kosmologs Uhura Uraniae

... et Orbi - Die (eine) Welt ist nicht genug*

29. Dezember 2009, 13:44

Astronomie ist (u.a.) eine Wissenschaft von Weltbildern. Weltbilder sind zu jeder Zeit und in jeder Kultur von Menschen geschaffen worden, damit wir uns als Menschheit in den Kosmos einordnen können. Sie sind also von Menschen und für Menschen geschaffen und in jedem Fall sind sie vereinfachende Modelle, wie die Welt funktionieren und aussehen könnte. Modelle reduzieren jedoch zur Übersichtlichkeit die Realität auf etwas Anschaubares: "Wichtige Eigenschaften von Modellen sind Miniaturisierung, Abstraktion, Symbolisierung und intellektuelle Effektivität. Modelle ermöglichen es, ein Niveau der Realität zu erfassen, das for die Sinne nicht erreichbar ist. Modelle erlauben dem Betrachter, auf eine ihm unerreichbare Realität einzuwirken, diese zu studieren oder zu verstehen, auch zu kommentieren, indem er sich einer Vermittlung bedient. Ein Modell kann ein dreidimensionales Objekt, eine Zeichnung, eine Aussage oder ein Begriff sein." S. 13 weiter: "Ein Erdglobus ist eine Aussage und ein Begriff, wenn man z. B. sagt "Die Erde hat Kugelgestalt". Sowohl die Karte als auch der Globus sind materielle Modelle, aber sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Reichweite und Wirkung."' ... "... Netzwerk kultureller Bezüge, gesellschaftlicher Verhaltensweisen und wissenschaftlicher Verfahren ... " schrieb Christian Jacob 2002 in der Zeitschrift Globusfreund. [1a]

Ich versuche hier mal eine lange historischer Geschichte in eine der Nussschalen zu packen, die nach Weihnachten übrig geblieben sind. Bereits als Teenager hatte ich einmal einen wunderbaren Traum von einem Weihnachtsbaum, der mit Globen verschiedener Planeten statt mit kitschigen Christkindl-Kugeln & Lametta dekoriert ist. (soweit zum Thema "wie feiern Astronomen ...")
  Natürlich kann dies nie vollständig sein, darum bin ich für Ergänzungen/ Hinweise, gern auch auf Literatur stets dankbar.

 

Antike: erste Karten

Die Erdkugel als Zentrum einer Himmelskugel wurde bereits in der Antike gedacht. Die Darstellung Homers (um 800 v.Chr) lässt noch nicht darauf schließen, sondern kann nur mit einer flachen Erde gedeutet werden. Spätestens den Pythagoräern wird jedoch der Glaube an eine Kugelerde um 600 v.Chr zugeschrieben, da sie bei Mondfinsternisbeobachtungen stets einen kreisförmigen Erdschatten sahen, unabhängig von der Konstellation (Uhrzeit, also geometrische Lage von Erde und Mond) der Finsternis. 

Als Vater der Geographie wird in der Antike oft Herodot (ca 450 v.Chr) genannt, die ersten Sternbilderverzeichnisse werden Anaximander (um 600 v.Chr.) oder dem Dichter Aratos (um 300 v.Chr) zugeschrieben. In jedem Fall sind uns keine bildlichen Darstellungen überliefert, sondern nur Texte in lyrischer oder prosaischer Form. Von Eudoxos von Knidos (um 400 v.Chr) wird berichtet, dass er einen Himmelsglobus gehabt habe; Erdgloben sind allerdings laut mehreren Büchern erst seit 150 v. Chr. bekannt. Über Sokrates schreibt Aristophanes in "Die Wolken" 423 v.Chr., dass einer seiner Schüler einem Neuling einen Himmelsglobus und eine Weltkarte vorführt. [besteht hier evtl Klärungs/ Forschungsbedarf?]

Der älteste erhaltene Himmelsglobus ist der Atlas Farnese (s.Abb.) aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Allerdings gehe ich davon aus, dass auch zu früherer Zeit schon Karten und Globen erstellt wurden. Ich persönlich vermute, dass Darstellungen des Himmels sogar früher angefertigt wurden, als Darstellungen der Erde - einfach deshalb, weil man die Ansicht des Himmels nur geduldig abzeichnen muss, während man die Erde damals noch nicht von außen betrachten konnte. Darstellungen von Landkarten haben daher in ihrer frühesten Form oft strikt geometrische Strukturen (Sizilien, Afrika als Dreieck, das Kaspische Meer als Kreis usw.). Darstellungen der Erde (bzw der Oikumene, der menschenbewohnten Welt) oder von Städten werden oft durch Kreise gesäumt. [9]

Eine der frühesten Karten des Himmels und auch Karten der Oikumene finden wir bei Eratosthenes (250 v.Chr), der bereits die Größe der Erde korrekt vermaß [8]. Seine Landkarte wirkt jedoch noch fingiert, aber deutlich besser als die schematische Version des Krates von Mallos (2. Jh v Chr). Es war zu jener Zeit offenbar modisch, das Land mit simplen (perfekten) Geometrien zu symbolisieren: So ist Sizilien ein Dreieck, das Kaspische Meer ein Kreis und die Westküste Afrikas ein perfekt gerader Strich. Schon wenige Jahrhunderte später bei Ptolemaios finden wir aber eine Erdkarte, bei der (vielleicht) bereits mathematische Projektionsverfahren eingesetzt wurden.

Abb.: Erdkarte nach Eratosthenes 

Himmelskarten nach Eratosthenes, 

Beschreibungen: siehe früherer Post in diesem Blog.

Abb.: Weltkarte nach Ptolemaios 

Mittelalter und Renaissance

Im Mittelalter lohnt sich gewiss eine vergleichende Studie von islamischen und christlichen Landkarten. Beide Kulturkreise haben die Kartographie in diesem Zeitraum nicht wesentlich weiterentwickelt; es ging hauptsächlich um Karten zur Orientierung, d. h. es kam darauf an, die Lage der Städte zueinander (Himmelsrichtungen), nicht ihre Abstände korrekt abzubilden.

Die Sternkarten wurde hauptsächlich in der islamischen Welt tradiert, während die Scholastik auf derartiges verzichtete, sondern nur unorientierte Schmuckbilder wie Kalenderblättchen herausgab:"antikischen Sternbilder haben keine Sterne [in den Karten]! Der Leser muss Anzahl und Position aus dem über den Bildern stehenden Text entnehmen und sie ins Bild hineinprojizieren. Merkwürdigerweise ist diese Sternzählung von der Leidener Aratea auch verschieden: hier hat Orion 35, dort 17, hier der Hase 13, dort 17 Sterne. ..." [7, siehe Cepheus-Darstellung aus einer karolingischen Handschrift @ Abb. links]

Unter den Arabern nahm es as-Sufi hier genauer: Es gibt seit der Antike Himmelsdarstellungen in dreidimensionalen und zweidimensionalen Darstellungen, also als Globus und als planare Karte. Auch beide Richtungen der Darstellung: Kugelinnendarstellung und Kugelaußendarstellung, d.h. spiegelverkehrt zur tatsächlichen Wahrnehmung am Himmel und auch diese seitenrichtig abbildend, waren stets verbreitet. Erstmalig beide Varianten einander gegenüber gestellt, hat der islamische Gelehrte as-Sufi im 10. Jahrhundert. Seine Kopisten in allen abrahamitischen Religionen erkannten jedoch nicht die Bedeutung dieser stets doppelten Darstellungen und kopierten nur jeweils eine, oft jedoch wahllos, unsystematisch. [6]

 Abb.: links: Adler bei as-Sufi, rechts: Leier bei as-Sufi, die zur Amphore umgedeutet wurde.

Da die Araber gelten nicht zu Unrecht im Mittelalter als die zentrale Brücke des Wissenstransfers: Sie waren sowohl zeitlich als auch räumlich das wichtigste Medium zum Wissenstransfer: d.h. einerseits konservierten sie als einzige das antike europäische Wissen bis zu dessen Wiederentdeckung im europäischen Mittelalter. Andererseits waren sie durch ihre ausgeprägten Handelsrouten Botschafter dieses Wissens in ganz Nordafrika und auf der iberischen Halbinsel sowie auch andererseits über die Seidenstraße quer durch Asien bis hin nach China. In Peking gibt es große Armillarsphären, deren epistemische Verbindung zu euro-arabischen Welt unklar ist. Ob die Idee hier unabhängig entstand oder doch ein Wissenstransfer stattfand?

