kosmologs Uhura Uraniae

Revolutionär wider Willen

11. August 2010, 18:41

Vor 16 Jahren, nämlich vom 22. Juli bis 19. Oktober 1994 gab es im Berliner Planetarium an der Prenzlauer Allee eine Ausstellung über Copernicus. Anlass war damals der 450. Todestag des großen Gelehrten, der das heliozentrische Weltbild wieder ins Bewusstsein der europäischen Wissenschaft holte.

Zu dieser Ausstellung entstand ein Begleitbuch:

Gudrun Wolfschmidt [Hrsg]:

Nicolaus Copernicus (1473 - 1543), Revolutionär wider Willen, GNT-Verlag, Stuttgart, 1994 

Die Herausgeberin, Gudrun Wolfschmidt, beschreibt auf den ersten 60 Seiten die Geschichte des Weltbildes seit der Antike, stellt antike Heliozentriker vor und gibt die subtilen Unterschiede zahlreicher geozentrischer Weltbilder an.

In den Teilen II, III und IV des Buches wird der Renaissance-Gelehrte von einem Team kompetenter Autoren ausführlich aus verschiedenen Richtungen beleuchtet: Man kontextuiert ihn in seiner Zeit, schildert seine Biographie und beleuchtet retrospektiv seine Wirkung auf die unmittelbare Nachwelt. Teil V ist der Ausstellungskatalog selbst.

Interessant an dem Buch ist aber nicht nur die interssante Zusammenstellung und gute Ordnung der historischen Modelle, sondern vor allem auch der Titel!

Den Untertitel "Revolutionär wider Willen" glaubt die Herausgeberin selbst eigens für dieses Buch ausgedacht zu haben. Mittlerweile ist er allerdings zu einem "stehenden Begriff" geworden.

Es ist gerade zwei Jahre her, dass die Max-Planck-Biographie von Dieter Hoffmann (MPIWG) mit dem gleichen Untertitel erschien. Prompt war dieses Büchlein in der Beck'schen Reihe erschienen und vom Spektrum-Verlag mit einem Sonderheft begleitet, wurde der Begriff im Darwin-Jahr 2009 für den berühmten Entdecker der "Entstehung der Arten" gebraucht. Es scheint ein wirklich gern genutzter Begriff zu sein: Womöglich liegt es in der Natur von Wissenschaftlern, zwar nach Erkenntnis zu streben und nach dem bestmöglich-treffenden Modell für irgendeine wissenschaftliche Welt, nicht aber nach Revolution. Ich meine, selbst große Skeptiker unter uns, die erstmal fast alles bezweifeln, sind ja nicht mürrische Revoluzzer, sondern wollen lediglich sicher gehen, keinen Fehler zu machen und hinterfragen daher alles sehr gründlich. Ich denke, das ist gesund für die Wissenschaften.

Die meisten wissenschaftlichen Revolutionäre sind wohl nicht mit dem Ziel angetreten, die Welt(bilder) zu revolutionieren. Man geht einfach seiner Neugier nach und stellt ein paar Dinge fest und wenn es der Zufall will, dann sind einige der Erkenntnisse hinreichend grundlegend oder tiefgreifend, dass die HistorikerInnen einen später einen "Revolutionär" nennen. Die konkrete Absicht der/des einzelnen ist das sicher nicht.   



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Raketen und Visionen - eine Rückschau auf die Zukunft

24. Juli 2010, 21:41

Es ist mal wieder Urlaubszeit und alle Welt verschickt Postkarten und Briefe. Bei der Gelegenheit möchte ich Ihnen zwei Bücher und einen Film empfehlen und nach deren Rezeption die vorsichtige Frage stellen: Warum bezahlen wir eigentlich so viel Porto bei der Post? :-)

Gerade habe ich mal wieder das Buch beim Wickel:
Hermann Oberth: Wege zur Raumschiffahrt, aus dem Jahre 1929
Ein Reprint ist 1986 im VDI-Verlag als "Klassiker der Technik" erschienen.

Nachdem im Jahre 1923 sein Buch "Die Rakete zu den Planetenräumen" noch mit dem Argument "zu utopisch" von den Doktorvätern abgelehnt wurde, verkaufte sie sich als Bestseller auf dem populären Büchermarkt. Wen wundert's: Es waren die "goldenen 20er", in denen Max Valier Raketenschlittschuhe für Winterabenteuer auf dem Chiemsee ersann und Raketen-Fritz von Opel mit einem Raketenauto über die Berliner Avus düste.

