Eilantrag gegen LHC abgewiesen
Es ging bereits gestern durch die Presse: das Bundesverfassungsgericht hat einen Eilantrag auf Anordnung einer einstweiligen Verfügung abgewiesen.
(Read this post in English here)
Die Klägerin, eine in Zürich lebende Deutsche, wollte damit die Bundesregierung verpflichten, gegen den Betrieb des Large Hadron Collider (LHC) in der geplanten Form bei der europäischen Organisation für Kernforschung CERN in Genf einzuschreiten. Die Bundesrepublik Deutschland ist Mitglied und mit knapp 20% größter Beitragszahler des CERN.
Die Begründung dieser Entscheidung kann auf der Webseite des Bundesverfassungsgerichts eingesehen werden.
Ich zitiere aus dieser Begründung folgenden Passus, der auch gut zu Teilen der Diskussion im Anschluss an Andreas Müllers Beitrag zur Wiederaufnahme des LHC-Betriebs im November 2009 passt:
(1) Zur schlüssigen Darlegung möglicher Schadensereignisse, die eine Reaktion staatlicher Stellen erzwingen könnten, genügt es insbesondere nicht, Warnungen auf ein generelles Misstrauen gegenüber physikalischen Gesetzen, also gegenüber theoretischen Aussagen der modernen Naturwissenschaft zu stützen [...]. Praktisch vernünftige Zweifel setzen - wenigstens - die Auseinandersetzung mit Gegenbeispielen, also Widerlegungsversuchen der jeweiligen Aussagen voraus. Namentlich im Bereich der theoretisch weit fortgeschrittenen Naturwissenschaften erfordern vernünftige Zweifel zudem ein hinreichendes fachliches Argumentationsniveau. Die schlüssige Darlegung einer Warnung kann jedenfalls nicht auf solche Hilfserwägungen abstellen, die ihrerseits mit dem bewährten, anerkannten Hintergrundwissen des jeweiligen Faches in Widerspruch stehen. Die Beschwerdeführerin unterschreitet diese Anforderung, soweit sie neben einem Theorem, auf welches es für die Sicherheit des LHC nicht ankommt, diverse Hilfserwägungen („Atto-Quasar“, „Superfluidität“) vorträgt, von denen die „Weltgefahr“ zwar ausgehen könnte, die aber - jedenfalls was diese Ergänzungen angeht - nach ihrem eigenen Vortrag bislang weder wissenschaftlich publiziert noch auch nur in Umrissenen theoretisch ausgearbeitet sind.
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Sollte da etwas so etwas wie Vernunft eingekehrt sein? Ich bin jedenfalls froh über das Urteil, sonst würde Forschung wohl auf die Dauer unmöglich werden.
Das Nuhr'sche Prinzip ("Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten") höchstrichterlich festgestellt und im schönsten Juristendeutsch dargelegt. Eine Sternstunde des Bundesverfassungsgerichts!
Ein englischer Kollege bemerkte in Bezug auf das Zitat aus der Begründung der Entscheidung:
"Deutsch ist aber umständlich. Auf Englisch hätte man einfach gesagt: 'shut up, you twit!'"
Ich empfehle dringend die Lektüre der heutigen (Print-)version der FAZ. Das Titelbild zum Thema ist genial.
Nicht minder genial die im dazugehörigen Artikel aufscheinende Idee, dass das BVG die Klage aus Zuständigkeitsgründen auch an ein anderes Gericht hätte verweisen können: das jüngste.
Dass das H in LHC für Harmageddon steht.
Ganz korrekt ausgeschrieben heißt es:
Lars Harmageddon Collision
Teilweise kann ich mich meinen Vorrednern anschliessen. Kritik sollte gut begründet sein, insbesondere, wenn Verbote ausgesprochen werden sollen.
Nicht einverstanden bin ich, wenn hier die Meinung vertreten wird, dass nur Experten, in diesem Fall Physiker, etwas zur Sache beizutragen hätten. Der Weltuntergang geht nun mal alle was an :)
Worauf ich hinaus will ist : Wer kann von sich behaupten, dass er durch eigene Gedankengänge, Betrachtungen und Berechnungen zum Urteil gelangte, dass keine Gefahr bestehe ?
Die grundsätzliche und diskussionswürdige Tatsache ist doch die, dass sich für mehr als 99 % aller, welche die Experimente im CERN für unbedenklich halten, ihre Überzeugung auf ihr Vertrauen in die Autoritäten, also Physiker, stützt.
Die Frage, die sich somit der Nichtphysiker stellen und beantworten muss ist nicht : Sind die Cern - Experimente eine Gefahr, sondern ; Ist das Vertrauen gerechtfertigt ?
