kosmologs Uhura Uraniae

Hamburg

05. März 2010, 00:30

Ein paar Worte zur Astronomie in der Stadt an der Elbe, in der ich mich jüngst mit Carolin Liefke nur kurz überschnitt.  @Caro: hier vermisst man Dich, trotzdem herzlichen Glückwunsch für Dein neues Leben!  

Astronomie als Physik & Mathematik, als Kulisse und als Kulturprogramm: 

Das Planetarium: Für mich als Technikhistorikerin und Kultur- & Medienwissenschaftlerin strahlen Planetarien wirklich eine gigantische Faszination aus! So musste ich natürlich auch das Planetarium im Wasserturm besuchen, in dem man dereinst die berühmte Sammlung von Aby Warburg ausgestellt und aufbewahrt hatte - dasjenige Planetarium, das fast als einziges im 2. Weltkrieg nicht zerstört wurde. Dasjenige Planetarium, von dem alle Planetarier schwärmen aufgrund der modernen Technik und der guten Wirtschaftlichkeit.

Nunja - es gibt tatsächlich gutes Programm im Planetarium Hamburg und ich freue mich auf eine hoffentlich erfolgreiche künftige Zusammenarbeit seitens meiner VEGA und dem Planetarium Hamburg!

Aber die Warburg-Sammlung habe ich leider nicht sehen können: Weder im Planetarium noch im Warburg-Archiv hat man sie gefunden, sondern sie wird - angeblich - im kunsthistorischen Institut der Universität aufbewahrt. Auch dort kann man sie aber nicht sehen, sondern sie ist "eingemottet", so wurde mir zumindest gesagt. 

Aby Warburg war der älteste Sohn einer Bankier-Familie, der sein rechtmäßiges Erbe ausschlug, das väterliche Unternehmen weiterzuführen. Stattdessen widmete er sich dem Studium der Philosophie und Astronomie. Ich persönlich finde, seine großartigste Leistung für die Nachwelt ist die umfangreiche Hamburger Sammlung von Bildmaterial (Sternkarten und -darstellungen) zur Astronomie und Astrologie quer durch alle eurabischen Kulturen - und ich denke, dieses Interesse teile ich mit den meisten Lesern hier. Als Wissenschaftshistorikerin würde ich mir die Lippen danach lecken, diese Bilder wissenschaftlich aufzuarbeiten - insbesondere im Zusammenhang mit meinen Karten- und Globen-Interessen, die ich Ihnen letztes Jahr schilderte. Meine Philosophie-Professoren würden allerdings darauf bestehen, dass ich auch Warburgs Beiträge zur Kulturphilosophie nicht unerwähnt lasse. Seine Habilschrift "Das Experiment und die Metaphysik" (erschien in den 1930ern erst im Londoner Exil des Juden) enthält zahlreiche interessante Gedanken zur Synthese von Philosophie und Naturwissenschaft. Sternbilder und Sternkarten sind jedenfalls - auch ohne die Sichtbarkeit der Warburg-Ausstellung - ein Schwerpunkt des Zwecks vom Planetarium.  

Planetarien sind aber eher die kulturbereichernden Bühnen der Wissenschaft und nicht die Austragungsorte, an denen Wissenschaft praktiziert wird. Für diesen Zweck hat Hamburg die nicht minder berühmte Sternwarte in Bergedorf - ebenfalls traditionell renomiert!

Hamburger Sternwarte  

Im niedlichen Bergedorf, am Ostrand der Stadt liegt die altehrwürdige Hamburger Sternwarte seit ca 100 Jahren! Als sie 1833 gegründet wurde, befand sie sich inmitten der Stadt, denn damals war ihre Hauptaufgabe die Zeitmessung. Sternwarten waren seinerzeit von großer Bedeutung für die Seefahrt und so musste die Sternwarte der Hansestadt zweckmäßigerweise in Hafennähe liegen. 

Als Anfang des 20. Jahrhunderts die Lichtverschmutzung und Erschütterungen durch zunehmenden Straßenverkehr in der Stadt zu störend wurden, zog auch in Hamburg (wie vielerorts) das astronomische Observatorium an den den Stadtrand - auf die Hügel, die dem Berge-Dorf seinen schmeichelhaften Namen gaben.

[Ich weiß, die Bayuvaren unter meinen Lesern werden hier schmunzeln, aber für uns Flachlandbewohner sind diese Hügel schon ein ernstzunehmendes Gefälle.]

;-)

Berühmt ist die Sternwarte hauptsächlich für den Schmidt-Spiegel (der heute in Spanien steht) und die Refsdal-Linse (Gravitationslinsenmodell). Fans von alten Refraktoren (wie ich) kommen natürlich auch auf ihre Kosten, denn die Sternwarte ist stolz, dass sie zu ihrer Einweihung dazumal von jeder Sorte ein Großteleskop vorweisen konnte: einen Großen Refraktor und einen Großen Reflektor.

Das Oskar-Lühning-Teleskop mag noch dem einen oder der anderen geläufig sein: Es steht heute in der Kuppel des Schmidtspiegels und wurde von einem Hamburger Schulrektor in Gedenken an seinen Sohn gestiftet: Oskar Lühning, der Sohn des Rektors, hätte Astronomie studieren wollen, wenn er nicht im zweiten Weltkrieg gefallen wäre. 

Heute strahl die Sternwarte eine gewisse Faszination aus durch ihre Verbindung von traditioneller Kulisse mit moderner Physik. Das können Astronomen offenbar meistens recht gut: Auch in Heidelberg, Potsdam, Jena  ... stehen ja die Rechner der Astrophysiker quasi neben den dekorativen Kuppeln altehrwürdiger Sternwarten. Doch es stimmt wohl, dass an keinem der genannten Orte das Ambiente derart gelungen ist wie hier in Bergedorf.

 

DESY -  Astro- und Teilchenphysik

Noch mehr Physik gibt es am Westrand der Hansestadt: Vor 51 Jahren wurde hier der erste große Teilchenbeschleuniger in Betrieb genommen, der der Forschungseinrichtung noch heute ihren Namen gibt: DESY = Deutsches Elektron SYnchrotron. In der Prä-LHC-Zeit war das ein richtiger Knüller! Das Institut DESY mit seinen zwei Standorten in Hamburg und Berlin hat eine kleine Galerie von linearen und zyklischen Teilchenbeschleunigern, die vor allem auch in der Astroteilchenphysik forschen.  