Des Stoffs von Oberths Ingenieursarbeit nahm sich die dänisch-stämmige Schriftstellerin Thea von Harbou an: Sie schrieb daraus den Roman "Frau im Mond", den ihr Ehemann, der berühmte Filmregisseur Fritz Lang, 1928 verfilmte. Der Stummfilm, der schon damals mit 3 Stunden Dauer Überlänge hatte, füllte die Kinos in Deutschland und wurde sofort weltberühmt. Oberth hat diesen Film beraten, er war die ganze Zeit am Set und passte auf, dass der Mondflug mit all seinen technischen Finessen und den Auswirkungen auf den Menschen so realistisch dargestellt wurde, wie er es sich damals ausmalen konnte. - Die wichtigen Raketentests, die Oberth machen konnte, waren aus dem Werbemittel-Etat der UFA finanziert, denn die Produktionsfirma wollte zur Filmpremiere einen spektakulären Raketenstart sehen. - Genial! Ein Film, der Technikgeschichte schreibt!

Fritz Lang hat mit Blick auf die Dramaturgie für die Zuschauer seines Films den CountDown erfunden, Oberth hat alle seine Modelle und Ideen vorgeführt und Thea von Harbou das ganze mit einer Prise Phantasie gewürzt (sie dichtet der Mondrückseite eine Atmosphäre an, den dortigen Bergen große Goldvorkommen und spinnt eine Liebesgeschichte als Rahmenhandlung).

Der Film zeigt quasi (mit Trick und Schauspielkunst) der Weltöffentlichkeit die Ideen, die zur Ablehnung von Oberths Arbeiten in der Wissenschaft führten. Er beflügelte aber Raketenpioniere und Politiker weltweit dermaßen, dass bei Oberths Tod im Jahre 1989 fast alle Punkte seines angeblich "zu utopischen" Ausblicks Realität waren.

[Der Film ist von der Friedrich-Murnau-Stiftung aufwändig restauriert worden und erstrahlt mithin auch moderner Projektionstechnik wie neu.]

In Dankbarkeit widmete Oberth dem Künstler-Ehepaar von Harbou und Lang sein nächstes Buch: Wege zur Raumschiffahrt von 1929. In diesem Buch beschreibt er nochmals aktualisiert, was er schon in seiner ersten Arbeit im letzten Kapitel andeutete:

Den Nutzen, den eine Rakete haben könnte, wenn man sie doch nur endlich bauen würde. Eine seiner Ideen war damals, man könnte damit die interkontinenale Post schneller befördern.

Die Postrakete

So liest man auf S. 270 f. eine wunderschöne Überschlagsrechnung: Eine Rakete, so meint er, sei in "einer halben Stunde von Berlin nach Neuyork" gefolgen. Man könne auf ca 10 km genau sagen, wo so einschlägt, müsse also nur vorher die Wetterdaten (Windrichtung und -stärke) über den Atlantik telegrafieren und dann die gewasserte Rakete mit einem Boot oder Wasserflugzeug abholen.

"Ich rechne mit einer Nutzlast von 30 kg und einem Landungsgewicht von nicht ganz 60 kg", behauptet er und stellt dann fest, dass die Autoren Gail und Valier Recht hätten wenn sie meinten "ein Normalbrief werde weniger kosten als 50 Mark (...). 20 Pfennige sind tatsächlich weniger als 50 Mark."

Also, Herr Oberth, habe ich Sie richtig verstanden: 20 Pfennige (Weimarer Republik vor der Wirtschaftskrise) für einen Normalbrief, der mit einer Rakete innerhalb von 30 Minuten von Berlin nach New York befördert wird, d.h. wahrscheinlich ungefähr 5 bis 10 Euro-Cent?

Da frage ich mich doch allen Ernstes, warum ich exakt 80 Jahre nach Veröffentlichungen dieses Buches für einen Normbrief nach Sibirien ca 25 Euro (!) und mehr bezahlen soll, damit er binnen einer Woche ankommt. ... Und das, obwohl inzwischen der Computer erfunden und miniaturisiert wurde und bereits vor einundvierzig Jahren echte Menschen auf dem Mond gelandet worden sind: das ist ja noch viel weiter.   