Nach der Entdeckung der "neuen Welt" durch die großen Seefahrer seit Christopher Columbus [16] und auch der Kartierung des südlichen Afrikas wurden die Himmelskarten um die Südhalbkugel erweitert und neue Sternbilder ergänzt. Größere Reisen erschlossen weitere Gebiete der Erde und kartierten die bekannten neuer und genauer. Da die Orientierung hauptsächlich anhand von Astronavigation erfolgte, waren neue Sternkarten mit Orientierungshilfen am bisher unbekannten Südhimmel eine Notwendigkeit. (z.B. Globen von Martin Behaim, 1492 und Gerhard Mercator, 1551) Bis ins 20. christliche Jahrhundert war unter europäischen Astronomen verbreitet, Sterne und Sternbilder eigenmächtig umzutaufen. Es gab viele Astronomen, die ihren jeweiligen Herrschern oder (seltener) angesehenen Kollegen himmlische Denkmäler setzten. Die verschiedenen Himmelsdarstellungen in Gestalt von Globen (z.B. wie skizziert in Gestalt der Sammlung im Mathematisch-Physikalischen Salon des Dresdner Zwingers) und Sternkarten (von denen der afrikanischen Landvermesser über Sternbildertaufen von Keplers Schwiegersohn Bartsch, das polnischen Bierbrauer-Ehepaar Hevelius (17. Jh) u.a., gipfelnd in den prächtig illustrierten Sternkarten des Berliner Astronomen Johann E. Bode um 1800) sind in verschiedenen "wissenschaftlichen Materialsammlungen" systematisiert (z.B.: [10],[11], [12],[13],[14], [15])

Bei der Betrachtung von Kartentraditionen von andere Kulturen (z. B. der australischen Aboriginal People, der Einwohner der Marshall-Islands u. a.; siehe [2]) versteht man schnell, dass und warum sich diese exakte Wissenschaft der Kartographie vor allem in der eurabischen Welt herausgebildet hat.

Sind vielleicht die Ramessideschen Sternuhren der Ägypter, auch als Karten interpretierbar und gar nicht in diesem Sinne den "gewöhnlichen" Diagonalsternuhren äquivalent?

 

Zeitgeschichte

Im ausgehenden 18. und später im 19. Jahrhundert setzte eine neue "Kultur des Sehens" ein, die bis heute anhält. Visualisierungen von allem in der Welt wurden ab 1794 (England) bzw 1799 (Frankreich) auch in Rotunden dargestellt; es entwickelten sich das Panorama und das Diorama [5], die auch bei den zunehmenden großen Ausstellungen zunehmende Präsenz erhielten. Pierre Coroneille gestaltete zwei gigantische Globen für den französischen König, die einen allgemeinen Trend der Zeit markieren: Modelle wurden nicht nur anschaulich, sondern bald auch unüberschaubar gigantisch. [1b] Die geringe Aktualität der Karten auf diesen Globen zeigt auch, dass es hier mehr um den Eindruck des Gigantischen ging als um die Richtigkeit des Abgebildeten.

 

 

 

 

[Abb. links: Coronelli Globen für Louis XIV (Paris), rechts: James Wylds (London) begehbarer Globus, anlässlich ersten Weltausstellung (1851-1862): innen Erdkarte, außen Himmelskarte, also die Wölbung der Fläche jeweils mit vertauschtem Vorzeichen] 

Die Globen von Coroneille haben jeweils einen Durchmesser von ca 4 m, das Georama von Wyld durchmaß 18 m. 

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde es nicht nur möglich, den Sternhimmel fotografisch festzuhalten, sondern auch die Erde. Nach Start des Sputnik 1957 flogen zahlreiche Satelliten zur Erdaufklärung und kartierten unseren Planeten durch direkte "Zeichnung mit Licht" (Fotografie).

Für Himmelsdarstellungen werden ebenfalls in dieser Zeit besondere Entwicklungssprünge veranstaltet: Seit der Konzepte zu Kugelgebäuden in französischen Revolutionsarchitektur (ca 1750 - 1820, allen voran durch die Architekten Boullée, Ledoux, Lequeu und andere) [3] werden auch begehbare Globen ersonnen und gebaut [4]. Die Bewegungen von Himmelskörpern werden im Orrery, im Tellurium und schließlich im Planetarium [*] verdeutlicht. Doch erst die Schalenbauten des 20. Jahrhunderts ermöglichen die Errichtung von Planetariumskuppeln, wie sie das moderne Projektionsplanetarium erfordert: Auch hier zeichnet man nun mit Licht, allerdings nicht bleibend auf Celluloid, sondern auf eine kuppelförmige Leinwand. Diese Technologie geht also mit der Entwicklung der Kinematographie seit der Gebrüder Lumière (1895) und des Omnimaxkinos (kurz IMAX) Hand in Hand. [5]

 

 

Wie komme ich jetzt darauf, Ihnen dies zu erzählen? 

In den Tagen zwischen den Jahren schaut man zurück auf das alte und perspektivisch ins neue Jahr. Einige Themen meiner Arbeit sind (zumindest, wenn es nach mir geht) unter anderem:

1. Eine zeitlich systematische Analyse der Nomenklaturentwicklung des Himmels (Sterne und Sternbilder) im chinesischen und eurabischen (inkl. indischen) Sprachraum.

2. Geschichte(n) des Wissenstransfers in der eurabischen Welt

3. technikhistorische und kunst- und medienhistorische Betrachtungen zu Darstellungen der Welt als Ganzes (wie weit man dies auch immer fassen mag, ob nur als Erdglobus oder Universum): Hierbei interessiert mich [persönlich, in meinen Forschungen] nicht nur - wie die Künstler - eine reine Bildbeschreibung, sondern vor allem die technische Realisierung: Wie und für wen wurden bspw Erd- und Himmelsdarstellungen gepflegt, wie genau war die wissenschaftliche Arbeitsweise beim Kartieren und war die Darstellung eher zum praktischen Gebrauch in einem Tempel für Kalendermacher (wie im alten Ägypten), für Berufsphilosophen, die als Denker bezahlt wurden und nicht handwerklich arbeiten mussten in der griechisch-römischen Antike oder für die Öffentlichkeit aus "Jux und Dollerei" (wie moderne Projektionsplanetarien und Kinos).

Meine Wissenschaftsgeschichte ist also eine Sammlung von Wissen und dessen Ordnung entlang eines Zeitstrahls. Ich hatte irgendwie gerade Lust zu dieser kleinen übersichtlichen Zusammenfassung und hoffe, dass der eine oder andere geneigte LeserIn an diesem Essay Freude hat. :-)

Kiss    Ein gutes neues Jahr für Sie alle!

Literatur

[1] Globusfreund, (Sammelband erscheint ca alle 2 Jahre, der jüngste ist quasi druckfrisch: zwei faszinierende Beiträge, nämlich über Gottorfer Globus und von Elly Dekker(!) über antike Globen)

[1a] Christian Jacob: Ein Blick auf die Erde aus dem Weltall, in: Globusfreund, 2002

[1b] "`Unvergleichliche"' Globen oder "`Alte Geräte -- so sperrig wie nutzlos"'? Die Wechselfälle der großen Coronelli-Globen zwischen 1683 und 1915 Globusfreund, 2007, S. 25 ff

[2] John Goss: The Mapmaker's Art - A history of Cartography, 1993

[3] Etienne-Louis Boullée: Architektur, Abhandlung über die Kunst, Edition: Beat Wyss, Artemis-Verlag, Zürich/ München

[4] Emil Kaufmann: Three revolutionary architects, Boullée, Ledoux and Lequeu, Translation of The American Philosophical Society, Independance Square, Philadelphia6, Oct. 1952 New Series Vol. 42, Part 3, 1952

[5] Helmut Schanze: Handbuch der Mediengeschichte, 2001

[6] G. Strohmaier: Die Sterne des as-Sufi, Verlag Müller & Kiepenheuer, 1984

[7] Karl Dachs: Der Leidener Aratus - Antike Sternbilder in einer karolingischen Handschrift, 1989

[8] Klaus Geus, Eratosthenes - Studien zur hellenistischen Wissenschaft 2002

[9] Klaus Zimmermann, Libyen: das Land südlich des Mittelmeers im Weltbild der Griechen, Beck 1999