Dieses Institut verbindet zwei der faszinierendsten Gebiete der modernen Physik: Astrophysik und Teilchenphysik. Ich weiß noch gut, mit welcher Begeisterung ich als Teenager in meiner Heimatstadt Berlin die Aktivitäten des DESY verfolgte und kann mich noch gut daran erinnern, wie ich damals mit meinen Freunden vom Physik-LK an einem wunderschönen sonnigen Wochenende in Hamburg das DESY besuchte.

Tja, man kann wohl leider nicht alles haben, zumindest nicht alles gleichzeitig. (nur seriell, nicht parallel) Darum nehme ich auch jetzt wieder Abschied vom DESY und Hamburg mit seiner Sternwarte, seinem Planetarium und seinem Elbhafen ... obgleich ich mich hier recht wohl fühlen könnte. Naja, wo nicht? Offenbar bin ich einfach so, kann nicht anders, als "zwischen den Welten zu changieren" - oder physikalisch ausgedrückt: komplett zu delokalisieren wie ein anständiges Elementarteilchen das so tut. 

  - vier Monitore sind doch angemessen, oder?

- ein typischer Arbeitsplatz von mir -

- (Jan. 2010) -  


 
Danke für die schöne Zeit in Hamburg! 
 
Die Alster war das erste Mal seit 13 Jahren wieder zugefroren und die Zweige an den großen Hauptstraßen (nahe Michel) sahen ungefähr so aus:

Ein seltenes Bild hier im Norden; sowas kenne ich bisher eher aus München. :-)

Kalt und rau ist der Winter, aber sonnig das Gemüt und herzlich die Menschen. Ich halte mich mal an den Spruch aus der Hamburger S-Bahn und sage "Tschüß, bis zum nächsten Mal!"  

 

 



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Von der Wissenschaftskommunikation zur Wissenschaft

04. März 2010, 08:26

Hamburg - das Tor zur Welt. So sagt man zumindest! Und in der Tat: Kaum hatte ich mich in der Hansestadt eingenistet, schon muss ich wieder weg: So ist das als Freiberuflerin: egal, wo ich bin - ich bin nie wirklich lange da. Nun aber lockt mich wieder ein neuer Auftrag fort: Nach 13 Jahren als Freiberuflerin in der  Wissenschaftskommunikation, darf ich nun endlich direkt in der Wissenschaft arbeiten, anstatt meine wissenschaftliche Arbeit durch freiberufliche Tätigkeit zu finanzieren. (Ok, ein bißchen Lehre ist auch dabei, aber das ist hoffentlich verkraftbar.) Ich gebe ja gerne zu, dass mir die Wissenschaftskommunikation auch irgendwie Spaß macht, denn ich bin sehr gerne kreativ und gerne für andere Menschen da - andernfalls hätte ich es auch gar nicht im gegebenen Maße und großteils ehrenamtlich durchgehalten. Aber wenn ich ehrlich bin, ist und war diese Arbeit für mich auch stets hauptsächlich "Mittel zum Zweck": Finanzierung von Führerschein, Abitur, Studium und Promotion.

Jetzt geht's erstmal über Deidesheim (Bloggertreffen) nach Berlin, dann nach Hildesheim, dann nach Sibirien ... Ich werde darüber berichten. :-)

Ab April oder Mai bin ich dann wieder längerfristig in Deutschland, wie es aussieht - aber ich bleibe wohl Kosmopolit aus Berufung. ;-) 

 



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Die Spur des Sputnik

11. Februar 2010, 12:21

Hiermit eröffne ich eine neue Rubrik: "Bücher zur Kulturgeschichte der Astronomie". 

Die Spur des Sputniks

Relativ frisch auf dem Büchermarkt ist ein sehr gutes Buch zur Raumfahrt-Kulturgeschichte. Die Herausgeber Igor J. Polianski und Matthias Schwartz: der erste Akademischer Rat am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Ulm; der zweite wissenschaftlicher Mitarbeiter am Osteuropa-Institut für Allg. und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin.

Entsprechend schreibt das 349seitige Buch eine Geschichte, die den Start des ersten künstlichen Erdtrabanten in die Geschichte des Kommunismus und des Kalten Krieges kontextuiert. Ein buntes Autorenkonglomerat wird hier in weißem Einband gebunden und so illuster ist folglich der Inhalt des Buchs: Jede Autorin und jeder Autor - allesamt Fachleute auf ihrem jeweiligen Gebiet - erzählt eine andere Kulturgeschichte des Sputnik.

Da argumentiert Alexander C.T. Geppert (Zeithistoriker an der FU Berlin) anhand von Analysen der Science Fiction des beginnenden 20. Jahrhunderts provokativ, dass der Sputnik vielleicht gar nicht der Anfang, sondern das Ende der visionären Raumfahrtzeitalters gewesen sei. Auch eine mögliche, wahre und sehr interessante Sichtweise, wenn man sich - gestützt durch die Entwicklungs- und Prozessmodelle der Wirtschaftswissenschaften und Soziologie - bewusst ist, dass es immer schwierig ist, eine Innovation zu etablieren, solange noch niemand an sie glaubt. Simpel gesprochen: Es ist leicht, im Jahre 1970 jemandem vorzuschlagen, eine Mondrakete zu bauen, nachdem es sogar bereits Filmaufnahmen von funktionierenden Mondraketen gibt. Aber jemandem eine Mondrakete zu verkaufen, der bisher noch nicht einmal weiß, das eine Rakete nicht bloß ein ballistischer Silvester-Feuerwerkskörper ist; das ist schwierig. - Man denke nur an historische Beispiele wie die berühmte Biographie des jungen Hermann Oberth, dessen Ingenieursarbeit zur Entwicklung eines Raketentriebwerks als Doktorarbeit abgelehnt wurde, weil die greisen Gutachter die Ideen zu dessen Einsatz für utopisch hielten. Aus solchen Gründen argumentiert Geppert - übrigens in Anlehnung an keinen geringeren als Arthur C. Clarke - zu Recht, dass die großen Visionen, vor allem aus technischer und technologischer Sicht, naturgemäß vor dem Sputnik stattgefunden haben und nicht danach. Das stellt allerdings nicht in Abrede, dass der Sputnik in allen globen Gesellschaften gewaltige Spuren zog. Ja, sogar regelrechte Schneisen in Kulturen ferchte. 

