kosmologs Zwischen Himmel und Erde

Ein Planetensystem zum Selberbauen

von Stephan Fichtner, 27. August 2009, 09:17

Das Messing-Orrery aus dem Zeitschriftenhandel

Seit der Mensch seinen Blick zu den Sternen richtet, ist er fasziniert von der mechanischen Regelmäßigkeit, mit der die Himmelskörper ihre Bahn ziehen. So manche unserer ältesten Kulturgüter zeugen von dem Wunsch, eben diese Regelmäßigkeit zu erfassen und zu vermessen: Stonehenge, die Himmelsscheibe von Nebra oder die Observatorien der Maya und Indianer, um nur einige zu nennen.

Der erste bekannte Versuch den Lauf der Gestirne im Modell darzustellen ist der Mechanismus von Antikythera aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus. Das uhrwerkartige Räderwerk, mit dem sich die Bahnen von Sonne und Mond, sowie Eklipsen vorhersagen lassen, ist damit älter als das Uhrwerk selbst. Ähnlich komplexe Werke tauchen erst wieder zum Ende des Mittelalters auf.

In der Renaissance entstanden dann mit den astronomischen Uhren in Prag oder Straßburg immer aufwändigere Himmelmechaniken, die jedoch in abgewandelter Form erst mit der industriellen Revolution für Einzelne erschwinglich wurden. Einer der ersten, der sich ein mechanisches Modell des Sonnensystems für den Privatgebrauch fertigen ließ, war 1712 der Graf von Orrery. Die nach ihm benannten, kurbelgetriebenen Himmelsmechaniken wurden in folgenden zwei Jahrhunderten immer populärer, bis sie mit der Einführung optischer Planetarien fast schlagartig verschwanden.

Trotz der wirklichkeitsnahen Darstellung der Zeiss Projektoren sind es nach wie vor die glänzenden Messing-Zahnräder der Orreries, die uns die Bewegung des Mondes und der Planeten am besten begreifen lassen.

Nun schickt sich ein britischer Verlag an,  das Orrery auch im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen: Unter dem Titel Modellbau Solar System ist gestern eine Zeitschriftenserie gestartet, die dem an Astronomie interessierten Leser in 52 wöchentlichen Ausgaben neben astronomischen Beiträgen auch ein komplettes Orrery zum Selberbauen liefert. Die Materialien sind mit Messing und handbemalten Planetenmodellen aus Silber recht hochwertig, was auch einen entsprechenden Preis (11,99 € pro Heft ab der dritten Ausgabe) nach sich zieht.

Ausgiebig beworben wird das Orrery in TV-Spots, allen astronomischen Publikationen wie den aktuellen Ausgaben Sterne und Weltraum und Interstellarum.

Siehe auch hier. Auf dem Astronomie-Portal Astronomie.de und auf Youtube gibt es Hinweise zu den einzelnen Baustufen des Orreries.

 

 

Ein durchaus interessantes Experiment, um im Internationalen Jahr der Astronomie in der deutschen Öffentlichkeit mehr Interesse am Thema Astronomie und Himmelsmechanik zu wecken. Nicht zuletzt vom wirtschaftlichen Erfolg dieses Experiments wird es abhängen, ob die Sammleredition in weiteren Ländern an den Start geht.

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Uhura Uraniae: Planeten in Schule und Öffentlichkeit

Kommentare

  1. Karl Bednarik Nur zwei Fragen:
    27.08.2009 | 10:51

    Welcher Planetoid wurde hier dargestellt (Ceres)?

    Welcher transplutonischer Planet (bzw KBO) wurde hier dargestellt (Eris bzw Xena)?

  2. Karl Bednarik Noch eine dritte Frage:
    27.08.2009 | 10:57

    Kann man dieses Orrery auch fertig montiert kaufen?

    Mit Dank für Ihre Antworten im Voraus,
    und mit freundlichen Grüssen,
    Karl Bednarik.

  3. 27.08.2009 | 14:58

    Sehr geehrter Herr Bednarik,
    das Orrery aus dem Eaglemoss-Verlag stellt sowohl Ceres in der Lücke zwischen Mars und Jupiter als auch die Objekte Pluto und Eris, jenseits von Pluto, jeweils mit einer Kugeldarstellung dar.
    Das Orrery kann man im Moment nur als Bausatz in 52 wöchentlichen Ausgaben beziehen.
    Gruß,
    Stephan Fichtner

  4. Dirk Größe
    28.08.2009 | 04:18

    Wie Groß wird das ganze sein, wenn es fertig ist?

    Und ist garantiert, dass auch alle Ausgaben erscheinen werden? Nicht das man dann mit einem halb fertigen Model dasteht.