[10] Elly Dekker, Peter van der Krogt: Globes from the Western World, 1991

[11] Gerhard Fasching: Sternbilder und ihre Mythen, Springer 1998

[12] Uwe Fleckner [Hrsg.]: Aby M. Warburg, Bildersammlung zur Geschichte von Sternglaube und Sternkunde im Hamburger Planetarium, 1993

[13] Carole Stott: Celestial Charts, London 1991

[14] Deborah J. Warner: The Sky explored; celestial cartography 1500 -- 1800, New York 1979

[15] Zögner: Die Welt in den Händen, Berlin 1989/90, Ausstellungskatalog, 1990

[16]Gerhard Bott: Focus Behaim Globus, Aufsätze & Ausstellungskatalog, 1992

 

[*] Die Geschichte des Planetariums werde ich Ihnen hier vielleicht später einmal umreißen. Es gibt zwei recht umfassende Darstellungen:

  1. Ludwig Meier, der Himmel auf Erden, Barth 1992 und
  2. Thomas Kraupe: Denn was innen, das ist draußen: die Geschichte des modernen Planetariums, 2005
Miniaturrezension: Das erste erzählt abbildungsreich und gut recherchiert auf 152 breiten Seiten eine longue durée-Geschichte von Planetarien seit der Antike. Das zweite ist zur Hälfte eine Kurzgeschichte des Planetariums Hamburg und zur anderen Hälfte ein offenbar aus dem Planetarier-Alltag des Leiters des Hamburger Sternenzirkūs zusammengestellter Abriss der zur Zeit verfügbaren Technologien (Projektionsapparate) und deren Konstruktionsgeschichte. Bedauerlicherweise lassen Textinhalte darauf schließen, dass Kraupe das Buch von Meier nicht kennt, obgleich dieser ihm ein Geleitwort schrieb. Es ist ein informatives Büchlein, das jedoch nicht hält, was der Titel verspricht, nämlich eine Geschichte des modernen Planetariums zu schreiben: Das hat Meier, der übrigens als Erfinder der Lichtleiterprojektoren von Zeiss gilt, besser gekonnt. Kraupe beschreibt hingegen sehr schön und besuchergerecht die aktuelle Planetariumstechnik.

 

 
* Überschrift frei nach James Bond

 

 

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275 Unterschriften für "Astronomie in die Schulen"

12. November 2009, 21:38

275 exponierte Personen - teilweise Vertretungen großer Gruppen - wenden sich heute in einem offenen Brief an die Kultusbehörden und Parlamente: Download: Offener_Brief_an_Bund_und_Laender.pdf Die Initiatoren proklamieren dies als einen Höhepunkt der augenblicklichen Woche der Schulastronomie (9. bis 15. November, siehe: www.astronomie2009.de). 

Das Anliegen: Astronomie in die Curricula der Schulen!

Andreas Müller hatte kürzlich schon eine Diskussion zum Thema hier in den kosmologs angestoßen, insbes. als im Physik-Journal verschiedene Meinungen print-schriftlich vorgestellt wurden. Er steht auch als Ansprechpartner für Fragen zu diesem Brief zur Verfügung.

Ich selbst habe mich ebenfalls schon wiederholt zu dem Thema geäußert, dass Astronomie m.E. nicht "nur" ein Teilgebiet der Physik ist, sondern es auch eine Astronomie jenseits der Astrophysik gibt (genauso wie es eine Physik jenseits der Astronomie gibt) - z.B. sehr vieles, das Hobbyforschende leisten, manches, das in der Geschichts- und Kulturforschung usw. erforscht wird. Astronomie ist also m.E. weit mehr Unterrichtszeit Wert, als "nur" einige Stunden im Physikunterricht. Während dieser würde sich dann bloß die Physiklehrkraft ärgern, dass die Zeit für Quantentheorie oder Halbleitertechnik fehlt, wenn man mit drehbaren Sternkarten hantieren sollte.

Warum? Die ontologischen Fragen der Jugendlichen, die zur Einordnung des Selbst in ein modernes naturwissenschaftliches Weltbild führen, könnten sicher viel besser in einem separaten Fach besprochen werden. Auch könnten dabei fachübergreifend Inhalte diskutiert werden, die jungen Leuten ermöglichten, den besseren Umgang mit modernsten Medien zu erlernen. 

Die Astronomie verknüpft exakte Geschichtsforschung, viele Kulturen, strikte Mathematik bis hin zu Laborphysik. Sie kommt zur Geltung in der Archäologie, in der Technikgeschichte, in den Mythen, Träumen, Visionen der Menschheit und folglich in ihren Kulturen. 

Nicht zuletzt wohl deshalb ist die Liste der Unterzeichnenden des Briefes so facettenreich: 

  • 8 große internationale und dt Gesellschaften
  • alle 9 dt Raumfahrer
  • bekannte Medienvertreter (Harald Lesch, Ranga Yogeshwar)
  • Schülervertretungen höchster dt. Gremien
  • Spitzenforscherinnen und -forscher aus den Bereichen vieler Natur- und Geisteswissenschaften (von Ägyptologie über Lebenswissenschaften, Mathematik bis hin zur Physik)
  • u.v.a.m.
Die Forderung: eine astronomische Grundbildung für alle Schülerinnen und Schüler. Beginnend mit Vorbereitungen in der Grundschule will man vor allem im letzten Schuljahr der Mittelstufe in ein eigenständiges Pflichtfach Astronomie mit zwei Jahreswochenstunden münden. "Letzteres", so die Meinung des Initiators, des sächsischen Lehrers Lutz Clausnitzer, "bietet nicht nur astronomische Bildung an sich, sondern auch eine Plattform für interdisziplinäres Lernen, wie es sich Bildungspolitiker schon lange wünschen."

Ein Interview mit dem Initiator, Lutz Clausnitzer, veröffentlichte Spektrum heute.

 

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"Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt"

09. November 2009, 10:10

Das obige Zitat Ernst Reuters von 1948 geht heute mal wieder in Erfüllung. Es ist m.E. der Satz des Tages! Wegen des ungewöhnlich zahlreichen hohen Staatsbesuchs habe ich heute von der StaBi zur TU fast eine Stunde gebraucht, obwohl ich die Strecke normalerweise (& bei gutem Wetter) mit dem Rad in guten 15 min zurücklege.

Als ich heute morgen das Radio eingeschaltet habe, war das erste, das ich bei BBC hörte ein trabifahrender Berliner, der über die "Mauer in den Köpfen" interviewt wurde. Bereits seit einigen Tagen habe ich oft Reportagen und Berichte gehört, die über Berlin, das Brandenburger Tor und das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen berichteten: eben das ganze breite Spektrum der DDR, die Pros und Con's des sozialistischen dt. Staates und der Wiedervereinigung. 

Eigentlich müsste dieser Beitrag wohl in die Chronologs, aber ich bin nunmal derzeit bei den kosmologs angesiedelt. Und die Wende betraf ja auch astronomische Belange: Insbes. für die jüngste Kosmosforschung, nämlich im Weltraum, hat sich einiges geändert in den 1990ern. Ich weiß noch gut, wie die Überschriften der Kolumnen, Berichte und Reportagen schwankten zwischen einem euphorischen "Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört" und einem vorsichtig-verhaltenen bis fast schon ängstlichen "Was wird jetzt aus der Raumfahrt?". 

Die Geschichte der Raumfahrt ist schließlich schon seit den 1930ern nicht mehr eine Geschichte der visionären Träumer und Künstler (wie in den "goldenen 1920ern", als die UFA durch den Fritz Lang-Film "Frau im Mond" mit Hermann Oberth beratend am Set und die zugehörigen PR-Maßnahmen die Popularisierung und Entwicklung von Raketen förderte), sondern eine Geschichte des Krieges: Erst vereinnahmt als "Wunderwaffe" der NS-Propaganda und anschließend ein zentrales Element der Geschichte des Kalten Krieges. ... Selbstverständlich war mit dem Ende des Kalten Krieges - so sehr es uns alle sicher freute - auch die weitere Entwicklung der Raumfahrt für manche Leute in Frage gestellt.

Glücklicherweise kulminierte dieses Kapitel der Menschheitsgeschichte trotzdem in dem größten (teuersten!) zivilen Projekt unserer Geschichte: der Internationalen Raumstation (ISS).