Der erste Herausgeber, Igor J. Polianski, ordnet das Erscheinen des "roten Mondes" in die Geschichte der DDR ein: "von Sputnik und Trabis" wird hier berichtet, wie der Sowjeterfolg sich instantan in die Propaganda und Kultur des "geteilten Himmels" (Referenz auf Christa Wolf) über Deutschland, "dem Geburtsland des Planetariums und der V2-Rakete" (S.95) niederschlug. Er beleuchtet so das Zustandekommen der technikverklärenden Kunststile des Kommunismus, die in den folgenden Abschnitten beleuchtet werden.  

Unmittelbar daran anknüpfend folgt der Beitrag von Martin Sabrow (Direktor des Zentrums f. Zeithistorische Forschung, ZZF in Potsdam & Prof an der HU Berlin) über kommunistische Zukunftsdiskurse. Allgemein werden insbesondere um die Mitte des 20. Jahrhunderts von Zukunftszuversicht gesprochen. Sehr deutlich wird das wohl mit dem hier zitierten Slogan: "... Unmögliches schaffen wir sofort, Wunder dauern etwas länger." (zitiert auf S.122, Original in: Koch/Schüke: Himmel und Hölle zum Trotz ziehen Sputniks ihre Bahn, S.13)

Heike Delitz, Postdoktorandin in der Soziologie in Bamberg, präsentiert und diskutiert die unmittelbar sichtbaren Einflüsse der Raumfahrt auf die Architekturen des 20. Jahrhunderts. Betonschalen ermöglichen in den Architekturen von Ulrich Müther und anderen glatte Strukturen und runde Formen: hyperbolische Paraboloide bis hin zu Sphären. Sie führt dies zurück auf die Kongruenz zur Sputnik-Kugel und reiht auch den Ball des Berliner Fernsehturms am Alexanderplatz in diese Geschichte.

Julia Richers, Postdoktorandin am Lehrstuhl für Osteuropäische & Neue Allg. Geschichte in Basel, sieht den Sputnik in der Propagandamaschinerie als Symbol. Ihr Diskurs erörtert den iconic turn, der das 20. Jahrhundert durchzieht, also die Hinwendung der Massenmedien zu einer hohen Pikturalität: Bilder fungieren als Sprache und so wird auch der Sputnik auf allerhand zeitgenössischem Material - von Plakaten über Kinderspielzeug bis hin zu Wegweisern der Messen für Nachwuchsmeister - funktionalisiert.  

Ingo Schauermann, Doktorand am Institut für Kunstgeschichte in Gießen, stellt die sowjetische Selbstpräsentation auf großen Messen und Ausstellungen dar: die sowjetischen Weltraumpavillons auf den Weltausstellungen 1958 in Brüssel bis Osaka 1970 und auf zahlreichen Groß-Events in der Zwischenzeit.

In diesen kleinen Notizen konnte ich das gewaltige Spektrum des Buches nur anreißen: Vielleicht haben Sie ja Lust bekommen, es ebenfalls zu lesen - es lohnt sich! 

Smile

Weitere Autoren sind: Angela Schwarz, Karsten Werth, Frank Hartmann, Birgit Menzel, Tomas Glanc, Luca diBlasi, Annett Jubara. Es gibt viele weitere Betrachtungen über die Spur des Sputniks in Literatur und als "ideengeschichtliches Abenteuer", in ikonographische Spuren und politischen Semantiken.

Schlussendlich resümiert Rüdiger Zill, wissenschaftlicher Referent am Potsdamer Einstein-Forum, dass die Auswirkungen der Raumfahrt auf die Statur des Menschen uneindeutig bleiben: "Einerseits zeigt sich in ihr so deutlich wie nirgends sonst dioe Realtiät der Depersonalisierung, andererseits aber gibt sie den Ausblick auf eine Chance, den Ausblick auf einen Rückblick, auf eine Rückbesinnung des Menschen auf sich selbst." Damit schließt er beinahe an die populäre Sichtweise Sloterdijks an, der die Raumfahrt als Beginn eines Perspektivenwechsels hin zur (Außen)Sicht der Erde und zur Grünen Revolution der 1980er Jahre interpretiert.

 

Polianski, Schwartz (Hrsg), Spur des Sputnik, Campus Verlag, 2009

 



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Der Kosmos als Programm

11. Februar 2010, 00:26

Danke für die Nachfrage meines Lesers "Peter" nach Literatur zum Thema. Die Frage nehme ich als Anlass für zweierlei Maßnahmen:

Erstens würde ich selbst gerne so eine "Kulturgeschichte der Astronomie" schreiben (aber das wäre ein Lebenswerk, wenn man es gründlich tun will) und habe mir daher vorgenommen, dies jetzt tatsächlich hier in diesem Blog zu tun. Ich probiere mittelfristig eine Reihe zu dem Thema durchzuhalten, nehme mir aber das Recht heraus, diese unregelmäßig zu gestalten.

Ich bin dabei auch gespannt auf das Feedback von Ihnen, meinen Lesern, denn man kann schließlich nicht für alles gleichermaßen kompetent sein: Jeder Historiker und jede Historikerin hat Steckenpferde in bestimmten Epochen und andere Epochen, in denen er/ sie weniger versiert ist. So habe auch ich "nur" einen gewissen Überblick. - Immerhin, denn diesen versuche ich konsequent zu vertiefen. Vielleicht helfen Sie mir dabei. :-)

Bisher wagte ich es nicht (*), und zwar aus folgendem Grund: Bei den klassischen Größen auf diesem Gebiet der umfassenden Zusammenschauen sieht man immer wieder, dass ein wunderschönes großes Bild gezeichnet wird, jedoch im Detail Ungenauigkeiten blühen. Ich meine hier die wirklich großen Leute, die sich den "Kosmos", also die große "Ordnung & Schönheit" als Programm gesetzt haben: zum einen ist das Alexander von Humboldt mit seinen Kosmos-Vorlesungen (erhältlich als Buch) an der Berliner Singakademie. Gemeinsam mit seinem Bruder, dem preußischen Ministers und Hochschulreformators Wilhelm von Humboldt gründete er eine Universität. Die Humboldt-Universität wird übrigens dieses Jahr ihren 200sten Geburtstag feiern. Zum Zweiten ist da das "20. Jh-Revival" der Humboldtschen Kosmos-Vorlesung: der US-amerikanische "Cosmos" (Buch und TV-Serie) von Carl Sagan

Beide Autoren sind gewiss bewundernswert für ihr jeweils umfassendes Programm und Lebenswerk. - Gewiss haben sie viele Menschen von Astronomie und unserem schönen Universum als Ganzem begeistert. Ich selbst bin zwar nicht durch sie zur Astronomie gekommen, weiß das aber von vielen und war stets hingerissen von beider Bestreben, die Welt als Ganzes zu sehen und zu verstehen.