LHC = Lasst Hirn chneien
Ach, ich verlass' mich einfach drauf, dass mein Wohnort weit genug von Genf ist und damit außerhalb der Gefahrenzo
Das reißt alte, schon anderswo ausdiskutierte Wunden wieder auf: Genauer betrachtet, muss man kein Vertrauen in die Physiker haben, sondern Vertrauen in die Natur. Denn ihre pure Existenz, so wie sie ist, zeigt, dass vom LHC keine Apokalypse ausgehen kann.
Beste Grüße,
Andreas
Jeder, der den Fuß auf eine Brücke setzt, setzt Vertrauen in das Können Anderer. Im Fall der Brücke in das der Ingenieure.
Aber das geht meist gut, die Ingenieure sind ja zum Glück nicht alle so wie ich.
Das Thema Angst-vor-Weltuntergang-durch-LHC zeigt meiner Meinung nach hauptsächlich eines: Das die Wissenschaftler es einfach noch nicht gut genug hinbekommen, Otto-Normalbürger zu erklären was sie eigentlich machen und was nicht.
Wer (wie der großteil der Bevölkerung) im alltäglichen Leben nichts mit Elementarteilchenphysik zu tun hat, kann aus seinem eigenen Wissen nicht beurteilen, ob vom LHC nun eine Weltuntergangsgefahr ausgeht oder nicht. Es geht aber auch nicht darum, daß ein Physiklaie blind alles glauben soll, was die Experten ihm erzählen, im Gegenteil.
Wichtig ist, daß sich ein Wissenschaftler daran macht, dem besorgten Bürger wirklich verständlich zu erklären was es mit der ganzen Sache auf sich hat. Aber leicht hat derjenige es nunmal nicht. Er muß die ganzen Zweifel und Unkenrufe aus dem Weg räumen, die geltungssüchtige Panikmacher und Verschwörungstheoretiker mal eben in die Welt setzen.
Daß da erst das Bundesverfassungsgericht ein Urteil fällen muß (bzw. sich weigert eben dieses zu tun), das ist das traurige daran. Man sollte schließlich meinen die hätten da wichtigeres zu tun.
Auch wenn ein Naturwissenschaftler einem Laien verständlich machen kann, was am LHC gemacht wird, muss der Laie dem Wissenschaftler vertrauen, dass die popularisierte Darstellung stimmt; ob sie stimmt, kann nur jemand mit fachlicher Expertise beurteilen.
Letztlich kann sich also nur die internationale Fachgemeinschaft selbst kontrollieren - und das tut sie natürlich auch. Dafür gibt es das Instrument externer Gutachter, die nichts mit dem zu beurteilenden Projekt zu tun haben.
Ich meine, dass man dem Laien vermitteln muss, wie Naturwissenschaft funktioniert und wie sie Qualitätssicherung und Sicherheitsmanagement betreibt.
Beste Grüße,
Andreas
Von den Normalbürgern höre ich eigentlich keine Kritik am LHC (außer, sie sind neoliberal, dann ist er ihnen zu teuer).
Es wird aber immer Leute gehen, die durch alle Instanzen ziehen, weil sie nicht ertragen können, mal nicht Recht zu haben. Daran ändert aber die beste und geduldigste Erklärung nichts.
Ein anderes aktuelles Beispiel beschrieb Florian Freistetter gestern, 9.3.2009 in seinem Blog.
Jesses - welch grausames Deutsch...
'...Praktisch vernünftige Zweifel...'
'...Hilfserwägungen...'
...Die Beschwerdeführerin unterschreitet diese Anforderung...'
'...die ihrerseits mit dem bewährten, anerkannten Hintergrundwissen des jeweiligen Faches in Widerspruch stehen...'
etc., etc.
Gerade in gerichtlichen Verlautbarungen ist sprachliche Klarheit unabdingbar. Es geht ja nicht um 'Hintergrundwissen', sondern um den aktuellen, anerkannten Wissensstand auf dem Gebiet der Physik. Außerdem stehen Sachverhalte nicht im Widerspruch 'mit', sondern 'zu' anderen Sachverhalten/Dingen. Haben wir alle ja mal so in der Grundschule gelernt....
Ehrlicher wäre es gewesen, das Richtergremium hätte kurz und bündig erklärt: Das Thema ist nicht unsere Baustelle, denn von Hochenergiephysik haben die Fachleute mehr Ahnung, und sie werden sich hoffentlich richtig entschieden haben (wofür ja einiges spricht).
Und bitte, das nächste Mal - falls möglich - in lateinischer Sprache. Dann klingen die verschraubten Formulierungen noch besser. Verstehen muss es eh keiner.
Ich denke mal, das ist gerade der Punkt.