Berlin stand Kopf

 

Im Kolloquium für Zeitgeschichte an der FU erlebte ich letzte Woche eine Podiumsdiskussion unseres Professors Paul Nolte (mitte im obigen Bild) mit dem ost-dt. Theologen Joachim Gauck (links im Bild) und dem west-dt. Prof für Geschichte Martin Sabrow (Dir. des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam). Beide erzählten, wie sie persönlich die Novembertage 1989 erlebt haben: Gauck demonstrierte in Rostock, Sabrow - damals noch Studienrat (Gymnasiallehrer) - hat es verschlafen; mittlerweile ist er aber aufgewacht und forscht zur jüngsten dt Geschichte. Wink

Ich selbst war voll innerer Bewegung bei den Gedanken an jene Zeit und bin seither relativ sicher, dass ich wahrscheinlich nicht zu diesem Teil der Geschichte arbeiten werde: persönliche Befangenheit, wenn die Historikerin zur Zeitzeugin wird. Ich fieberte damals mit den Demonstrierenden - und spürte die Angst bei den Demos, dass wieder Panzer anrücken könnten...  Diese Angst vor Gewalt und Überwachung und Terror der Staatssicherheit war natürlich noch viel stärker bei Leuten wie Joachim Gauck, die im Rampenlicht standen: Das schilderte er am Donnerstag selbst sehr lebhaft in Geschichten und Berichten.

Persönlich verstehe ich nicht, wieso so viele Menschen in Deutschland dies nicht mitfühlen können. Diese gigantischen Gefühle, die die Beteiligten von damals spür(t)en, erlebten die Berliner nun [heute] nochmals, als die Dominostein-Mauer aus Styropur am heutigen Montag Abend umgeworfen wurde. Wer es bisher noch nicht gemerkt hat, weiß es nun bestimmt: Die Mauer ist weg, es gibt nicht mehr zwei politische Deutschländer, sondern eins.

Gefühle kann man wohl einfach nicht mit Worten übertragen, vielleicht auch nicht mit Bildern (aber schon eher). Darum sind sie schwer wahrnehmbar für alle, die nicht dabei waren. Und, so erklärt Gauck, als er danach gefragt wird "4/5 aller Deutschen waren nicht dabei!" In der Tat, mag das ein Grund sein für die Mauer in den Köpfen und vieles mehr: Es berührt viele nicht in ihrem Alltag, schade!

persönliche Bemerkung von mir:

In diesem Frühjahr bei unserem Berliner SpaceCamp hatte ich das gleiche Gefühl wie vor mehr als zehn Jahren, dass die Teens, die nach Berlin kommen, neugierig wissen wollen, wo die Mauer stand. Aber damals wollten sie lediglich 3d-sehen, was sie vom Bildschirm kannten; die jetzigen Teens waren noch nicht geboren, als das alles geschah. Indoktriniert von ihren Eltern haben sie entweder westliche oder östliche Klischees und Vorurteile runtergebetet (so auch in Radioberichten von anderen festgestellt wurde, die ich heute auf verschiedenen Sendern von InfoRadio bis BBC hörte) und ich finde, wir sollten an dieser Stelle viel Aufklärungsarbeit leisten. DDR-Museen sind dazu gewiss eine prima Gelegenheit - bzw eben dafür notwendig ist zeithistorische Forschung. 

Heute schaue ich auf Google und sehe dieses Logo (20 Jahre Mauerfall):

Die Art des Schwenkens der dt. Fahne erinnert mich sehr an Abbildungen zum "Sturm auf die Bastille" genau 200 Jahre zuvor! So wie die Franzosen vor 200 Jahren die Mauern der Standesgrenzen einrissen, für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit kämpften, taten es 200 Jahre später auch die Deutschen von östlicher Seite. Vielleicht wird es eines Tages auch dazu Musicals wie dieses geben - jedenfalls war für mich persönlich wohl dies das bewegendste und prägendste politische Ereignis in meinem Leben.

Das Brandenburger Tor als Wahrzeichen für Teilung und Kalten Krieg erlebte hernach einen U-turn von Bedeutungswandel; es wurde zum Wahrzeichen von friedlicher Revolution, Wiedervereinigung, Frieden und Freiheit!  

 

 

Mögen weitere solche Wunder geschehen, wenn "Wunder" etwas meint, das großartig/ positiv ist und womit man nicht gerechnet hat, dass es (jetzt/ schon) geschieht. 

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alte Astronomie

05. November 2009, 09:47

2009 - wir schreiben das Internationale Jahr der Astronomie. Warum? ... "weil vor genau 2222 Jahren Eratosthenes von Kyrene seine Catasterismen veröffentlicht hat." Das ist zumindest die Begründung, die sich der Althistoriker Klaus Geus von der IAU gewünscht hätte. Professor Geus, Freie Universität Berlin, ist spätestens seit seiner Habilitationsschrift als versierter Kenner des antiken Universalgelehrten bekannt. Zusammen mit Pamias veröffentlichte er eine kommentierte Übersetzung des genannten eratosthenischen Werks, in dem der antike Dichter, Mathematiker, Astronom, Geograph und Bibliothekar (von Alexandria) die "Gestirnungen" verbal vorträgt und also sternbilderweise die Mythen und Anzahl der zugehörigen Sterne nennt.

Literatur:

1) Pamias, Geus: Sternsagen, Catasterismen (grch./dt.), Utopica, 2007

2) Klaus Geus: Eratosthenes von Kyrene - Studien zur hellenistischen Kultur- und Wissenschaftsgeschichte, Beck, 2002 (die erste umfassende Biographie seit ca 1820)


 

 

Nachtrag:

Aus dem Kommentar deute ich, dass Eratosthenes nicht dermaßen bekannt zu sein scheint, wie ich annahm. Daher empfehle ich jenen, die sich für die Bestimmung des Erdumfangs auf diesem klassischen Weg interessieren, meine eigene Monografie zum Thema: 

http://www.exopla.net/docs/grchn08.pdf

Ich habe diese Messung des Eratosthenes, die schon vor 2200 Jahren das richtige Ergebnis lieferte, vor 12 Jahren mit Messpunkten in Griechenland (Athen, Korinth) und Deutschland (Berlin) nachgeahmt und kam auch zu einem vernünfigen Wert für die Größe der Erde (ca 40 000 km Äquatorumfang). Meine Leser dieser kleinen Zusammenschrift bitte ich um Nachsicht für den Stil dieser Monographie: ich würde heute (zehn Jahre intensives Studium von Physik, Mathe und Geschichte) gewiss einige Details verbessern. Dies war mein Erstlingswerk (Debut als Autorin, erschien 2000 in der Schriftenreihe der Archenhold-Sternwarte), also bitte nicht so pingelig lesen! Sachlich ist es zwar richtig, aber man kann gewiss noch ein paar Zitate, Messunsicherheiten etc genauer angeben usw.

 

 


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VdS Tagung in Jena

04. Oktober 2009, 01:34

Jena als Astronomiestadt habe ich hier bereits vor geraumer Zeit skizziert. Ich mag das charmante Städtchen sehr - und lande seit Jahren (aus verschiedenen Gründen) immer wieder mal dort. Heute führte mich die VdS nach Thüringen:

Auf den VdS-Tagungen gibt es stets ein illustres Programm aus Vorstands-, Fachgruppen und Individualpräsentationen. Sie gehören zu den Veranstaltungen, auf denen sich die Hobby-Astroszene trifft. 

Abb: (links) VdS-Fachgruppen-Postersession, (rechts) das Präsi-Banner zwischen den Uni-Türen.

Jena hat durchaus sehr viel zu bieten, astronomisch. Bei einer kleinen "Kuppeltour" in der Innenstadt kann man am Schillergarten auf der einen Seite die Universitätssternwarte mit einem "historischen" 20-cm-Spiegel bewundern, der noch vor weniger als einem halben Jahrhundert in der Forschung eingesetzt wurde. Vis-a-vis steht die Urania-Sternwarte, in der ein coudé-montierter Refraktor wohnt.

Abb: coudé(frz.: "gebogen")-montierter Refraktor (links) in der Urania-Kuppel (rechts).

Im Institut für theoretische Astrophysik werden Exoplaneten, Neutronensterne, Gravitationswellen u.a. spannende Phänomene erforscht. Das Staublabor widmet sich der Spektralanalyse von Protoplanetaren Scheiben ("Proplyds"): Im Laborversuch werden hier glasartige Materialien hergestellt, wie sie im Weltall vorkommen. Diese werden dann untersucht und mit den Spektren verglichen, die man aus den Staubscheiben um junge Sterne erhält. So kann man auf deren Zusammensetzung schließen. Diese Art der Astrophysik (oder Astrochemie?) - die sogenannte Laborastrophysik - ist erst wenige Dekaden alt. Ein ausführlicher Überblicksartikel darüber von Jürgen Blum (heute Prof in BS) erschien 2003 in "Sterne Weltraum".