 

Zweitens möchte ich beginnen, hier einige gute Bücher zum Thema vorzustellen. Man wird schließlich auf dem Markt überschwemmt von Literatur, doch nicht alles ist von wissenschaftlicher Sicht haltbar.

Wie schwierig das ist, zeige ich gleich an dem ersten Beispiel, das ich noch heute online stellen werde: Es beleuchtet nur einen winzigen Teil des gewaltigen Programms von kulturgeschichtlichen Darstellungen und zeigt doch anhand des breiten Autorenspektrums die Unermeßlichkeit des Programms.  

 


 

(*) Eines meiner Lieblingszitate wird Seneca zugeschrieben:

"Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig."

Diesen Rat gebe ich an dieser Stelle wohl am besten auch mir selbst.  



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... et Orbi - Die (eine) Welt ist nicht genug*

29. Dezember 2009, 13:44

Astronomie ist (u.a.) eine Wissenschaft von Weltbildern. Weltbilder sind zu jeder Zeit und in jeder Kultur von Menschen geschaffen worden, damit wir uns als Menschheit in den Kosmos einordnen können. Sie sind also von Menschen und für Menschen geschaffen und in jedem Fall sind sie vereinfachende Modelle, wie die Welt funktionieren und aussehen könnte. Modelle reduzieren jedoch zur Übersichtlichkeit die Realität auf etwas Anschaubares: "Wichtige Eigenschaften von Modellen sind Miniaturisierung, Abstraktion, Symbolisierung und intellektuelle Effektivität. Modelle ermöglichen es, ein Niveau der Realität zu erfassen, das for die Sinne nicht erreichbar ist. Modelle erlauben dem Betrachter, auf eine ihm unerreichbare Realität einzuwirken, diese zu studieren oder zu verstehen, auch zu kommentieren, indem er sich einer Vermittlung bedient. Ein Modell kann ein dreidimensionales Objekt, eine Zeichnung, eine Aussage oder ein Begriff sein." S. 13 weiter: "Ein Erdglobus ist eine Aussage und ein Begriff, wenn man z. B. sagt "Die Erde hat Kugelgestalt". Sowohl die Karte als auch der Globus sind materielle Modelle, aber sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Reichweite und Wirkung."' ... "... Netzwerk kultureller Bezüge, gesellschaftlicher Verhaltensweisen und wissenschaftlicher Verfahren ... " schrieb Christian Jacob 2002 in der Zeitschrift Globusfreund. [1a]  (weiter)

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275 Unterschriften für "Astronomie in die Schulen"

12. November 2009, 21:38

275 exponierte Personen - teilweise Vertretungen großer Gruppen - wenden sich heute in einem offenen Brief an die Kultusbehörden und Parlamente: Download: Offener_Brief_an_Bund_und_Laender.pdf Die Initiatoren proklamieren dies als einen Höhepunkt der augenblicklichen Woche der Schulastronomie (9. bis 15. November, siehe: www.astronomie2009.de). 

Das Anliegen: Astronomie in die Curricula der Schulen!

Andreas Müller hatte kürzlich schon eine Diskussion zum Thema hier in den kosmologs angestoßen, insbes. als im Physik-Journal verschiedene Meinungen print-schriftlich vorgestellt wurden. Er steht auch als Ansprechpartner für Fragen zu diesem Brief zur Verfügung.

Ich selbst habe mich ebenfalls schon wiederholt zu dem Thema geäußert, dass Astronomie m.E. nicht "nur" ein Teilgebiet der Physik ist, sondern es auch eine Astronomie jenseits der Astrophysik gibt (genauso wie es eine Physik jenseits der Astronomie gibt) - z.B. sehr vieles, das Hobbyforschende leisten, manches, das in der Geschichts- und Kulturforschung usw. erforscht wird. Astronomie ist also m.E. weit mehr Unterrichtszeit Wert, als "nur" einige Stunden im Physikunterricht. Während dieser würde sich dann bloß die Physiklehrkraft ärgern, dass die Zeit für Quantentheorie oder Halbleitertechnik fehlt, wenn man mit drehbaren Sternkarten hantieren sollte.

Warum? Die ontologischen Fragen der Jugendlichen, die zur Einordnung des Selbst in ein modernes naturwissenschaftliches Weltbild führen, könnten sicher viel besser in einem separaten Fach besprochen werden. Auch könnten dabei fachübergreifend Inhalte diskutiert werden, die jungen Leuten ermöglichten, den besseren Umgang mit modernsten Medien zu erlernen. 

Die Astronomie verknüpft exakte Geschichtsforschung, viele Kulturen, strikte Mathematik bis hin zu Laborphysik. Sie kommt zur Geltung in der Archäologie, in der Technikgeschichte, in den Mythen, Träumen, Visionen der Menschheit und folglich in ihren Kulturen. 

Nicht zuletzt wohl deshalb ist die Liste der Unterzeichnenden des Briefes so facettenreich: 

  • 8 große internationale und dt Gesellschaften
  • alle 9 dt Raumfahrer
  • bekannte Medienvertreter (Harald Lesch, Ranga Yogeshwar)
  • Schülervertretungen höchster dt. Gremien
  • Spitzenforscherinnen und -forscher aus den Bereichen vieler Natur- und Geisteswissenschaften (von Ägyptologie über Lebenswissenschaften, Mathematik bis hin zur Physik)
  • u.v.a.m.
Die Forderung: eine astronomische Grundbildung für alle Schülerinnen und Schüler. Beginnend mit Vorbereitungen in der Grundschule will man vor allem im letzten Schuljahr der Mittelstufe in ein eigenständiges Pflichtfach Astronomie mit zwei Jahreswochenstunden münden. "Letzteres", so die Meinung des Initiators, des sächsischen Lehrers Lutz Clausnitzer, "bietet nicht nur astronomische Bildung an sich, sondern auch eine Plattform für interdisziplinäres Lernen, wie es sich Bildungspolitiker schon lange wünschen."