Wink


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ASL 2010 hat noch freie Plätze!!!

11. Juli 2010, 17:30

Das Astronomische Sommerlager 2010 richtet sich an eine junge Klientel: 14 bis 25jährige Teilis werden von einem frischen Team engagierter und hyperaktiver Studis betreut. Wenn Du noch nicht angemeldet bist: Nix wie los!

Es erwarten Dich jede Menge Astronomie in all ihren Sparten (Physik, Mathe, Chemie, Geowissenschaften, Geschichte, Kunst und Kultur...), zwei Wochen volles Programm mit ca 50 Gleichgesinnten aus dem gesamten deutschen Sprachraum (.de, .at, .ch).

Du erlebst zwei fünftägige Kurse Deiner Wahl, einen Tagesausflug, zahlreiche versierte Gastreferenten, Astro-Profis und Hobby-Spechtler, nächtliches Sternegucken mit und ohne Teleskop sowie jede Menge Spiel & Spaß!

Zwei Wochen lang die Nächte durch machen - wenn Du willst. Zwei Wochen über Teleskopen und/ oder Büchern mit anderen das Universum diskutieren. ...

Zwei Wochen, die Dein Leben verändern werden!

Das ASL'10 findet statt

vom Sa, 24.7. bis Sa, 07.08. 2010 

im thüringischen Schnett, denn da isses nett ;-)

Die Unterbringung erfolgt auf Wunsch in der Jugendherberge oder im Zelt (Preis verschieden, für VdS-Mitglieder um 20 Euro ermäßigt).

14 Tage Übernachtung, Vollpension und volles Programm nur 380/ 320 Euro!

  Nähere Infos: www.vega-astro.de/sommerlager

(Anmeldung bitte direkt bei den Organisatoren und schnellstmöglich, Anmeldung per E-Mail ist möglich)

(Bilder vom ITV 2010, aber beim ASL sieht's ähnlich aus)

(Bilder aufgenommen von Jürgen Riemer, Mai 2010)



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3D Planeten-Puzzle, viele Teleskope, Eratosthenes-Glühen und ein Sonnenfleck...

24. Mai 2010, 20:53

... so oder so ähnlich könnte man ein Schüler-Praktikum bei der VEGA überschreiben. Gerade als ich in Sibirien war, erreichte mich die Anfrage einer verzweifelten Schülerin auf der Suche nach einem Praktikumplatz. Nach einigem Zögern habe ich zugesagt. Aber wie beschäftige ich zwei Wochen lang einen 15jährigen Astronomiefreak, dem ich den Spaß an der Sache nicht rauben will und möglichst viele Perspektiven aufzeigen will, wenn doch aber ein erheblicher Anteil meiner Arbeit - und insbesondere alle Arbeit für die VEGA - Verwaltung und Organisatorisches ist (mal wieder eine der dreijährlichen Steuererklärungen, eine Projektabrechnung, Koordination von Mitarbeitern und deren verschiedenen Projekten, Sondierungsverhandlungen für neue Projekte...). Ich dachte an mein eigenes Schülerpraktikum in einem Großplanetarium und daran, was ich gut fand und was nicht - im Grunde kann man fast alles aufnehmen, macht auch gerne mal eine Verwaltungsarbeit, wenn man dafür auch ein bißchen Zeit hat, was eigenes zu lernen oder zu "erforschen" - z.B. ein eigenes Projekt zu machen oder so. (weiter)

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Explorative Experimente

09. Mai 2010, 12:22

Diese Woche habe ich meinen Studierenden mal wieder ein Buch empfohlen, das ich hier auch kurz vorstellen möchte, obgleich es nichts mit Astronomie zu tun hat. Aber mit Physik! Und wer an der Kulturgeschichte unserer Wissenschaft(en) interessiert ist, wird es vermutlich genauso lieben wie ich:

Friedrich Steinle: Explorative Experimente, Steiner Verlag, 2005

Das Buch "spielt" hauptsächlich im 19. Jahrhundert. Es geht um die Anfänge der physikalischen Forschungen zur Elektrizität.  Entsprechend lautet der Untertitel: Ampère, Faraday und die Ursprünge der Elektrodynamik. (weiter)