 

Abb.: Uni-Sternwarte (links) und ihr Spiegel-Teleskop (genutzt vor allem zur Spektroskopie).

Mit einem Telementor haben wir auf dem Dach der Uni zweifelsfrei nachgewiesen, dass die Erde Wolken hat! (also, eigentlich war es ein Versuch, die Sonne zu beobachten - deren makellose Oberfläche allerdings ließ jedes Wabern des Bildes eindeutig als Erdwolke identifizieren)  Smile

Nach Grußworten des VdS-Vorsitzenden Otto Guthier und Sternwartenleiter Peter Rucks gab es am Nachmittag einen wunderschönen Vortrag von Gernot Meiser, der den Astrofotografie-Verbund TWAN  vorstellte. Der Bericht vom Aufbau einer mobilen Sternwarte, d.h. einem großen Auto mit astronomischem Instrumentarium, mit dem einige Hobby-Astronomen durch Europa, Afrika und den Nahen Osten fuhren. Der Beitrag zeigt, wie international die Astronomie ist und sprach die weisen Worte, dass der Himmel doch überall auf der Erde der gleiche ist - Astronomie verbindet also, u.a. auch Menschen verschiedener Kulturen u.v.a.m.

 

  Abb.:Kuppel der Stw.des alten Zeiss-Werks an der Friedrich-Schiller-Uni (auf dem City-Campus) und der Cosmorama Zeiss Planetariumsprojektor in der Goethe-Galerie.

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Preisgekrönte Astronomen & historische Beobachtungen

23. September 2009, 17:08

Gestern, am Dienstag dem 22.9., begann die AG-Tagung in Potsdam mit einer Reihe von Preisverleihungen. Die Stellarphysikerinnen Sonja Schuh (Göttingen) und Anna Frebel (derzeit US) wurden für ihre Forschungen über pulsierende Sterne und deren Exoplaneten bzw über metallarme Sterne mit dem Biermann-Preis ausgezeichnet. Als "unser Mann auf Hawaii" wurde "der fröhliche Exzentriker" bzw. "der Astronom mit den Blumenhemden" Hans-Peter Kudritzki geehrt, der die Schwarzschild-Medaille erhielt. Der bekannte Fernseh-Professor Harald Lesch wurde für seine Arbeit zur Popularisierung unserer Wissenschaft mit dem Bürgel-Preis ausgezeichnet.


Lesch hielt am Abend in der Urania einen Vortrag. Anmoderiert wurde er durch Urania-Leiter Bleier, der die Geschichte seines Hauses auf Alexander von Humboldts Idee einer öffentlichen Sternwarte zurückführte. Wenngleich die Berliner Urania zahlreiche Nachahmungen fand, so ist sie doch heute kein Haus der populären Astronomie mehr, sondern eine Gebäude für öffentliche Vorträge aus allen Wissenschaften, für wissenschaftliches Theater und für Kino sowie der Organisation von anspruchsvoll geführten Reisen.

Das widerspricht ja aber vielleicht nicht einer "astronomischen Lebeneinstellung", denn auch
Lesch begann seinen Vortrag über das Universum mit der Definition: "Das Universum ist das größte, über das nichts größeres gedacht werden kann - klingt eigentlich genau wie der Anfang des Gottesbeweises von Anselm von Canterbury" (Mittelalter). Das Universum schaut sich also selber an, denn wir - die wir schauen - sind schließlich Teil des Ganzen.


Soviel zum Thema Religion in den kosmologs. Ich weiß selbst, dass viele Leute in die öffentlichen Häuser kommen und solche Fragen stellen: Fragen, ob man religiös wird, wenn man sich mit Kosmologie beschäftigt. (Ich musste diese Frage nach der Korrelation der genannten stets verneinen: Bestimmt gibt es religiöse Astronomen, aber es gibt auch solche, die es nicht sind. Ich sehe da keinen Zusammenhang.) 

Das beruhigendste aber an Leschs Ausführungen - mit ein paar Abschweifungen über Politik - war die bewegende Einsicht: "Es gibt auch Gesetze, über die man nicht diskutieren muss: die Naturgesetze". 


Geschichte

Bereits am Montag traf sich der Arbeitskreis Astronomiegeschichte der Astronomischen Gesellschaft: http://www.astro.uni-bonn.de/~pbrosche/aa/potsdam2009/programm.html Der Vortrag von Herrn Hamel fiel leider aus, Anneliese Schnell ließ sich von Herrn Duerbeck vertreten. Dennoch bot ein illustres Kolloquium Vorträge über die Anfänge der Spektroskopie und deren Relevanz für die (Geburt der) Astrophysik von Gudrun Wolfschmidt über die Auswertung historischer Schmetterlingsdiagramme (Sonnenflecken) von Rainer Arlt bis hin zur Erforschung der Geschichte der Königsberger Sternwarte (Dietmar Fürst).

Außerdem stellte Olaf Kretzer von der Volkssternwarte Suhl seine Versuche zu Tagesbeobachtungen von Sternen und Planeten vor. Ausgehend von einer Andeutung im Kosmos des Alexander von Humboldt unternahm er verschiedene Versuche. Ergebnis: Durch lange Rohre ohne Linsen (z.B. Schornsteine) kann man am Tag tatsächlich Planeten und helle Sterne beobachten.   

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Planeten in Schule und Öffentlichkeit

18. September 2009, 10:08

Planeten eignen sich optimal für Outreach-Zwecke der Wissenschaften! Schon im Grundschulalter kann man Kinder für die Planeten begeistern - nicht zuletzt deshalb, weil hier so viele Wissenschaftszweige zusammenlaufen: Geowissenschaften, Chemie, Physik, Biologie - wenn man will, kann man auch Weltraumrecht und Wirtschaft einfließen lassen. (weiter)

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Astrobiologie auf der europäischen Planetentagung

16. September 2009, 12:41

Ein Poster vom Institut für Astrobiologie erregte heute früh meine Aufmerksamkeit: Roter Regen an Indiens Westküste.

Alle Analysen hängen sich an ein Naturphänomen, das im Jahre 2001 beobachtet wurde, historisch aber keineswegs erstmalig stattfand. Laut McCafferty 2007 soll es derartiges schon früher gegeben haben. Die Forschung erhofft sich aus den Analysen neue Erkenntnisse über die Entstehung des Lebens auf der Erde und die Existen von Leben außerhalb der Erde. 

Laut Louis und Kumer 2006 gab es im Roten Regen Mikroben, die bei 300°C und 300 atm existieren können; man fand Proteine, aber keine DNA. Neueste Experimente widmen sich der Resistenz gegen extreme UV-Spektroskopie, gegenüber organischen Lösungen u.a. Sie analysierten mit IR-Spektroskopie, Röntgenspektroskopie, UV-Absorptionsspektroskopie, Elektronenmikroskopie und mehr ... Alles bestärkte offenbar die Idee, dass derartige Lebensformen auch auf Mars, in Venuswolken und anderswo im Sonnensystem existieren könnten - aber der tatsächliche Ursprung ist unklar.


Das war bis gestern - ab heute gibts neue Poster und weitere Vorträge über die Venusatmosphäre, Kleine Körper im Sonnensystem, Monde der Riesenplaneten u.v.a.m.

 

 

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Planetenforschung Heute

14. September 2009, 22:34

Wussten Sie, dass Sie selbst Vorschläge für Ziele der Raumfahrt machen dürfen? 