Ein Interview mit dem Initiator, Lutz Clausnitzer, veröffentlichte Spektrum heute.

 



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"Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt"

09. November 2009, 10:10

Das obige Zitat Ernst Reuters von 1948 geht heute mal wieder in Erfüllung. Es ist m.E. der Satz des Tages! Wegen des ungewöhnlich zahlreichen hohen Staatsbesuchs habe ich heute von der StaBi zur TU fast eine Stunde gebraucht, obwohl ich die Strecke normalerweise (& bei gutem Wetter) mit dem Rad in guten 15 min zurücklege.

Als ich heute morgen das Radio eingeschaltet habe, war das erste, das ich bei BBC hörte ein trabifahrender Berliner, der über die "Mauer in den Köpfen" interviewt wurde. Bereits seit einigen Tagen habe ich oft Reportagen und Berichte gehört, die über Berlin, das Brandenburger Tor und das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen berichteten: eben das ganze breite Spektrum der DDR, die Pros und Con's des sozialistischen dt. Staates und der Wiedervereinigung. 

Eigentlich müsste dieser Beitrag wohl in die Chronologs, aber ich bin nunmal derzeit bei den kosmologs angesiedelt. Und die Wende betraf ja auch astronomische Belange: Insbes. für die jüngste Kosmosforschung, nämlich im Weltraum, hat sich einiges geändert in den 1990ern. Ich weiß noch gut, wie die Überschriften der Kolumnen, Berichte und Reportagen schwankten zwischen einem euphorischen "Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört" und einem vorsichtig-verhaltenen bis fast schon ängstlichen "Was wird jetzt aus der Raumfahrt?". 

Die Geschichte der Raumfahrt ist schließlich schon seit den 1930ern nicht mehr eine Geschichte der visionären Träumer und Künstler (wie in den "goldenen 1920ern", als die UFA durch den Fritz Lang-Film "Frau im Mond" mit Hermann Oberth beratend am Set und die zugehörigen PR-Maßnahmen die Popularisierung und Entwicklung von Raketen förderte), sondern eine Geschichte des Krieges: Erst vereinnahmt als "Wunderwaffe" der NS-Propaganda und anschließend ein zentrales Element der Geschichte des Kalten Krieges. ... Selbstverständlich war mit dem Ende des Kalten Krieges - so sehr es uns alle sicher freute - auch die weitere Entwicklung der Raumfahrt für manche Leute in Frage gestellt.

Glücklicherweise kulminierte dieses Kapitel der Menschheitsgeschichte trotzdem in dem größten (teuersten!) zivilen Projekt unserer Geschichte: der Internationalen Raumstation (ISS).

Berlin stand Kopf

 

Im Kolloquium für Zeitgeschichte an der FU erlebte ich letzte Woche eine Podiumsdiskussion unseres Professors Paul Nolte (mitte im obigen Bild) mit dem ost-dt. Theologen Joachim Gauck (links im Bild) und dem west-dt. Prof für Geschichte Martin Sabrow (Dir. des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam). Beide erzählten, wie sie persönlich die Novembertage 1989 erlebt haben: Gauck demonstrierte in Rostock, Sabrow - damals noch Studienrat (Gymnasiallehrer) - hat es verschlafen; mittlerweile ist er aber aufgewacht und forscht zur jüngsten dt Geschichte. Wink

Ich selbst war voll innerer Bewegung bei den Gedanken an jene Zeit und bin seither relativ sicher, dass ich wahrscheinlich nicht zu diesem Teil der Geschichte arbeiten werde: persönliche Befangenheit, wenn die Historikerin zur Zeitzeugin wird. Ich fieberte damals mit den Demonstrierenden - und spürte die Angst bei den Demos, dass wieder Panzer anrücken könnten...  Diese Angst vor Gewalt und Überwachung und Terror der Staatssicherheit war natürlich noch viel stärker bei Leuten wie Joachim Gauck, die im Rampenlicht standen: Das schilderte er am Donnerstag selbst sehr lebhaft in Geschichten und Berichten.

Persönlich verstehe ich nicht, wieso so viele Menschen in Deutschland dies nicht mitfühlen können. Diese gigantischen Gefühle, die die Beteiligten von damals spür(t)en, erlebten die Berliner nun [heute] nochmals, als die Dominostein-Mauer aus Styropur am heutigen Montag Abend umgeworfen wurde. Wer es bisher noch nicht gemerkt hat, weiß es nun bestimmt: Die Mauer ist weg, es gibt nicht mehr zwei politische Deutschländer, sondern eins.

Gefühle kann man wohl einfach nicht mit Worten übertragen, vielleicht auch nicht mit Bildern (aber schon eher). Darum sind sie schwer wahrnehmbar für alle, die nicht dabei waren. Und, so erklärt Gauck, als er danach gefragt wird "4/5 aller Deutschen waren nicht dabei!" In der Tat, mag das ein Grund sein für die Mauer in den Köpfen und vieles mehr: Es berührt viele nicht in ihrem Alltag, schade!

persönliche Bemerkung von mir:

In diesem Frühjahr bei unserem Berliner SpaceCamp hatte ich das gleiche Gefühl wie vor mehr als zehn Jahren, dass die Teens, die nach Berlin kommen, neugierig wissen wollen, wo die Mauer stand. Aber damals wollten sie lediglich 3d-sehen, was sie vom Bildschirm kannten; die jetzigen Teens waren noch nicht geboren, als das alles geschah. Indoktriniert von ihren Eltern haben sie entweder westliche oder östliche Klischees und Vorurteile runtergebetet (so auch in Radioberichten von anderen festgestellt wurde, die ich heute auf verschiedenen Sendern von InfoRadio bis BBC hörte) und ich finde, wir sollten an dieser Stelle viel Aufklärungsarbeit leisten. DDR-Museen sind dazu gewiss eine prima Gelegenheit - bzw eben dafür notwendig ist zeithistorische Forschung. 