  5. Karl Bednarik Die Erstausgabe
    28.08.2009 | 09:43

    Die Erstausgabe erschien vor 2100 Jahren:

    http://de.wikipedia.org/...anismus_von_Antikythera

  6. Stephan Fichtner Erscheinungsweise
    28.08.2009 | 11:13

    Natürlich werden alle Ausgaben erscheinen. Der Verlag hat dieses Modell bereits in England erfolgreich über ein Jahr lang vertrieben. Ab Januar kommt vermutlich sogar noch Österreich dazu. Natürlich kann es passieren, das bestimmte Kioskbesitzer das Heft aus ihrem Sortiment werfen, wenn sie nicht genügend davon verkaufen, aber das Abo läuft genau ein Jahr. Die Käufer am Kiosk können die Zeitschrift jede Woche erwerben, Abonnenten erhalten alle 14 Tage jeweils zwei Ausgaben auf einmal.

  7. Carolin Liefke Geldschneiderei?
    30.08.2009 | 15:51

    Verschweigen sollte man aber nicht, daß es angesichts des doch recht hohen Gesamtpreises auch kritische Stimmen gibt:

    http://forum.astronomie.de/...aneta#Post638884>
    http://www.astrotreff.de/...asp?TOPIC_ID=90860>

  8. Jan Hattenbach kein Betreff
    30.08.2009 | 20:26

    Wer die vier Grundrechenarten nicht beherrscht sollte sein Geld sowieso nicht selbst verwalten. Darüber hinaus muss jeder selbst wissen, was er für wieviel ausgibt. Wenn ich überlege, was ich alles schon in Okularen, Filter etc. angelegt habe, uiuiui.

    Ob das Angebot den Preis wert ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Das Modell sieht aber schon recht hochwertig aus.

    Die Transparenz der Preisangabe läßt allerdings zu wünschen übrig, aber das kennt man ja heutzutage schon nicht mehr anders...

  9. Stephan Fichtner kein Betreff
    30.08.2009 | 21:34

    Hallo Carolin,

    genau deshalb gibt es in meinem Blog auch noch einmal extra einen Satz, wo ich auf den Preis eingehe (11,99€/ Ausgabe). Hochwertige oder gar handgefertigte Produkte liegen meist preislich sehr hoch. Ich denke, in der heutigen Zeit muss jede(r) selbst immer gut abwägen, was man für ein Abo aufs Jahr gerechnet ausgibt und was er oder sie im Gegenzug dafür bekommt.

    LG,
    Stephan

  10. Carolin Liefke Vergleichbares?
    30.08.2009 | 22:45

    Hallo Stephan,

    du hast sicher recht. Ist halt Verkaufsstrategie, den Einzelheftpreis zumindest im zweistelligen Bereich zu halten. Ob es sein Geld dann insgesamt wert ist, wird sich dann ja zeigen, immerhin bekommt man schonmal kein Plastik, und edel schaut es auch aus.

    Es gibt ja auch eigentlich nichts wirklich vergleichbares. Das einzige was einem überhaupt einfällt, ist das Baader Planetarium, und über dessen Preis reden wir mal lieber erst recht nicht...

  11. Michael Khan Kritische Stimmen
    31.08.2009 | 10:45

    Ich fürchte, "kritische Stimmen" wegen des Preises kriegt man immer, egal, wie hoch der verlangte Preis ist. Wenn die Qualität stimmt, und man die Tatsache berücksichtigt, dass man hier eben doch relativ geringe Stückzahlen hat, dann muss jede/r Interessierte selbst abwägen, ob er/sie sich eins goennt oder nicht.

  12. Karl Bednarik Das schönste Orrery
    31.08.2009 | 12:15

    Das schönste Orrery ist meiner Meinung nach jenes aus dem Film "Lara Croft: Tomb Raider" aus dem Jahre 2001.

    Leider war dieses Orrery sehr teuer, und nicht ganz real.

    Zwei Bilder vom Bildschirm:

    http://members.chello.at/....bednarik/DSCN173A.JPG

    http://members.chello.at/....bednarik/DSCN172A.JPG

  13. Karl Bednarik Video des Orrery
    02.09.2009 | 09:41
  14. Stephan Fichtner das ist ein Orrery
    02.09.2009 | 09:54

    Hallo Herr Bednarik,

    ja, das ist wirklich ein tolles Orrery. Allerdings etwas zu groß für den Heftversand ;-)

    Grüße aus Heidelberg,
    Stephan Fichtner

  15. S. Spaller Preis sprengt den Rahmen bei weitem!
    04.09.2009 | 20:10

    Ich habe mich gerade bei You Tube sachkundig gemacht. Da sprechen sie von einem 49 zig teiligen Set. 49 mal 5,99 €, das ist ja ein Wahnsinn, da kann einem die Lust darauf vergehen.

  16. wolpe Ich finde das Orrery sehr hochwertig!
    03.04.2010 | 17:58

    Ich bin jetzt bei Ausgabe 11 und freue mich jede Woche auf das Heft. Ist zwar teuer (608 €) aber mir ist es das Wert.
    Schön wenn es von Woche zu Woche vollständiger wird, oder?

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