Es muß schon ein ziemlich tiefliegendes Mißtrauen dahinterstecken, wenn man sich die Teilchenphysiker am CERN lieber als rücksichtslose Verrückte vorstellt, die für ihre seltsamen Forschungen den Weltuntergang riskieren, anstatt als verantwortungsbewußte Menschen, die genauso um die Existenz der Menschheit besorgt sind wie andere auch, wahrscheinlich sogar mehr.
Und wie könnte man solche Vorstellungen vom bösen Wissenschaftler besser ausräumen als durch mehr "Bürgernähe"? Wenn der Laie generell der Wissenschaft gegenüber positiver eingestellt wäre, dann würde sich so mancher Spinner es sicherlich überlegen, ob er sich überhaupt traut zu versuchen seine abstrusen Ideen unters Volk zu bringen.
Bei den künstlichen Schwarzen Löchern am LHC wissen wir ja, daß die ursprüngliche Panikmache persönlich motiviert war. Es wäre halt schön wenn sowas von sich aus wieder in der Versenkung verschwindet, weil die Menschen darauf vertrauen, daß sich die Wisenschaftlergemeinde der Sache annehmen würde, wenn wirklich etwas dran gewesen wäre.
Liebe Carolin,
ich stimme Deinem letzten Kommentar zu, habe aber nicht verstanden, was Du mit dem folgenden Satz gemeint hast: "Bei den künstlichen Schwarzen Löchern am LHC wissen wir ja, daß die ursprüngliche Panikmache persönlich motiviert war."
Es wäre zu stark vereinfacht, wenn Du Dich damit auf Prof. Rössler beziehst. Er war nur Sprachrohr einer Gruppe, die den LHC-Experimenten kritisch gegenüberstand. Ähnliche Gruppen gab es bereits fast zehn Jahre vor dem LHC-Start, nämlich beim US-Teilchenbeschleuniger RHIC (Stichwort: Wagner-Klage).
Es ist auch völlig in Ordnung, kritisch gegenüber Experimenten eingestellt zu sein; nur sollte man dann auch wirklich gute Argumente vorbringen können und sollte ein Einsehen haben, wenn diese Argumente fachlich entkräftet werden.
Genauso dieser Meinung ist offenbar auch das BVG.
Beste Grüße,
Andreas
Wenn die Erde von sehr energiereichen kosmischen Teilchen getroffen wird, dann fliegen die entstehenden Miniatur-Schwarzen-Löcher durch die Erde hindurch, und hinten wieder aus der Erde heraus.
ruhend + bewegt = bewegt
Das ist nicht der Fall, wenn die Miniatur-Schwarzen-Löcher bei Teilchen-Teilchen-Kollisionen im CERN erzeugt werden, denn diese Miniatur-Schwarzen-Löcher fallen nur in die Erde hinein, und bleiben dann dort.
bewegt + gegenläufig bewegt = ruhend
Im Universum knallt alles auf alles, und fliegt auch dann entsprechend schnell wieder auseinander.
Wenn wir aber Teilchen-Teilchen-Kollisionen mit genau gleicher Energie und mit genau gleicher Teilchenmasse genau hier machen, dann sind die resultierenden mini black holes auch genau hier, und nicht irgendwo anders.
Denn diese mini black holes bekommen eben dann keinen relativen Impuls mit, und die bleiben dann auch hier.
Die vielen mini black holes, die durch den leeren Weltraum geistern, die stören niemanden, und die bemerkt zur Zeit auch noch niemand.
Es hat noch keiner die Instabibilität der mini black holes gezeigt, es hat aber auch noch keiner die mini black holes selbst gezeigt.
Irgendwie bekomme ich das 1950er Jahre Feeling, ob nun irgendetwas und irgendwo halbwegs zügig in die Luft geht.
Zur weiteren Erheiterung:
http://www.e-stories.de/...geschichten.phtml?23737
http://www.e-stories.de/...geschichten.phtml?25551
Selbst wenn mini black holes instabil sind, kann das mini black hole schneller Materie schlucken als es diese in Hawkingstrahlung umwandeln kann.
Auf einer Strecke durch feste Materie von einem Meter länge liegen rund 10.000.000.000 Atome nur 0,1 nm weit vom mini black hole entfernt.
Wenn nun das mini black hole 10.000 Meter pro Sekunde hat (es soll die Erde nicht verlassen können), dann hat es 10 hoch 14 Atome pro Sekunde zur Verfügung.
Dazu kommt noch, dass seine seitliche Reichweite vermutlich wesentlich grösser als 0,1 nm weit ist.
Das Titelbild der FAZ:
http://www.faz.net/...914BA3544C728F85DF2D4CA91BA1
Warnschild vor meinem Labor:
http://members.chello.at/....bednarik/MOHAWK-2.jpg