Heute schaue ich auf Google und sehe dieses Logo (20 Jahre Mauerfall):

Die Art des Schwenkens der dt. Fahne erinnert mich sehr an Abbildungen zum "Sturm auf die Bastille" genau 200 Jahre zuvor! So wie die Franzosen vor 200 Jahren die Mauern der Standesgrenzen einrissen, für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit kämpften, taten es 200 Jahre später auch die Deutschen von östlicher Seite. Vielleicht wird es eines Tages auch dazu Musicals wie dieses geben - jedenfalls war für mich persönlich wohl dies das bewegendste und prägendste politische Ereignis in meinem Leben.

Das Brandenburger Tor als Wahrzeichen für Teilung und Kalten Krieg erlebte hernach einen U-turn von Bedeutungswandel; es wurde zum Wahrzeichen von friedlicher Revolution, Wiedervereinigung, Frieden und Freiheit!  

 

 

Mögen weitere solche Wunder geschehen, wenn "Wunder" etwas meint, das großartig/ positiv ist und womit man nicht gerechnet hat, dass es (jetzt/ schon) geschieht. 



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alte Astronomie

05. November 2009, 09:47

2009 - wir schreiben das Internationale Jahr der Astronomie. Warum? ... "weil vor genau 2222 Jahren Eratosthenes von Kyrene seine Catasterismen veröffentlicht hat." Das ist zumindest die Begründung, die sich der Althistoriker Klaus Geus von der IAU gewünscht hätte. Professor Geus, Freie Universität Berlin, ist spätestens seit seiner Habilitationsschrift als versierter Kenner des antiken Universalgelehrten bekannt. Zusammen mit Pamias veröffentlichte er eine kommentierte Übersetzung des genannten eratosthenischen Werks, in dem der antike Dichter, Mathematiker, Astronom, Geograph und Bibliothekar (von Alexandria) die "Gestirnungen" verbal vorträgt und also sternbilderweise die Mythen und Anzahl der zugehörigen Sterne nennt.

Literatur:

1) Pamias, Geus: Sternsagen, Catasterismen (grch./dt.), Utopica, 2007

2) Klaus Geus: Eratosthenes von Kyrene - Studien zur hellenistischen Kultur- und Wissenschaftsgeschichte, Beck, 2002 (die erste umfassende Biographie seit ca 1820)


 

 

Nachtrag:

Aus dem Kommentar deute ich, dass Eratosthenes nicht dermaßen bekannt zu sein scheint, wie ich annahm. Daher empfehle ich jenen, die sich für die Bestimmung des Erdumfangs auf diesem klassischen Weg interessieren, meine eigene Monografie zum Thema: 

http://www.exopla.net/docs/grchn08.pdf

Ich habe diese Messung des Eratosthenes, die schon vor 2200 Jahren das richtige Ergebnis lieferte, vor 12 Jahren mit Messpunkten in Griechenland (Athen, Korinth) und Deutschland (Berlin) nachgeahmt und kam auch zu einem vernünfigen Wert für die Größe der Erde (ca 40 000 km Äquatorumfang). Meine Leser dieser kleinen Zusammenschrift bitte ich um Nachsicht für den Stil dieser Monographie: ich würde heute (zehn Jahre intensives Studium von Physik, Mathe und Geschichte) gewiss einige Details verbessern. Dies war mein Erstlingswerk (Debut als Autorin, erschien 2000 in der Schriftenreihe der Archenhold-Sternwarte), also bitte nicht so pingelig lesen! Sachlich ist es zwar richtig, aber man kann gewiss noch ein paar Zitate, Messunsicherheiten etc genauer angeben usw.



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VdS Tagung in Jena

04. Oktober 2009, 01:34

Jena als Astronomiestadt habe ich hier bereits vor geraumer Zeit skizziert. Ich mag das charmante Städtchen sehr - und lande seit Jahren (aus verschiedenen Gründen) immer wieder mal dort. Heute führte mich die VdS nach Thüringen:

Auf den VdS-Tagungen gibt es stets ein illustres Programm aus Vorstands-, Fachgruppen und Individualpräsentationen. Sie gehören zu den Veranstaltungen, auf denen sich die Hobby-Astroszene trifft. 

Abb: (links) VdS-Fachgruppen-Postersession, (rechts) das Präsi-Banner zwischen den Uni-Türen.

Jena hat durchaus sehr viel zu bieten, astronomisch. Bei einer kleinen "Kuppeltour" in der Innenstadt kann man am Schillergarten auf der einen Seite die Universitätssternwarte mit einem "historischen" 20-cm-Spiegel bewundern, der noch vor weniger als einem halben Jahrhundert in der Forschung eingesetzt wurde. Vis-a-vis steht die Urania-Sternwarte, in der ein coudé-montierter Refraktor wohnt.

Abb: coudé(frz.: "gebogen")-montierter Refraktor (links) in der Urania-Kuppel (rechts).

Im Institut für theoretische Astrophysik werden Exoplaneten, Neutronensterne, Gravitationswellen u.a. spannende Phänomene erforscht. Das Staublabor widmet sich der Spektralanalyse von Protoplanetaren Scheiben ("Proplyds"): Im Laborversuch werden hier glasartige Materialien hergestellt, wie sie im Weltall vorkommen. Diese werden dann untersucht und mit den Spektren verglichen, die man aus den Staubscheiben um junge Sterne erhält. So kann man auf deren Zusammensetzung schließen. Diese Art der Astrophysik (oder Astrochemie?) - die sogenannte Laborastrophysik - ist erst wenige Dekaden alt. Ein ausführlicher Überblicksartikel darüber von Jürgen Blum (heute Prof in BS) erschien 2003 in "Sterne Weltraum".

 

Abb.: Uni-Sternwarte (links) und ihr Spiegel-Teleskop (genutzt vor allem zur Spektroskopie).

Mit einem Telementor haben wir auf dem Dach der Uni zweifelsfrei nachgewiesen, dass die Erde Wolken hat! (also, eigentlich war es ein Versuch, die Sonne zu beobachten - deren makellose Oberfläche allerdings ließ jedes Wabern des Bildes eindeutig als Erdwolke identifizieren)  Smile

Nach Grußworten des VdS-Vorsitzenden Otto Guthier und Sternwartenleiter Peter Rucks gab es am Nachmittag einen wunderschönen Vortrag von Gernot Meiser, der den Astrofotografie-Verbund TWAN  vorstellte. Der Bericht vom Aufbau einer mobilen Sternwarte, d.h. einem großen Auto mit astronomischem Instrumentarium, mit dem einige Hobby-Astronomen durch Europa, Afrika und den Nahen Osten fuhren. Der Beitrag zeigt, wie international die Astronomie ist und sprach die weisen Worte, dass der Himmel doch überall auf der Erde der gleiche ist - Astronomie verbindet also, u.a. auch Menschen verschiedener Kulturen u.v.a.m.