Ich meine, gewiss hat es sich in unserem Zeitalter herum gesprochen, dass wir längst den nahen Weltraum zu unserem Zuhause zählen, Satellitenteleskope beoachten für die Astronomie (nicht ausschließlich, sondern ergänzend) und zu unseren Nachbarplaneten werden laufend Raumsonden geschickt. Was für Raketenpionier Hermann Oberth und seine Zeitgenossen in den 1920ern noch wie eine utopische Vision klang, gehört heute längst zu unserem ALLtag. (weiter)

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Teleskopfahndung

14. August 2009, 10:29

Die Arbeit einer (Wissenschafts)historikerin hat viel gemein mit der eines Detektivs. Das macht sie gerade so spannend, finde ich! Ich bin hauptsächlich Zeithistorikerin, d.h. mein Hauptinteresse ist nicht (mehr) die Antike, das Mittelalter oder die Renaissance - das habe ich hinter mir gelassen. Vielmehr liegen meine Forschungsschwerpunkte im 20. Jahrhundert, bzw im ausgehenden 19.Jh. (weiter)

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VEGA jubelt 10 mal hoch

08. August 2009, 11:25

Nun geht es zu Ende, das 10. Camp, das zehnte Mal haben sich zwischen 50 und 70 Teens und Twens, also junge Leute zwischen 14 und 40 zusammengefunden, um 14 Tage lang Astronomie pur, rund um die Uhr und in allen Lebensbereichen zu genießen. Es ist wie eine Droge, manche Teilis nannten es dereinst liebevoll ASLenium - ein "neues" chemisches Element, das vor genau 10 Jahren erstmalig in Reinform dargestellt wurde. (weiter)

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AstroTour

07. August 2009, 09:48

Morgens, ca 7:30 in der fränkischen Rhön: Ruhezeit - das erlebt man selten in dieser Gegend im Hochsommer. Das dritte Jahr in Folge findet das ASL auf dem Bauersberg in der Rhön statt. Tag und Nacht sind hier ca 50 junge Erwachsene (SchülerInnen, Studierende vieler Fächer) zu Gange. Sie basteln Experimentalraketen, schauen nachts in den Himmel und drehen einen Film. Wissenschaftliches Arbeiten von jungen NaturwissenschaftlerInnen und Freaks, sowie deren geballte kreative Ergüsse in Gestalt einer Camp-Zeitung, eines Orchesters, Chors, eines Filmteams... (weiter)

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live: ASL im Gange - am Samstag feiern wir 10 Jahre!

03. August 2009, 10:45

Das nunmehr 10te Astro-Camp der VEGA/ VdS ist gerade im vollen Gange und berichtet live vom Tagesgeschehen!

Da der Hauptorganisator, Tobias Opialla, heute seinen Geburtstag feiert, wollen wir ihm hiermit ganz herzlich gratulieren! Als einziger ist er von Anfang an dabei, hat alle 10 Camps vollständig miterlebt: 1999 dokumentiert vom Tigerenten-Club, heute als Chef der AG-Leiter vor Ort. Eine tolle "Karriere"! (weiter)

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Bloggewitter: Fragen zur Bildung und Werteverständnis

20. Juni 2009, 00:01

Die ganze Woche hindurch wird in Berlin gestreikt: Bildungsstreik! An der HU in Mitte tobt das Chaos, an der TU in Charlottenburg wird's schon ruhiger, an der FU im verträumten Dahlem sieht man nur noch verstohlen hier und da ein Plakätchen unter vielen. Doch der Bildungsstreik ist in aller Munde: z.B. in Potsdam

Die Humboldt-Uni im Herzen der Stadt steht Kopf, Kolloquia werden kurzfristig in Kneipen verlegt, weil die Seminarräume besetzt sind u.v.a.m. - schon geographisch liegt sie in der Mitte zwischen dem Bildungsministerium des Bundes und der Berliner Senatsverwaltung für Bildung und Forschung; stets im Brennpunkt: Überm Portal der altehrwürdigen Hochschule prangt das Banner "FIGHT". (weiter)

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Vereinsarbeit Heute ... und zunächst ein Streit um Worte

15. Juni 2009, 12:06

Die Frage "was ist eigentlich Astronomie?" - bzw eigentlich: 'Was gehört alles dazu?' habe ich schon mehrfach erörtert. Nun möchte ich Worte wie Hobby-, Amateur- und Profi-Astronomie auf die philosophischen Goldwaage legen und daraus auf moderne Organisationsformen und Aufgabengebiete schließen.

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Geburtstag, Rolf Riekher, der Meister der Fernrohrmeister

19. Mai 2009, 09:37

Es wäre wie eine geheimnisvolle Expedition in eine pittoreske Märchenwelt, wenn ich von diesem faszinierenden alten Mann und seinem Häuschen mit Sternwarte am südlichen Stadtrand von Berlin berichtete: Die Straßenbahn fährt ein ganzes Stück durch den Wald, bevor man die Siedlung erreicht. In dem Drei-Zimmer-Haus empfängt der Weise oft Wissenschaftshistoriker aus aller Welt, die ihn gern um Rat fragen. Der Eingang zur Sternwarte befindet sich von innen inmitten eines eindrucksvollen Bücherregals. Er hat die Warte eigenhändig angebaut, erzählt er. Kaum hat man diese Tür geöffnet, steht man in dem winzigen Stauraum am Fuß der Treppe vor einer Vitrine mit Mineralien (einer seiner Leidenschaften), die er von Reisen mitbrachte. In der schwergängigen kleinen Kuppel steht ein kleiner Zeiss-Refraktor. Das Arbeitszimmer sieht aus, als wäre es von einem Kino-Regiesseur eingerichtet: überall liegen Linsen und optischen Instrumente herum - von historischen Fernrohren bis hin zu einem holografischen Beugungsgitter mit 1200 Strich pro Millimeter, die mit der neuesten HighTech von seinen jüngeren Kollegen in Berlin-Adlershof gefertigt werden. ... und so, wie er lebt, schreibt er auch: malerisch!

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Kennen Sie eigentlich Herschel?

16. Mai 2009, 23:43

Herschel heißt das neueste Satellitenteleskop, das die Astroszene in Aufruhr versetzt und worüber Sie natürlich bereits in den kosmologs lesen konnten. Hier ein historischer Exkurs:

Bei den Herschels sind insbesondere drei der Geschwister aus dem 18. Jahrhundert und einer deren Söhne relevant: Am berühmtesten ist wohl der Uranus-Entdecker Wilhelm Herschel (1738–1822) mit seiner Schwester Caroline (1750–1848), die seine Assistentin war - und später sogar gemeinsam mit ihrem Bruder vom König ein Gehalt bekam. Die erste Frau, die für ihre wissenschaftliche Arbeit bezahlt wurde, heißt es. Nur wenige wissen, dass auch das sechste der zehn Kinder des Hannoveraner Musikerhaushalts, Alexander Herschel (1745-1841), seit 1770 bei seinem Bruder in Bath lebte.

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wozu zitieren - wikipedia und die Wissenschaft

10. Mai 2009, 23:15

Eine Gebrauchsanleitung für neue Medien 

wo ist eigentlich Wissenschaftsgeschichte auf der "ladder of sexiness"? Es ist jedenfalls keineswegs "eine Wissenschaft für die Pensionäre" wie mir dereinst jemand mal in der Jugendarbeit sagte, als ich einen Kurs anbieten wollte. Ich finde vielmehr, es ist ein wirklich spannendes Fach - und mit mir finden das zahlreiche Berliner Studierende und ein ganzes MPI zum Thema. Um das mal mit einem Zitat zu belegen:

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Visite 2009 - SciLogger zwischen Science und Fiction

07. Mai 2009, 21:18

Mehrere Leute haben bereits erwähnt, dass wir SciLogger dabei sind, eine verschworene Gemeinschaft zu werden. Stefan Oldenburg diskutiert fleißig das Quo Vadis mit unseren Lesern, andere berichteten über unsere Gespräche und querlesend schreiben wir alle transdisziplinär.

Auf unserem Bloggerwochenende in Deidesheim eine VISITE-Aktion beschlossen. Das ist so ein bißchen wie Weihnachtswichteln unter Sci-Autoren: d.h. man "wichtelt" dem anderen anderen einen Text zu seinem Blog zu. Hier ist also der Text meines Wichtels, Jürgen vom Scheidt:  (weiter)

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Luftpumpe killt die "Schwarzen Löcher der Antike"

26. April 2009, 14:34

Über Jahrhunderte fürchteten Philosophen die Leere wie das Nichts aus Michael Endes Unendlicher Geschichte. Diese Angst ging als "horror vacui", "Schrecken der Leere" in die Geschichte ein. Es war die gleiche Angst wie heute viele Menschen die Schwarzen Löcher fürchten: Man glaubte damals, das Vakuum sauge aus dem Umgebungsraum alles ab. (lt. Simonyi) In Weltbildern der Antike durfte z.B. kein leerer Raum entstehen, so dass kristalline Sphären oder was immer man sich sonst vorstellte, einander stets berühren mussten. Damit das Weltgebäude funktoniert und mit den Beobachtungsergebnisse übereinstimmende Vorhersagen liefert, musste man in den alten Weltbildern die Himmelsphysik anders gestalten als die irdische Physik (nach Aristoteles). - Dieses Dogma hielt sich bis zur Newtonischen Revolution, da der englische Naturphilosoph erklärte, dass überall im Universum die gleiche Physik zu gelten habe: "Wie im Himmel so auf Erden" (heißt es sogar im 'Vater unser' der Christenheit) (weiter)

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Rollenspiel "Raumflug" im Internationalen SpaceCamp in Berlin

13. April 2009, 19:49

Ostersonntag, Abschlusstag des Internationalen SpaceCamps.