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Schwarze Löcher sind nicht immer "kompakt"

02. Mai 2010, 23:10

... sonst würden sie wahrscheinlich "Kompakte Löcher" heißen, eine in sich ziemlich widersprüchliche Bezeichnung (entweder kompakt oder Loch=Nixdrinsein). Sie sind "schwarz", d.h. es kann von ihnen kein Licht nach außen dringen. Die Schwarzloch-Bedingung ist also: betrachte einen Körper (ideal kugelförmig, wie sich das für ein Objekt im Weltall gehört), an dessen "Oberfläche" die Fluchtgeschwindigkeit v = c der Vakuumlichtgeschwindigkeit ist. (weiter)

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Sand - Sonne - Sahara

30. April 2010, 08:49

Sahara ... das arabische Wort für die trockene Sandwüste. Aus dem Weltraum sieht man eine große beigefarbene Fläche im Norden des Kontinents, den wir Afrika nennen. Doch bei genauerer Betrachtung sieht man Details: Sand ist nicht gleich Sand. Die aktuelle Mars- und andere Planetenforschung weiß nur zu gut, was es alles für verschiedene mineralogische Kompositionen gibt. Meine muslimischen Kollegen und ich haben hier mal eine kleine Sammlung zusammengestellt: (weiter)

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SuW-Titelbild - und Updates

21. April 2010, 01:13

Ein neues Juwel am Astro-Bilderhimmel ist das neue Himmelspanorama von Axel Mellinger, das Ende des vergangenen Jahres komplettiert veröffentlicht wurde. Heute war die frischeste SuW-Ausgabe in einem meiner Briefkästen. Titelbild - Kenn' wa doch! sogar doppelt!

Es zeigt die Simulation eines Schwarzen Lochs vor der Milchstraße. Man sieht daran sehr schön, wie das Licht abgelenkt wird, d.h. aufgrund der hohen Sterndichte, wo welcher Lichtstrahl hinprojiziert wird: eine sehr anschauliche und korrekt gerechnete Simulation der Lichtablenkung und Bildverzerrung in Gravitationspotentialen. (weiter)

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007 - Notes from Russia II

11. April 2010, 13:40

"Hallo Sanne, was hältst Du eigentlich von der Hawking-Strahlung?" - So oder so ähnlich beginnen Gespräche bei unseren Projekten - und zwar egal, in welcher Sprache. Hier ist es eine Mixtur aus deutsch, russisch, englisch und Mathe. :-) Physik und Mathematik sind international, man kann sich also mit allen Menschen der Welt in mathematischen Formeln und über Naturgesetze unterhalten und selbst, falls Vokabeln der Verbalsprachen fehlen, dann lassen sich durch einfache Skizzen oder mathematische Formeln Verständigungsschwierigkeiten leicht umgehen. Cool  (weiter)

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007 - Notes From Russia, Teil 1

02. April 2010, 19:57

In Deutschland wird es Fruehling, aber ich reise zunaechst in den Winter: Nach der Sonnenfinsternis 2008 haben wir ein Austauschprogramm entwickelt und wollen nun moeglichst oefter nach Sibirien. Das Land ist besser als sein Ruf bei manchen Deutschen - insbesondere der alten Generation(en).

Als Reiseleiterin kann ich diese Tour nicht allein bestreiten, weil ich kein Russisch spreche. Ich dokumentiere also die Reise hier und moechte fuer interessierte junge Leute festhalten, was man hier erleben kann. Es ist das erste Projekt in dieser Form und wir wuerden aehnliche Kooperationen gerne intensivieren. (weiter)

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O-Stern!

31. März 2010, 19:30

Wann feiern wir eigentlich Ostern? - AstronomInnen sollten die Antwort kennen. Trotzdem geht in Deutschland das Gerücht um, dass man Ostern in Russland zeitversetzt zu uns feiert, also später. Warum das Quatsch ist, will ich hier kurz notieren.