 

  Abb.:Kuppel der Stw.des alten Zeiss-Werks an der Friedrich-Schiller-Uni (auf dem City-Campus) und der Cosmorama Zeiss Planetariumsprojektor in der Goethe-Galerie.



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Preisgekrönte Astronomen & historische Beobachtungen

23. September 2009, 17:08

Gestern, am Dienstag dem 22.9., begann die AG-Tagung in Potsdam mit einer Reihe von Preisverleihungen. Die Stellarphysikerinnen Sonja Schuh (Göttingen) und Anna Frebel (derzeit US) wurden für ihre Forschungen über pulsierende Sterne und deren Exoplaneten bzw über metallarme Sterne mit dem Biermann-Preis ausgezeichnet. Als "unser Mann auf Hawaii" wurde "der fröhliche Exzentriker" bzw. "der Astronom mit den Blumenhemden" Hans-Peter Kudritzki geehrt, der die Schwarzschild-Medaille erhielt. Der bekannte Fernseh-Professor Harald Lesch wurde für seine Arbeit zur Popularisierung unserer Wissenschaft mit dem Bürgel-Preis ausgezeichnet.


Lesch hielt am Abend in der Urania einen Vortrag. Anmoderiert wurde er durch Urania-Leiter Bleier, der die Geschichte seines Hauses auf Alexander von Humboldts Idee einer öffentlichen Sternwarte zurückführte. Wenngleich die Berliner Urania zahlreiche Nachahmungen fand, so ist sie doch heute kein Haus der populären Astronomie mehr, sondern eine Gebäude für öffentliche Vorträge aus allen Wissenschaften, für wissenschaftliches Theater und für Kino sowie der Organisation von anspruchsvoll geführten Reisen.

Das widerspricht ja aber vielleicht nicht einer "astronomischen Lebeneinstellung", denn auch
Lesch begann seinen Vortrag über das Universum mit der Definition: "Das Universum ist das größte, über das nichts größeres gedacht werden kann - klingt eigentlich genau wie der Anfang des Gottesbeweises von Anselm von Canterbury" (Mittelalter). Das Universum schaut sich also selber an, denn wir - die wir schauen - sind schließlich Teil des Ganzen.


Soviel zum Thema Religion in den kosmologs. Ich weiß selbst, dass viele Leute in die öffentlichen Häuser kommen und solche Fragen stellen: Fragen, ob man religiös wird, wenn man sich mit Kosmologie beschäftigt. (Ich musste diese Frage nach der Korrelation der genannten stets verneinen: Bestimmt gibt es religiöse Astronomen, aber es gibt auch solche, die es nicht sind. Ich sehe da keinen Zusammenhang.) 

Das beruhigendste aber an Leschs Ausführungen - mit ein paar Abschweifungen über Politik - war die bewegende Einsicht: "Es gibt auch Gesetze, über die man nicht diskutieren muss: die Naturgesetze". 


Geschichte

Bereits am Montag traf sich der Arbeitskreis Astronomiegeschichte der Astronomischen Gesellschaft: http://www.astro.uni-bonn.de/~pbrosche/aa/potsdam2009/programm.html Der Vortrag von Herrn Hamel fiel leider aus, Anneliese Schnell ließ sich von Herrn Duerbeck vertreten. Dennoch bot ein illustres Kolloquium Vorträge über die Anfänge der Spektroskopie und deren Relevanz für die (Geburt der) Astrophysik von Gudrun Wolfschmidt über die Auswertung historischer Schmetterlingsdiagramme (Sonnenflecken) von Rainer Arlt bis hin zur Erforschung der Geschichte der Königsberger Sternwarte (Dietmar Fürst).

Außerdem stellte Olaf Kretzer von der Volkssternwarte Suhl seine Versuche zu Tagesbeobachtungen von Sternen und Planeten vor. Ausgehend von einer Andeutung im Kosmos des Alexander von Humboldt unternahm er verschiedene Versuche. Ergebnis: Durch lange Rohre ohne Linsen (z.B. Schornsteine) kann man am Tag tatsächlich Planeten und helle Sterne beobachten.   



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Planeten in Schule und Öffentlichkeit

18. September 2009, 10:08

Planeten eignen sich optimal für Outreach-Zwecke der Wissenschaften! Schon im Grundschulalter kann man Kinder für die Planeten begeistern - nicht zuletzt deshalb, weil hier so viele Wissenschaftszweige zusammenlaufen: Geowissenschaften, Chemie, Physik, Biologie - wenn man will, kann man auch Weltraumrecht und Wirtschaft einfließen lassen. (weiter)

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Astrobiologie auf der europäischen Planetentagung

16. September 2009, 12:41

Ein Poster vom Institut für Astrobiologie erregte heute früh meine Aufmerksamkeit: Roter Regen an Indiens Westküste.

Alle Analysen hängen sich an ein Naturphänomen, das im Jahre 2001 beobachtet wurde, historisch aber keineswegs erstmalig stattfand. Laut McCafferty 2007 soll es derartiges schon früher gegeben haben. Die Forschung erhofft sich aus den Analysen neue Erkenntnisse über die Entstehung des Lebens auf der Erde und die Existen von Leben außerhalb der Erde. 

Laut Louis und Kumer 2006 gab es im Roten Regen Mikroben, die bei 300°C und 300 atm existieren können; man fand Proteine, aber keine DNA. Neueste Experimente widmen sich der Resistenz gegen extreme UV-Spektroskopie, gegenüber organischen Lösungen u.a. Sie analysierten mit IR-Spektroskopie, Röntgenspektroskopie, UV-Absorptionsspektroskopie, Elektronenmikroskopie und mehr ... Alles bestärkte offenbar die Idee, dass derartige Lebensformen auch auf Mars, in Venuswolken und anderswo im Sonnensystem existieren könnten - aber der tatsächliche Ursprung ist unklar.


