechsel wachsen und schrumpfen. Das Abschmelzen seiner
Polkappen lässt sich während einer Marsopposition bereits in einem
guten Amateurteleskop verfolgen.

Der
Mars am 26. September 2003. Aufgenommen unter den besonders guten
atmosphärischen Bedingungen der Edelweißspitze in Österreich (2500
Meter Meereshöhe). Instrumente: 7" Maksutov-Newton f/8, Philips ToUcam 740k,
2,4-fach Barlow + 2-fach Barlow Aufnahme mit IR-Sperr und
IR-Passfilter, als IR-RGB-Bild zusammengesetzt. Georg Görgen,
Monschauer Sternfreude
„Abschmelzen“ ist allerdings nicht der
richtige Ausdruck. Erstens besteht das Eis auf dem Mars zu einem großen
Teil aus gefrorenem Kohlendioxid und nicht zu 100% aus Wassereis wie
auf der Erde. Zweitens ist der Atmosphärendruck auf der Marsoberfläche
weit geringer als auf unserem Heimatplaneten – der mittlere Druck
beträgt weniger als 7 Millibar, das entspricht dem Luftdruck der
Erdatmosphäre in etwa 40 Kilometern Höhe! Die Polkappen schmelzen also
nicht wie das Eis auf der Erde, sondern sie verdunsten – oder
„sublimieren“, wie der Fachmann sagt. Dabei bilden sich regelmäßig
Eiswolken in der dünnen Atmosphäre des Planeten, die ebenfalls unter
günstigen Umständen mit Amateurteleskopen sichtbar sind.
Doch
auch dieses Verdunsten läuft nicht ruhig und gesittet ab. Neue Bilder
des Mars Reconnaissance Orbiter, einer Sonde der amerikanischen
Raumfahrtbehörde NASA zeigen gewaltige Fontänen aus Wasser- und
Kohlendioxiddampf, die aus dem Boden der südlichen Eiskappe
herausschießen. Die Bilder wurden zu Beginn des südlichen Mars-Sommers
mit dem Compact Reconnaissance Imaging Spectrometer for Mars (CRISM)
aufgenommen und bestätigen die Vermutung, dass die wärmenden
Sonnenstrahlen zunächst die Eisschicht der Polkappen durchdringen und
den darunterliegenden Marsboden aufheizen. Das Kohlendioxideis an der
Unterseite der Eiskappe verdunstet, ist aber zunächst noch durch die
darüberliegenden Eisschichten gefangen. Der Druck steigt so lange bis
sich das Kohlendioxidgas seinen Weg zur Oberfläche bahnt und dort in
die Höhe schießt - ähnlich einem Geysir auf der Erde. Das expandierende
Gas kühlt sich schlagartig wieder ab und gefriert zu
Kohlendioxidschnee, der eine weit sichtbar Fontäne ausbildet.
Aufnahmen
des CRISM-Spektrometers an Bord des Mars Reconnaissance Orbiter zeigen
Fontänen aus Wasser- und Kohlendioxideis in der südlichen Polarregion
des Mars. (NASA/JPL-Caltech/JHUAPL/USGS)
Die Bilder des
CRISM-Instrumentes zeigen diesen Prozess in einer Serie von vier
Aufnahmen, die zu einem kurzen Film zusammengefügt wurden. Die
einzelnen Bilder wurden im Zeitraum zwischen der
Frühjahrs-Tag-und-Nachtgleiche und der südlichen Sommersonnenwende
aufgenommen. Das Bild auf der linken Seite zeigt die Region in
„Echtfarben“, also ungefähr so, wie sie das menschliche Auge wahrnehmen
würde. Auf der rechten Seite ist die gleiche Sequenz in Falschfarben
dargestellt. Hier korrespondiert die Farbe blau-magenta mit dem
Kohlendioxidschnee, während eine grünliche Färbung auf Wassereis
hindeutet.
Es ist beeindruckend zu verfolgen, wie jede neue
Marsmission weitere Details unseres Nachbarplaneten enthüllt. Seit der
Pathfinder-Mission vor 10 Jahren ist unser Wissen vom Roten Planeten
enorm angewachsen, und auch im Augenblick ist bereits eine neue Sonde
zum Mars unterwegs: der Phoenix-Lander, die erste Landemission, die
eine der interessanten Polarregionen ansteuert. Im September 2008 soll
Phoenix sein Ziel erreichen, spätestens dann dürfen wir uns auf neue
Überraschungen gefasst machen!
Mehr Infos: Mars Reconnaissance Orbiter Homepage





Nur eine kleine Korrektur: Phoenix erreicht den Mars bereits am 25. Mai 2008, nicht erst im Spetember.
Mehr hier:
http://phoenix.lpl.arizona.edu/
Danke für den Hinweis! Ich hatte auf das Datum ganz rechts in der Timeline geachtet, der September ist dann wohl das anvisierte Missionsende?! Gruß, Jan