Argument I: Schließlich feiern die orthodoxen Christen auch das Weihnachtsfest später als wir. Der Trugschluss ist daraus, dass der russisch-orthodoxe Kalender gegenüber unserem verschoben sei. - Das ist nicht der Fall! Weihnachten feiern die Russen am 7. Januar, nämlich sinngemäß nach der Ankunft der drei Weisen (persischen Priesterastrologen), was wir am Vortrag das Fest der Hl. drei Könige nennen. Eigentlich ist also völlig bibelkonform, die Geburt Christi Anfang Januar zu feiern und das wirkt sich auf Ostern überhaupt nicht aus. (weiter)

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Brillenoptik - oder: Analytisches Sehen mit einem "Visor" des 21. Jh.

16. März 2010, 11:06

Ich nehme jetzt Sternspektren mit meiner Brille. :-) Glauben Sie nicht?! Ehrlich! Wie das kommt, lesen Sie hier. Eigentlich eine Geschichte, was meine Augen alles nicht können - obgleich sie als sagenhaft lichtempfindlich gelten (Jupiters Geist = NGC 3242, habe ich schon aus Berliner Randbezirken naked eye gesehen).

Geordie LaForge, der blinde Chefingenieur der USS Picard-Enterprise ist bekannt für seinen Visor. Mit diesem Instrument (ein umfunktionierter Haarreifen) sieht der Blinde mehr als die anderen: ein uraltes Bild, das hier in der Science Fiction aufgegriffen wurde und aus dem Bereich der Metaphysik und des Wundersamen in die technische Realität des erträumten 22. Jahrhunderts geholt wurde.

Nachdem mein Blog den Namen des afrikanischen Kommunikationsoffiziers der Kirk-Enterprise beinhaltet (Nyota Uhura), kann ich wohl kaum leugnen, dass ich irgendwie auch ein Trekky bin, zumindest ein bißchen: jargon-gesprochen grüße und lebe ich (weitgehend) vulkanisch - nicht aus proklamiertem Nacheiferungsdrang, sondern weil ich einfach so bin. Darum zückte meine linke Augenbraue kürzlich gewaltig (d.i., was Vulkanier tun, wenn Menschen einfach lächeln oder lachen), als ein Freund meine neue Brille einen Visor nannte:

Faszinierend! ... dieser Vergleich. (weiter)

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Hamburg

05. März 2010, 00:30

Ein paar Worte zur Astronomie in der Stadt an der Elbe, in der ich mich jüngst mit Carolin Liefke nur kurz überschnitt.  @Caro: hier vermisst man Dich, trotzdem herzlichen Glückwunsch für Dein neues Leben!



Astronomie als Physik & Mathematik, als Kulisse und als Kulturprogramm: (weiter)

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Von der Wissenschaftskommunikation zur Wissenschaft

04. März 2010, 08:26

Hamburg - das Tor zur Welt. So sagt man zumindest! Und in der Tat: Kaum hatte ich mich in der Hansestadt eingenistet, schon muss ich wieder weg: So ist das als Freiberuflerin: egal, wo ich bin - ich bin nie wirklich lange da. Nun aber lockt mich wieder ein neuer Auftrag fort: Nach 13 Jahren als Freiberuflerin in der  Wissenschaftskommunikation, darf ich nun endlich direkt in der Wissenschaft arbeiten, anstatt meine wissenschaftliche Arbeit durch freiberufliche Tätigkeit zu finanzieren. (Ok, ein bißchen Lehre ist auch dabei, aber das ist hoffentlich verkraftbar.) Ich gebe ja gerne zu, dass mir die Wissenschaftskommunikation auch irgendwie Spaß macht, denn ich bin sehr gerne kreativ und gerne für andere Menschen da - andernfalls hätte ich es auch gar nicht im gegebenen Maße und großteils ehrenamtlich durchgehalten. Aber wenn ich ehrlich bin, ist und war diese Arbeit für mich auch stets hauptsächlich "Mittel zum Zweck": Finanzierung von Führerschein, Abitur, Studium und Promotion.

Jetzt geht's erstmal über Deidesheim (Bloggertreffen) nach Berlin, dann nach Hildesheim, dann nach Sibirien ... Ich werde darüber berichten. Smile

Ab April oder Mai bin ich dann wieder längerfristig in Deutschland, wie es aussieht - aber ich bleibe wohl Kosmopolit aus Berufung. Wink



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Die Spur des Sputnik

11. Februar 2010, 12:21

Hiermit eröffne ich eine neue Rubrik: "Bücher zur Kulturgeschichte der Astronomie".

