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Zwei Augen sehen besser als eins

Freitag, 21. März 2008, von Helmut Dannerbauer

Das dachten sich wohl auch Astronomen aus US-amerikanischen, italenischen und deutschen Instituten bei der Planung und Entwicklung des leistungsstärksten Einzelteleskops der Welt, dem Large Binocular Telescope (LBT) am Mount Graham, Arizona, USA. Vor kurzem berichtete dieses internationale Konsortium  vom "Ersten Licht" im so genannten "binokularen Modus" [1].

 
Large Binocular Telescope (LBT) am Mount Graham, Arizona, USA. In dieser Aufnahme reflektieren die beiden Spiegel den Abendhimmel (Quelle: David Steele, LBT).
 
 
Dieses Teleskop besteht aus zwei Einzelspiegeln mit jeweils einem Durchmesser von 8,4 Metern. Diese beiden Spiegel befinden sich zusammen auf einer gemeinsamen Montierung. Das Lichtsammlungsvermögen der beiden Spiegel zusammen entspricht dem eines 11,8 Meter-Spiegels. Seit kurzem nun ist es möglich mit beiden Spiegeln gleichzeitig, das selbe astronomische Objekt zu beobachten, was weltweit einzigartig ist. Zwei Panomara-CCD-Kameras, genannt LBCs (Large Binocular Camera),  bestehend aus jeweils 36 Megapixeln, setzen die Wissenschaftler ein. Ein Team unter der Leitung von Emanuele Giallongo vom Astrophysikalischen Observatorium Rom (OAR) baute beide Kameras. Jeweils eine Kamera befindet sich im Primärfokus eines Spiegels. Die beiden Kameras unterscheiden sich darin, dass die eine eher empfindlich für das blaue, LBC blue, und die andere eher für das rote Licht, LBC red, ist. Das LBT sieht somit auf dem einem Spiegel blau und auf dem anderem rot.

Die blaue Large Binocular Camera (LBC blue) montiert im Primärfokus eines der beiden Spiegeln am LBT (Quelle: Emanuele Giallongo und Team, OAR, Italien).
 
 
Die vorgestellte Beobachtungen des "Ersten binokularen Lichts" zeigen Aufnahmen der Spiralgalaxie NGC 2770, 102 Millionen  Lichtjahren von uns entfernt. Das Team um Emanuele Giallongo machte die hier vorgstellten Aufnahmen.

Bild von NGC 2770 aufgenommen mit LBC blue. Im blauen Licht sind vor allem klumpige Regionen in den Spiralarmen zu sehen, in denen sich junge, neu entstandene Sterne befinden [1].

 

Bild von NGC 2770 aufgenommen mit LBC red. Im roten Licht sind vor allem alte Sterne, die eher gleichmäßig in einer Spiralgalaxie verteilt sind, zu sehen.

 

Kombination aus Aufnahmen der beiden Kameras, in denen die gesamte Struktur der Galaxie zu sehen ist.  
 
 
Letztendlich ist geplant, das Licht der beiden Spiegel mit Hilfe der Interferometrie miteinander zu kombinieren (zu überlagern). In dieser letzten Ausbaustufe erreicht das LBT dann die Auflösung eines 22,8 Meter-Teleskops.

Aus Deutschland sind nebem dem Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg, die Max-Planck-Institute für Extraterrestrische Physik in Garching (MPE) und für Radioastronomie in Bonn (MPIfR), sowie das Astrophysikalische Institut Potsdam (AIP) und die Landessternwarte Heidelberg (LSW) beteiligt - dies macht einen Anteil von 25% Deutschlands am Gesamtprojekt aus.

 

Bis zum nächsten Blog,

Euer Helmut Dannerbauer

 

Quelle:

[1]: MPIA Pressemitteilung 08-03-06, 06. März 2008