Das war bis gestern - ab heute gibts neue Poster und weitere Vorträge über die Venusatmosphäre, Kleine Körper im Sonnensystem, Monde der Riesenplaneten u.v.a.m.

 

 



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Planetenforschung Heute

14. September 2009, 22:34

Wussten Sie, dass Sie selbst Vorschläge für Ziele der Raumfahrt machen dürfen? 

Ich meine, gewiss hat es sich in unserem Zeitalter herum gesprochen, dass wir längst den nahen Weltraum zu unserem Zuhause zählen, Satellitenteleskope beoachten für die Astronomie (nicht ausschließlich, sondern ergänzend) und zu unseren Nachbarplaneten werden laufend Raumsonden geschickt. Was für Raketenpionier Hermann Oberth und seine Zeitgenossen in den 1920ern noch wie eine utopische Vision klang, gehört heute längst zu unserem ALLtag. (weiter)

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Teleskopfahndung

14. August 2009, 10:29

Die Arbeit einer (Wissenschafts)historikerin hat viel gemein mit der eines Detektivs. Das macht sie gerade so spannend, finde ich! Ich bin hauptsächlich Zeithistorikerin, d.h. mein Hauptinteresse ist nicht (mehr) die Antike, das Mittelalter oder die Renaissance - das habe ich hinter mir gelassen. Vielmehr liegen meine Forschungsschwerpunkte im 20. Jahrhundert, bzw im ausgehenden 19.Jh. (weiter)

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VEGA jubelt 10 mal hoch

08. August 2009, 11:25

Nun geht es zu Ende, das 10. Camp, das zehnte Mal haben sich zwischen 50 und 70 Teens und Twens, also junge Leute zwischen 14 und 40 zusammengefunden, um 14 Tage lang Astronomie pur, rund um die Uhr und in allen Lebensbereichen zu genießen. Es ist wie eine Droge, manche Teilis nannten es dereinst liebevoll ASLenium - ein "neues" chemisches Element, das vor genau 10 Jahren erstmalig in Reinform dargestellt wurde. (weiter)

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AstroTour

07. August 2009, 09:48

Morgens, ca 7:30 in der fränkischen Rhön: Ruhezeit - das erlebt man selten in dieser Gegend im Hochsommer. Das dritte Jahr in Folge findet das ASL auf dem Bauersberg in der Rhön statt. Tag und Nacht sind hier ca 50 junge Erwachsene (SchülerInnen, Studierende vieler Fächer) zu Gange. Sie basteln Experimentalraketen, schauen nachts in den Himmel und drehen einen Film. Wissenschaftliches Arbeiten von jungen NaturwissenschaftlerInnen und Freaks, sowie deren geballte kreative Ergüsse in Gestalt einer Camp-Zeitung, eines Orchesters, Chors, eines Filmteams... (weiter)

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live: ASL im Gange - am Samstag feiern wir 10 Jahre!

03. August 2009, 10:45

Das nunmehr 10te Astro-Camp der VEGA/ VdS ist gerade im vollen Gange und berichtet live vom Tagesgeschehen!

Da der Hauptorganisator, Tobias Opialla, heute seinen Geburtstag feiert, wollen wir ihm hiermit ganz herzlich gratulieren! Als einziger ist er von Anfang an dabei, hat alle 10 Camps vollständig miterlebt: 1999 dokumentiert vom Tigerenten-Club, heute als Chef der AG-Leiter vor Ort. Eine tolle "Karriere"! (weiter)

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Bloggewitter: Fragen zur Bildung und Werteverständnis

20. Juni 2009, 00:01

Die ganze Woche hindurch wird in Berlin gestreikt: Bildungsstreik! An der HU in Mitte tobt das Chaos, an der TU in Charlottenburg wird's schon ruhiger, an der FU im verträumten Dahlem sieht man nur noch verstohlen hier und da ein Plakätchen unter vielen. Doch der Bildungsstreik ist in aller Munde: z.B. in Potsdam

Die Humboldt-Uni im Herzen der Stadt steht Kopf, Kolloquia werden kurzfristig in Kneipen verlegt, weil die Seminarräume besetzt sind u.v.a.m. - schon geographisch liegt sie in der Mitte zwischen dem Bildungsministerium des Bundes und der Berliner Senatsverwaltung für Bildung und Forschung; stets im Brennpunkt: Überm Portal der altehrwürdigen Hochschule prangt das Banner "FIGHT". (weiter)

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Vereinsarbeit Heute ... und zunächst ein Streit um Worte

15. Juni 2009, 12:06

Die Frage "was ist eigentlich Astronomie?" - bzw eigentlich: 'Was gehört alles dazu?' habe ich schon mehrfach erörtert. Nun möchte ich Worte wie Hobby-, Amateur- und Profi-Astronomie auf die philosophischen Goldwaage legen und daraus auf moderne Organisationsformen und Aufgabengebiete schließen.

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Fernrohre und ihre Meister

19. Mai 2009, 09:37

Es wäre wie eine geheimnisvolle Expedition in eine pittoreske Märchenwelt, wenn ich von diesem faszinierenden alten Mann und seinem Häuschen mit Sternwarte am südlichen Stadtrand von Berlin berichtete: Die Straßenbahn fährt ein ganzes Stück durch den Wald, bevor man die Siedlung erreicht. In dem Drei-Zimmer-Haus empfängt der Weise oft Wissenschaftshistoriker aus aller Welt, die ihn gern um Rat fragen. Der Eingang zur Sternwarte befindet sich von innen inmitten eines eindrucksvollen Bücherregals. Er hat die Warte eigenhändig angebaut, erzählt er. Kaum hat man diese Tür geöffnet, steht man in dem winzigen Stauraum am Fuß der Treppe vor einer Vitrine mit Mineralien (einer seiner Leidenschaften), die er von Reisen mitbrachte. In der schwergängigen kleinen Kuppel steht ein kleiner Zeiss-Refraktor. Das Arbeitszimmer sieht aus, als wäre es von einem Kino-Regiesseur eingerichtet: überall liegen Linsen und optischen Instrumente herum - von historischen Fernrohren bis hin zu einem holografischen Beugungsgitter mit 1200 Strich pro Millimeter, die mit der neuesten HighTech von seinen jüngeren Kollegen in Berlin-Adlershof gefertigt werden. ... und so, wie er lebt, schreibt er auch: malerisch!

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