Die Spur des SputniksRelativ frisch auf dem Büchermarkt ist ein sehr gutes Buch zur Raumfahrt-Kulturgeschichte. Die Herausgeber Igor J. Polianski und Matthias Schwartz: der erste Akademischer Rat am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Ulm; der zweite wissenschaftlicher Mitarbeiter am Osteuropa-Institut für Allg. und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin.

Entsprechend schreibt das 349seitige Buch eine Geschichte, die den Start des ersten künstlichen Erdtrabanten in die Geschichte des Kommunismus und des Kalten Krieges kontextuiert. Ein buntes Autorenkonglomerat wird hier in weißem Einband gebunden und so illuster ist folglich der Inhalt des Buchs: Jede Autorin und jeder Autor - allesamt Fachleute auf ihrem jeweiligen Gebiet - erzählt eine andere Kulturgeschichte des Sputnik. (weiter)

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Der Kosmos als Programm

11. Februar 2010, 00:26

Danke für die Nachfrage meines Lesers "Peter" nach Literatur zum Thema. Die Frage nehme ich als Anlass für zweierlei Maßnahmen:

Erstens würde ich selbst gerne so eine "Kulturgeschichte der Astronomie" schreiben (aber das wäre ein Lebenswerk, wenn man es gründlich tun will) und habe mir daher vorgenommen, dies jetzt tatsächlich hier in diesem Blog zu tun. Ich probiere mittelfristig eine Reihe zu dem Thema durchzuhalten, nehme mir aber das Recht heraus, diese unregelmäßig zu gestalten.

Ich bin dabei auch gespannt auf das Feedback von Ihnen, meinen Lesern, denn man kann schließlich nicht für alles gleichermaßen kompetent sein: Jeder Historiker und jede Historikerin hat Steckenpferde in bestimmten Epochen und andere Epochen, in denen er/ sie weniger versiert ist. So habe auch ich "nur" einen gewissen Überblick. - Immerhin, denn diesen versuche ich konsequent zu vertiefen. Vielleicht helfen Sie mir dabei. :-)

Bisher wagte ich es nicht (*), und zwar aus folgendem Grund: Bei den klassischen Größen auf diesem Gebiet der umfassenden Zusammenschauen sieht man immer wieder, dass ein wunderschönes großes Bild gezeichnet wird, jedoch im Detail Ungenauigkeiten blühen. Ich meine hier die wirklich großen Leute, die sich den "Kosmos", also die große "Ordnung & Schönheit" als Programm gesetzt haben: zum einen ist das Alexander von Humboldt mit seinen Kosmos-Vorlesungen (erhältlich als Buch) an der Berliner Singakademie. Gemeinsam mit seinem Bruder, dem preußischen Ministers und Hochschulreformators Wilhelm von Humboldt gründete er eine Universität. Die Humboldt-Universität wird übrigens dieses Jahr ihren 200sten Geburtstag feiern. Zum Zweiten ist da das "20. Jh-Revival" der Humboldtschen Kosmos-Vorlesung: der US-amerikanische "Cosmos" (Buch und TV-Serie) von Carl Sagan

Beide Autoren sind gewiss bewundernswert für ihr jeweils umfassendes Programm und Lebenswerk. - Gewiss haben sie viele Menschen von Astronomie und unserem schönen Universum als Ganzem begeistert. Ich selbst bin zwar nicht durch sie zur Astronomie gekommen, weiß das aber von vielen und war stets hingerissen von beider Bestreben, die Welt als Ganzes zu sehen und zu verstehen.

 

Zweitens möchte ich beginnen, hier einige gute Bücher zum Thema vorzustellen. Man wird schließlich auf dem Markt überschwemmt von Literatur, doch nicht alles ist von wissenschaftlicher Sicht haltbar.

Wie schwierig das ist, zeige ich gleich an dem ersten Beispiel, das ich noch heute online stellen werde: Es beleuchtet nur einen winzigen Teil des gewaltigen Programms von kulturgeschichtlichen Darstellungen und zeigt doch anhand des breiten Autorenspektrums die Unermeßlichkeit des Programms.  

 


 

(*) Eines meiner Lieblingszitate wird Seneca zugeschrieben:

"Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig."