Heute fliegen wir eine Mission zur ISS. Die Teilnehmenden haben sich in zwei Mannschaften aufgeteilt: Eine Besatzung des Raumschiffs Phoenix und eine zugehörige Bodencrew. Die Teilnehmenden wählen sich einen Beruf aus: Meteorologe, Umweltspezialist, Bordingenieur, Arzt, Triebwerkspezialist, Astronom, Physiker, Geograf, Satellitenexperte, Reporter, Pilot - und natürlich die Kommandanten, doch diese ehrenvolle Aufgabe ist bereits an unsere gruppenleitenden russisch-deutschen Schülerinnen Vika und Nina vergeben. Nach dem Mittagessen werden die Mannschaften getauscht und eine weitere Mission geflogen.

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SpaceCamp Tagesausflug II & III

11. April 2009, 11:53

Gründonnerstag, 9.4.2009

Der Vormittag spielte sich im DLR SchoolLab in Berlin-Adlershof ab, am Nachmittag wurde die Archenhold-Sternwarte besucht. Dazwischen erhielten wir ein üppiges Mittagessen in der Mensa "Oase" auf dem modernsten Uni-Campus Berlins, der zu Berlins ältester Universität, der Humboldt-Universität, gehört. Anschließend war bei sonnigem Wetter eine gute Stunde Freizeit im Treptower Park an der Spree.

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SpaceCamp Tagesausflug I

09. April 2009, 06:53

Vormittag

Das Astrophysikalische Institut Potsdam (AIP) ist ein Stück Wissenschaftsgeschichte made in Germany. Das Institut, das 1992 diesen Namen trägt, sieht sich in Tradition zweier Linien: erstens die Linie der Berliner Sternwarte von 1700. Diese war lange weltberühmt für ihre guten Beobachter! Daher wurde hier durch den Astronomie-Assistenten Galle 1846 der Planet Neptun nach seiner Vorausberechnung durch Leverrier zum ersten Mal im Teleskop gesehen. Die zweite historische Linie des AIP ist das Astrophysikalische Observatoriums (AOP), das als erstes Astro-Institut weltweit die Physik im Namen hatte. (weiter)

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Astro-Abend im SpaceCamp

08. April 2009, 01:11

Die Sternfreunde im FEZ (SiFEZ) e.V. treffen sich normalerweise dienstags und donnerstags, also auch heute Nacht (d.h. gestern Abend). Glücklicherweise hat einer meiner dortigen Sternfreunde, Jan Klug, gerade Urlaub und gewährte uns bis spät in die Nacht Blicke und Fotos durch verschiedene Teleskope. Die beiden Fotos unten entstanden mit einem kleinen Fotoapparat direkt durchs Okular, obgleich der fast-volle Ostermond auch in Okularprojektion vortrefflich beobachtet werden konnte. (weiter)

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Menschen aus dem All und ins All geschickt

07. April 2009, 00:05

Astronautentraining im Raumfahrtzentrum

Heute Vormittag wurden junge Astronauten ausgebildet und heute Nachmittag wurden Außerirdische getroffen. Betreut von den Hilfskräften Armin und Manuela arbeitete die relativ große Gruppe wieder im Wechsel an verschiedenen Stationen: Die erste Station ist die Trainingshalle, wo zwei Betreuer Sportgeräte zum Astronautentraining betreuen. Hier gibt es ein Laufband zum Joggen und eine Taumelscheibe, auf der man unter Erschütterungen die Balance zu halten lernt, des Weiteren z.B. ein Test der Reaktionsgeschwindigkeit, indem man einen unerwartet fallenden Zylinder fangen muss. (weiter)

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Internationale Jugend-Astronomie in Berlin:

06. April 2009, 01:47

100 Stunden Astronomie im SpaceCamp in Berlin und Yuri's Night, das alles zum Fest der heißen O-Stern(e)

Sogar nach zehn Stunden Reise von Nowosibirsk über Moskau nach und durch Berlin waren die TeilnehmerInnen des Internationalen SpaceCamps nicht zu bremsen: Es wurde unter dem halbwegs klaren Berliner Himmel Mond, Saturn, Plejaden und vieles mehr angeschaut. Nicht nur aus Nowosibirsk kommen die Leute im SpaceCamp, sondern auch aus Stuttgart, Berlin, Heidelberg, Ludwigshafen, Hamburg und anderen Orten. Die internationale Mischung passt vorzüglich zum Internationalen Jahr der Astronomie, denn die Kommunikation der Teilnehmenden läuft auf Englisch, Russisch und Deutsch hochgradig multilingual. (weiter)

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Wozu studieren? oder: Wer ist eigentlich Astronom?

24. Februar 2009, 15:21

... eine sicher nicht unbedeutende Frage im Jahr der Astronomie. Vielleicht weiß der eine oder die andere, dass ich seit vielen Jahren als Freiberuflerin tätig bin. Daher erntete ich oft Fragen wie oben - nicht nur von Jugendlichen mit Wunsch zur Berufsorientierung: Was macht eigentlich eine Astronomin? Ich versuche mal eine kleine Zusammenschau von Tätigkeiten und Philosophien: (weiter)

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Abschied (?) von beliebtem Astrohistoriker

15. Februar 2009, 13:55

In dieser Woche wurde unser Wissenschaftshistoriker, Herr Prof. Dr. Eberhard Knobloch (TU Berlin), verabschiedet. Einer seiner wichtigsten Schwerpunkte in den vergangenen Dekaden wissenschaftlicher Arbeit war die Astronomiegeschichte. Mal sehen, wie es um diese bestellt sein wird, wenn auch dieser virtuose multilinguale Meister seines Faches nicht mehr offiziell im Amt ist. Hoffentlich wird sein Nachfolger ebensolche Leidenschaft für das Fach und das Humboldtsche Bildungsideal entwickeln! Jedenfalls wird er es nicht leicht haben, mit dem Ruf von Herrn Knobloch zu konkurrieren: Ehrlich und neidlos zieht man den Hut vor Leute wie ihm, die es schaffen, bei allen Studierenden ebenso beliebt zu sein wie angesehen bei Fachkollegen, in zahlreichen internationalen Gremien engagiert zu sein und trotzdem immer für alle ansprechbar zu sein. Solche Menschen sind die kleinen Wunder des akademischen Lebens, an denen man sich erfreut. (weiter)

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Startschuss: IYA 2009 in Berlin

21. Januar 2009, 06:11

Astronomie ist "everybody's second darling" pflegt Astronaut Reinhold Ewald zu sagen, wenn er gefragt wird, was ihn zur Raumfahrt brachte. Klar: Derart abgestumpft kann wohl selbst der Kühlste nicht sein, dass er nicht von der Erhabenheit, Schönheit und Majestät des echten Sternhimmmels ergriffen wäre. 

Utilitaristisch gedacht: Was man mit dieser Leidenschaft anfangen kann, ist sehr
vielfältig. In Vertretung von Frau Schavan skizzierte ihr Staatssekretär Thomas Rachel in wenigen Minuten den gewaltigen Umfang unseres Fachgebietes von der Beobachtung mit großen Teleskopen, der Datenauswertung und der Philosophie zu ihrer Auswertung sowie der langen Geschichte und Tradition dieser alten und zugleich hochmodernen Wissenschaft. Faszinierend ist ja, dass irgendeine Form von Astronomie in allen Kulturen der Erde sehr zeitig entstanden ist - und dann unterschiedlich entwickelt wurde. Sie scheint also einer Art Urinstinkt zu folgen (?) und ist somit eine Triebfeder für viele Wissenschaften, Technologien und Künste: Materialwissenschaften (was wäre die Küchenindustrie ohne Zeranfelder, die für Teleskopspiegel entwickelt wurden?), Gedichte, Musik, Malerei... .