Diesen Rat gebe ich an dieser Stelle wohl am besten auch mir selbst.  



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... et Orbi - Die (eine) Welt ist nicht genug*

29. Dezember 2009, 13:44

Astronomie ist (u.a.) eine Wissenschaft von Weltbildern. Weltbilder sind zu jeder Zeit und in jeder Kultur von Menschen geschaffen worden, damit wir uns als Menschheit in den Kosmos einordnen können. Sie sind also von Menschen und für Menschen geschaffen und in jedem Fall sind sie vereinfachende Modelle, wie die Welt funktionieren und aussehen könnte. Modelle reduzieren jedoch zur Übersichtlichkeit die Realität auf etwas Anschaubares: "Wichtige Eigenschaften von Modellen sind Miniaturisierung, Abstraktion, Symbolisierung und intellektuelle Effektivität. Modelle ermöglichen es, ein Niveau der Realität zu erfassen, das for die Sinne nicht erreichbar ist. Modelle erlauben dem Betrachter, auf eine ihm unerreichbare Realität einzuwirken, diese zu studieren oder zu verstehen, auch zu kommentieren, indem er sich einer Vermittlung bedient. Ein Modell kann ein dreidimensionales Objekt, eine Zeichnung, eine Aussage oder ein Begriff sein." S. 13 weiter: "Ein Erdglobus ist eine Aussage und ein Begriff, wenn man z. B. sagt "Die Erde hat Kugelgestalt". Sowohl die Karte als auch der Globus sind materielle Modelle, aber sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Reichweite und Wirkung."' ... "... Netzwerk kultureller Bezüge, gesellschaftlicher Verhaltensweisen und wissenschaftlicher Verfahren ... " schrieb Christian Jacob 2002 in der Zeitschrift Globusfreund. [1a]  (weiter)

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275 Unterschriften für "Astronomie in die Schulen"

12. November 2009, 21:38

275 exponierte Personen - teilweise Vertretungen großer Gruppen - wenden sich heute in einem offenen Brief an die Kultusbehörden und Parlamente: Download: Offener_Brief_an_Bund_und_Laender.pdf Die Initiatoren proklamieren dies als einen Höhepunkt der augenblicklichen Woche der Schulastronomie (9. bis 15. November, siehe: www.astronomie2009.de).

Das Anliegen: Astronomie in die Curricula der Schulen!  (weiter)

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"Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt"

09. November 2009, 10:10

Das obige Zitat Ernst Reuters von 1948 geht heute mal wieder in Erfüllung. Es ist m.E. der Satz des Tages! Wegen des ungewöhnlich zahlreichen hohen Staatsbesuchs habe ich heute von der StaBi zur TU fast eine Stunde gebraucht, obwohl ich die Strecke normalerweise (& bei gutem Wetter) mit dem Rad in guten 15 min zurücklege.

Als ich heute morgen das Radio eingeschaltet habe, war das erste, das ich bei BBC hörte ein trabifahrender Berliner, der über die "Mauer in den Köpfen" interviewt wurde. Bereits seit einigen Tagen habe ich oft Reportagen und Berichte gehört, die über Berlin, das Brandenburger Tor und das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen berichteten: eben das ganze breite Spektrum der DDR, die Pros und Con's des sozialistischen dt. Staates und der Wiedervereinigung. (weiter)

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alte Astronomie

05. November 2009, 09:47

2009 - wir schreiben das Internationale Jahr der Astronomie. Warum? ... "weil vor genau 2222 Jahren Eratosthenes von Kyrene seine Catasterismen veröffentlicht hat." Das ist zumindest die Begründung, die sich der Althistoriker Klaus Geus von der IAU gewünscht hätte. Professor Geus, Freie Universität Berlin, ist spätestens seit seiner Habilitationsschrift als versierter Kenner des antiken Universalgelehrten bekannt. Zusammen mit Pamias veröffentlichte er eine kommentierte Übersetzung des genannten eratosthenischen Werks, in dem der antike Dichter, Mathematiker, Astronom, Geograph und Bibliothekar (von Alexandria) die "Gestirnungen" verbal vorträgt und also sternbilderweise die Mythen und Anzahl der zugehörigen Sterne nennt. (weiter)

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astronomie heute
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