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Riesenfernrohr an neuem Standort

21. Dezember 2008, 21:56

Seit Dienstag, dem 16.12. steht das Rathenower Riesenfernrohr komplett montiert an seinem neuen Standort, am Rand des öffentlichen Optikparks. Nach Osten stehen einige Bäume ca 5m entfernt, so dass sie zwar nicht die Bewegung, aber das Gesichtsfeld des Fernrohrs einschränken. In alle anderen Himmelsrichtungen haben wir jedoch freie Sicht. (weiter)

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Riesenfernrohr in Rathenow demontiert

03. Dezember 2008, 15:51

Diese Woche begannen mit dem Advent die Demontage-Arbeiten am bisherigen Standort des Riesenmedials. Die Objektivlinse befinde sich derzeit zur Wartung in den Hallen von Zeiss, sagt man, während die Montierung noch vor Weihnachten am neuen Platz stehen soll - falls das Wetter mitspielt. (weiter)

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Einstein revisits Humboldt

07. November 2008, 15:03

Am Mittwoch wurde an der Berliner Humboldt-Universität der Arzt und Schriftsteller Hans Keilson durch die Verleihung der Universitätsmedaille geehrt. Er ist der diesjährige Literatur-Preisträger der "Welt".

HU-Präsident Markschies & H. Keilson; im Hintergrund das HU-Logo der Brüder Wilhelm und AlexanderAus diesem Anlass waren VertreterInnen der Bildungspolitik (Ministerin Schavan, Berliner Bildungssenator Zöllner) ebenso anwesend wie Astrophysiker und  Geisteswissenschaftler.

Unser feinfühliger Literatur-Professor Ernst Osterkamp hielt die Laudatio und zitierte nicht nur das Gedicht "Sterne" des fast 99jährigen Geehrten, in dem mir besonders die Zeile "schlechte Zeiten für Astrologen" in Erinnerung blieb... (Was er damit wohl meint?) Er beschrieb auch das Leben des jüdischen Wissenschaftlers, der seit seiner Emigration nach Amsterdam in den Niederlanden lebt. Er stellte heraus, dass diegrößte Ehre für einen Schriftsteller jedoch keine - auch noch so gute - Laudatio sein kann, sondern natürlich, dass man ihn liest. Damit sprach er uns sicher allen aus der Seele!

Dieses Schicksal der Flucht aus Deutschland in düsterer Zeit teilte er mit
vielen anderen Gelehrten, wie z.B. dem berühmten Allround-Wissenschaftler
Albert Einstein. Über diesen und sein wissenschaftliches Erbe referierten
daher namhafte Wissenschaftler unter dem Titel "Einstein revisits Humboldt".

An dieser Stelle herzlichen Dank an den Präsidenten der Humboldt-Universität, Herrn Prof. Dr. Dr. Markschies und sein Organisationsteam für die wunderbare Zusammenschau meiner (Forschungs)Interessen! Von physikalischer Kosmologie über Poesie bis hin zur Wissenschaftsgeschichte war in diesen wenigen Stunden alles dabei - und zwei derart großen Namen in einem Titel vereinen, die die Einheit von Physik und Philosophie lebten: kein Ort wäre besser dafür geeignet als Berlin. 

Max-Planck-Direktor und Einstein-Forscher Jürgen Renn betonte unsere Wissenschaft daher den interdisziplinären Charakter und die Vielseitigkeit des Herrn Physikers Einstein. Was wir von ihm lernen können:
Wir dürfen uns nicht zu sehr spezialisieren, sollten fachliche Brücken bilden
und auch stets die Genesis und Geschichte unseres Wissens in Betracht ziehen.

Astronomie ist eben wirklich eine herrlich erhabene, weil erhebende
Wissenschaft! (Diesterweg)

 


Das Bild zeigt den HU-Präsidenten Herrn Prof. Dr. Dr. Markschies & Herrn Hans Keilson; im Hintergrund am Rednerpult das HU-Logo der Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt.

 

 

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Gravitationslinsen zum genauen Blick in die Vergangenheit

23. Oktober 2008, 23:27

Das Heidelberger Forschungsteam um Dominik Riechers hat eine sehr junge Galaxie kartiert. Das Geniale: Sie befindet sich in einer Entfernung von 12.2 Milliarden Lichtjahren! Das heißt, sie ist sozusagen "kurz nach dem Beginn des Universums" (vor 13.7 Mrd. Jahren laut kosmologischem Standardmodell) entstanden. Obwohl die Galaxie so weit entfernt ist, gelang an ihr die Beobachtung der Verschmelzung zweier Galaxien unter Bildung eines Quasars. Was man also konkret beobachtet, ist die Bewegung von Materie in ein Schwarzes Loch, wobei Energie in Form von Strahlung frei wird. (weiter)

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Astronomie als Geisteswissenschaft. - ? - !

13. Oktober 2008, 00:51

Kennen wir es nicht alle, die ewige Verwechslung von Astronomie und Astrologie, die dazu führt, dass man als Astrophysiker gebeten wird, Horoskope zu erstellen und sich Gesprächspartner abwenden, wenn man zugibt, dass man das nicht kann... (weiter)

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Lehrerfrage: Was sind Schwarze Löcher?

26. September 2008, 11:00

Kürzlich rief Andreas Müller Lehrende von Schulen auf, Fragen zu stellen, wie man "harte Physik" auf Schulniveau erklären könnte. Die Frage, die ich wohl mit am häufigsten beantworten muss, ist die, was Schwarze Löcher sind. (weiter)

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Arabische Nächte

28. August 2008, 20:02

In der Wissenschaftsgeschichte Europas gibt es eine große Lücke von einigen Jahrhunderten, da sie mit den großen Enzyklopisten um Ptolemäus (ca 150 n.Chr.) abbricht und dann meistens erst mit Copernicus (um 1500) fortgesetzt wird. Wollen wir aber eine lückenlose Geschichte ohne zeitliche Sprünge erzählen, müssen wir den Schauplatz wechseln: zu den Arabern! (weiter)

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Sibirische Sonnenfinsternis

06. August 2008, 10:13

Am 23.7. startete die jugendliche Sibirien-Expedition am Berliner Hauptbahnhof. An Bord war bereits die Hälfte der Mannschaft: 150 Jugendliche aus Deutschland, davon 10 % junge AstronomInnen von der VEGA - der Rest der Gruppe rekrutierte sich aus mehreren Schulgruppen, einer Kirchengemeinde, des Nachwuchses der Hamburger Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks (THW)... Organisiert war die Reise federführend von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch(weiter)

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Sommerstern VEGA startet wieder durch

22. Juli 2008, 19:37

Die Sommerferien sind ausgebrochen und es scheint, als wenn auch das Wetter das merkt. Ferien von einem anderen Stern bietet jungen AstronomieFans vielfältige Möglichkeiten: (weiter)

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KOSMOlogs-Wunsch: Exoplaneten - Welten um fremde Sterne

23. Juni 2008, 23:56

Der Frage "Sind wir allein im All" konnten Astronomen in den letzten 16 Jahren ein erhebliches Stück näher rücken. Schon seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist die mitunter auch nach Frank Drake benannte Greenbank-Formel bekannt, mit der die Wahrscheinlichkeit für Radiosignale aus dem All abgeschätzt wird. Nach den Regeln der Stochastik wird dazu ein Faktor an den anderen gekettet, welchen Erwartungswert folgende Leben bedingende Größen haben. Dazu gehört z.B. die Anzahl der sonnenähnlichen Sterne (also Sterne mit habitabler Zone) und die Chance, dass ein solcher Stern von Planeten umlaufen wird. Als diese Formel aufgestellt wurde, hatte man nicht die Spur einer Idee, wie man diesen Wert abschätzen sollte. (weiter)

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Wissenschaftsphilosophie im Sinne einer Wissenschaftsethik, -kultur und -soziologie

14. Juni 2008, 11:01

"... Denn was ihm [Möbius] offenbart worden war, ist kein Geheimnis. Weil es denkbar ist. Alles Denkbare wird einmal gedacht. Jetzt oder in der Zukunft. ...", sagt Frl. Doktor in Dürrenmatts Physikern (Neufassung von 1980, Diogenes Verlag 1985, S.82). Möbius erkannte das Potential seiner Gedanken und ist der Meinung "Nur im Irrenhaus dürfen wir noch denken. In der Freiheit sind unsere Gedanken Sprengstoff" (S. 75 ebd.). Doch mit seinem Rückzug bewirkt er das Gegenteil von dem, was er eigentlich will und bringt sich selbst um Ruhm und Ehre. (weiter)

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szmtag